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Und jetzt ... Django Asül: Ballacks Gelenk und Merkels Hirn

Fußball und Politik haben in diesen Tagen viel gemeinsam: Ballack ist im Eimer, Merkel auch. Und wer hat das Spiel nun gewonnen?

Eine satirischer Abpfiff von Django Asül

Die Währungsunion ist eine Schicksalsgemeinschaft. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Bewahrung der europäischen Idee. Zugegebenermaßen ist das ein relativ kurzer Witz. Wenn auch ein sehr amüsanter. Umso überraschender ist die Urheberschaft. Verantwortlich für diesen Gag über die EU ist Angela Merkel. Sonst eher dafür bekannt, spaßfrei und ausschweifend das Unkonkrete zu kultivieren. Um die Massen nicht zu sehr aufzuschrecken, nannte sie diesen Witz deshalb sicherheitshalber Regierungserklärung. Die Kanzlerin schwadronierte irgendwas von der größten Bewährungsprobe der Union seit 50 Jahren. Die Botschaft ist eindeutig: Das Nichts namens EU steht quasi vor dem Nichts. Dieser Ansatz geht philosophisch ins Nihilistische und mathematisch ins Absurde. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Neben Führungsstärke auch noch Phantasie zu demonstrieren, rundet das Bild einer unrunden Regierungsepoche gut ab.

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Was ist eigentlich die europäische Idee, auf die Frau Merkel nicht verzichten will? Wer das bei Google als Suchbegriff eingibt, kommt auch nicht groß weiter. Ursprünglich war das die Vorstellung, nebeneinander zu existieren unter Verzicht auf Krieg und Zölle. Daran fanden sogar die Engländer großen Gefallen. Aber irgendwann wurde es den Engländern wie auch den Deutschen, Franzosen und Italienern langweilig mit diesem Konstrukt. Der Wunsch nach neuen Absatzmärkten wurde immer stärker. Und so nahm man teils aus wirtschaftlichen, teils aus politischen Gründen so ziemlich alle Länder auf, die bei drei noch nicht auf den Bäumen waren. Die Aussicht auf gigantische Subventionen ohne effektive Gegenleistung war ja keine Petitesse.

Und weil all' die Parties in Brüssel sehr alkoholgetränkt waren, entstand irgendwann die Schnapsidee namens europäische Idee. Wer in Europa mehr als einen gemeinsamen Wirtschaftsraum sieht, muss sozusagen ein ausgesprochenes Faible für Halluzinationen haben. Oder zumindest Gefallen an einem bürokratischen Phantom finden.

Warum auch nicht? Merkel gehört sicher nicht zu diesen supranational bis transzendental angehauchten Illusionisten. Aber sie will mitmischen in Europa. Ohne eine Idee und somit die Chance auf einen Triumph zu haben. Wer keine Idee hat, kann nicht agieren, sondern nur merkelmäßig reagieren. Und so gibt die Kanzlerin eine eigene Interpretation des Ballack-Kaputttreters Boateng ab: Sie hechelt hinterher und grätscht dazwischen, ohne eine Chance auf den Ball zu haben.

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So unfroh ist Merkel sicher nicht über den Ausfall von Ballack. Es kommt nicht gut, wenn Deutschland mit einer gesunden Kanzlerin dahin dümpelt, während die Nationalmannschaft mit einem gesunden Kapitän womöglich Weltmeister wird. Dass Ballack einen weitaus höheren Stellenwert als sie selber, hat die Unions-Frontfrau verstört vernommen. Ballacks Sprunggelenk ist also wichtiger als Merkels Hirn. Während Merkel versucht, die Spekulanten für das Versagen der Staatshaushälter verantwortlich zu machen, ignoriert die Nation die Kanzlerin und ist stattdessen lieber sauer auf Boateng. Es ist schon fast ein kleines Wunder, dass noch niemand das Gerücht über griechische Vorfahren Boatengs in Umlauf brachte.

Dieser Boateng ist soziologisch ein interessanter Fall. Schon zu seinen Berliner Zeiten legte er großen Wert auf zivilisationsfremde Manieren. Sein Prinzip ist ganz einfach: Wenn man selber keine Chance auf etwas hat, muss man es zumindest anderen vermasseln. Und das Grundrecht auf sinnlosen Radau gehört sowieso verbrieft. Mit dieser Typologie müsste Boateng schon längst von dem neuen Linken-Boss Ernst eine Ehrenmitgliedschaft angeboten bekommen haben.

Allerdings kommt das Boateng-Foul nicht nur WM-technisch, sondern auch fiskalisch zur absoluten Unzeit. Gerade hatten Regierungspolitiker sich beim Thema Kosteneinsparungen für die Rasenmähermethode erwärmt, fliegt Boateng rasenmäherlike gegen Deutschlands wichtigsten Unterschenkel. Fazit: Wer wie ein Rasenmäher vorgeht, trifft zu allererst den Falschen.

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Die neue Kriminalstatistik wurde ebenfalls zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt veröffentlicht. Die Idee, gewalttätige Jugendliche mit Migrationshintergründ außer Landes zu schaffen, klingt natürlich sehr verführerisch und suggeriert ein Plus an Sicherheit. So war das ja auch bei Boateng gedacht. Aber in Frage kommen sollten nur Länder, wo keinerlei Deutsche einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen. Die Sicherheit Deutschlands muss nicht nur am Hindukusch, sondern auch in der englischen Premier League verteidigt werden.

Weil Merkel auf sämtliche nationalstaatlichen Grundregeln pfeift, wird die EU wird endlich zur Transferunion. Im Fußball ist die europäische Transferunion schon länger Realität. Boateng wurde aus einem deutschen DFB-Verein zu einem britischen FA-Verein transferiert. Nur hat der deutsche Klub es scheinbar nicht geschafft, aus dem Spieler einen verantwortungsvollen Gesellen zu machen. So wie es Griechenland bisher nicht geschafft hat, seine Bürger fiskalisch zu domestizieren. Wer Steuern hinterzog und sich der Korruption hingab, galt als Gewinner. Üble Burschen und Burschinnen erwarben sich so das Image des Gewievten. Rücksichtslosigkeit als Imperativ der Bürgergesellschaft. Damit wurde Griechenland zum Letzten innerhalb der Union. Boateng steht auch am Tabellenende mit seinem Klub Portsmouth. Wie sieht die Strafe für Griechenland aus? Das Land wird mit EU- und IWF-Geldern zugeschüttet. Wie sieht die Strafe für Boateng aus? Mit West Ham United will ein Erstligaverein den Rowdykicker kaufen. So wie Griechenland die EU als Trittbrett für weiteres ungebührliches Verhalten benutzt, entpuppt sich Ballacks Fuß als Trittbrett für den Verbleib Boatengs in der ersten Liga. Also haben Griechenland und Boateng alles richtig gemacht.