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Und jetzt ... Django Asül: Der Stalker, Merkels letzter Fan

Paul ist tot, der Euro weich - und Angela Merkel versucht die nächste Finanzkrise mit einem Wackelpudding aufzuhalten. Wenigstens wissen wir jetzt, wer der Merkel-Stalker war.

Eine satirischer EU-Bummel von Django Asül

Endlich mal wieder ein EU-Gipfel, wird sich die Kanzlerin denken.

Endlich mal wieder weg aus Deutschland. Wenn Merkel mal eine Woche lang nicht ins Ausland darf, fühlt sie sich mittlerweile schon wieder so eingesperrt wie bis 1989. Ein Jahr Schwarzgelb. Das wirkt auf die CDU-Chefin wie ein großer Fluch. Ist aber in Wahrheit ein großer Erfolg für Deutschland. Denn das Land existiert noch. Ein paar Wochen nach der Regierungsbildung kam nämlich schon der Verdacht auf, dass sich Bayern, Baden-Württemberg und Südhessen abspalten könnten und die restlichen Westbundesländer an die ehemaligen Neubundesländer verscherbelt würden. Aber sowohl der Wirtschaft als auch dem Volk war die neue Regierung schnuppe. Jeder machte sich an die Arbeit. Heraus kam eine solide ökonomische Aufwärtsbewegung. Daran erkennt man einmal mehr: Es hat auch Vorteile, dass Politik allgemein so gut wie nichts mehr mit der Realität zu tun hat.

Dass Merkel sich im Ausland mehr Seelenheil als im Inland verspricht, mag ein Blick nach Holland beweisen. Der sogenannte Rechtspopulist (das ist neudeutsch für den in Deutschland üblichen Fachausdruck Sarrazin) umgarnt die deutsche Regierungschefin wie sie selbst weiland den tropfnassen Özil in der Stadiondusche. Hollands Vorzeige-Konservativer Wilders ist bekennender Merkel-Fan, weil Merkel dem Islam endlich mal zeigt, wo der Hammer ohne Sichel hängt. Wilders tickt zwar in etwa ähnlich wie Sarrazin, aber da Wilders Ausländer ist und Sarrazin Deutscher, kann Merkel nach wie vor Sarrazin verdammen und sich von Wilders gewohlstandsbauchpinselt fühlen. Wichtig ist: Wilders ist Europäer. Denn dass sonst ein Europäer derzeit auf Merkel gut zu sprechen ist, ist so wahrscheinlich wie ein Bundesligasieg des 1.FC Köln.

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Im Vorfeld des EU-Gipfels in Brüssel muss sich Merkel von allen Insolvenzlingen anhören, sie hätte die Reform des Stabilitätspakts von vornherein versaubeutelt. Wobei der Stabilitätspakt ja ohnehin nur ein Papiertiger ist. Oder eher ein Papierhamster. Das beweist der Umgang mit Griechenland. Auf einmal durfte beziehungsweise musste die Europäische Zentralbank die staatlichen Schrottpapiere aufkaufen, weil der Grieche an sich lieber erst mal keine Steuern zahlt, um später in der Rente überversorgt zu sein. Mit diesem Stabilitätspakt die nächste Finanzkrise verhindern zu wollen gleicht dem Versuch, einen Tsunami mit Wackelpudding aufzuhalten. Aber wenn bei Merkel was wackelt, dann ist das nicht der Pudding, sondern sie selber. Das ist ihre Art, das Heft des Handelns in der Hand zu halten. Um irgendwann zu merken, dass sie eigentlich gar keine eigenen Buntstifte hat. Darum dachte sich Merkel: Wenn schon Alleingang, dann nur im Paket mit Sarkozy.

Wer aber sich mit Sarkozy zusammentut, hat den Geist von Europa nicht verstanden. Europa heißt nämlich, das gemeinsame Siechtum verfassungsrechtlich wasserdicht zu machen. Gibt es den Geist von Europa überhaupt? Den kleinen EU-Ländern dämmert es mittlerweile, dass Europa eher ein deutsch-französischer Spuk ist, der sie knebeln will. Ganz nach dem Motto: Pleite gehen dürfen alle, aber zu Kreuze kriechen sollen die Kleinen und Lästigen.

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Jetzt mosert auch noch EU-Chef Juncker herum, dass er schon mit der Einbindung in die Gespräche zwischen Merkel und Sarkozy gerechnet hätte. Typisch für die Hybris eines EU-Pharisäers. Wenn Merkel sogar große Länder wie England, Italien und Spanien außen vor lässt, wird sie sich kaum Gedanken um einen lumpigen Luxemburger machen. Zumal der Luxemburger ja immer noch nicht weiß, ob er jetzt eigentlich Deutscher oder Franzose ist. Denn Luxemburg ist ja nun wirklich kein Land, sondern bestenfalls ein Schwarzgeldkonto mit angeschlossener Billigtankmöglichkeit. Juncker kritisiert, dass die Idee eines Stimmrechtsentzugs für Defizitsünder nicht mal diskussionswürdig sei. Da hat der Mann auch recht. Das würde ja über kurz oder lang zum Verlust des Stimmrechts aller Länder führen. Und die EU wäre nur noch ein Stummfilm.

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Es gibt aber schon noch auch konstruktive Kritik. Europäisch gesinnte Kreise raten den Brüsseler Spesenrittern seit langem dringendst, die Krake Paul mit einzubeziehen in die Gedankenspiele über den Stabilitätspakt. Doch leider verstarb das Tier jetzt. Dabei hatten gerade Finanzexperten der Krake weit mehr Gespür zugetraut für weitreichende Entscheidungen als Merkel und Sarkozy zusammen.

Sicher ist: Es darf kein Referendum mehr geben. Denn der EU-Bürger ist schon viel weiter als die EU-Politiker und weiß, dass die EU eine Fata Morgana ist. Es gibt sie auf dem Papier. Es gibt sie in den Bilanzen der Staaten. Es gibt sie aber nicht in den Köpfen der Menschen und in den Herzen schon gar nicht. Manche verglichen die EU mit einst aus dem Boden gestampften Werksvereinen wie Bayer Leverkusen oder VfL Wolfsburg. Aber der Vergleich hinkt mit gerissenen Kreuzbändern und verschlissenen Menisken. Denn Leverkusen und Wolfsburg sind in der Lage und willens, Tore zu schießen. Die EU aber produziert ein Eigentor nach dem anderen. Und wenn sich wirklich mal alle Länder einig sind, passt der EU-Kommission irgendetwas nicht. So etwas frustriert Mutti Merkel.

Das wäre eine vernünftige Erklärung für das ruppige Vorgehen Merkels. Sie drohte angeblich, den Gipfel scheitern zu lassen. Starker Tobak. Dabei hat die Geschichte längst gelehrt: Das Scheitern ist der übliche Gang der Dinge, wenn Merkel und Sarkozy mit dabei sind. Also war das keine Drohgebärde von Merkel, sondern eher der schlichte Hinweis, dass es wieder ein gemütliches Beisammensein wird und keiner was zu befürchten habe. Also im Grunde alles halb so schlimm und nur der üblichen schlechten Kommunikation geschuldet. Das hat die EU davon, wenn sie Deutsch nicht zur Amtssprache macht. Aber Russland in die EU aufzunehmen, nur damit die Kanzlerin die einzige ihr geläufige Fremdsprache mal anbringen kann, ist auf die Schnelle auch nicht hilfreich.

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Den einzigen Fan, den Merkel dieser Tage hatte, ist sie leider auch noch los. Er erwies sich offiziellen Quellen zufolge als Stalker, der sich an der Merkelschen Haustür herumtrieb. Der offenbar geistig verwirrte Mann ist aber harmlos. Er habe der Kanzlerin lediglich einen von ihm erarbeiteten Friedensplan für den Nahen Osten übergeben wollen. Dieser sehe die Gründung eines palästinensischen Staates vor. Wie sich Westerwelle das genau vorstellt, wird er nach Beendigung der psychologischen Untersuchung der Öffentlichkeit mitteilen.