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Und jetzt ... Django Asül Dr. Röslers Operationen


Sie müssen mehr Krankenkassenbeiträge bezahlen? Das ist der FDP herzlich egal. Denn die ist privatversichert. Und dem liberalen Gesundheitsminister gehen Kranke ganz einfach auf den Keks.
Eine satirischer Kommentar von Django Asül

Die Gesundheitsreform ward geboren! Ist zwar irgendwas zwischen Fehl-, Tot- und Missgeburt. Aber streng genommen gibt es nur Gewinner. Die Krankenkassen können nach Lust und Laune Zusatzbeiträge erheben. Die Arbeitgeber können alles von der Steuer absetzen. Und die Arbeitnehmer zahlen den Mehraufwand vom Bruttogehalt. Da nur das Nettogehalt auf das Konto überwiesen wird, bedeutet das nach Röslers Verständnis keinerlei Einbußen beim Lebensstandard der Versicherten.

Doch statt Philip und Guido schreien jetzt viele Zeter und Mordio. Nachdenklich stimmt da, dass weder Zeter noch Mordio Liberale oder Gesundheitspolitiker sind. Eine gewisse Unzufriedenheit bei allen Beteiligten ist also nicht von der Hand zu weisen. Zufrieden ist nur die FDP. Aber die ist ja unbeteiligt, weil privat versichert.

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Die SPD spricht sogar von einer Bankrotterklärung. So ein Pauschalvorwurf zielt bewusst ins Leere, denn dort sitzt die Bundesregierung schon länger. Es gäbe eine große Unwucht bei der sogenannten Reform. Aber Hand aufs Hirn: Was außer Unwucht ist von einer 4-Prozent-Partei zu erwarten? Macht der drahtige Rösler etwa einen wuchtigen Eindruck? Wenn hier überhaupt ein Fehler vorliegt, dann bestenfalls bei der Ernennung von Rösler zum Gesundheitsminister. Vielleicht wäre er in einem anderen Ressort besser aufgehoben. Als gebürtiger Vietnamese hat er womöglich genetisch bedingt eine andere Einstellung zur Gesundheit als der gemeinnützige Deutsche. Der Vietnamese an sich braucht nur ein rudimentäres Gesundheitssystem, weil er von Haus beziehungsweise Hütte aus gesund lebt. Seine natürlichen Feinde waren niemals Cholesterin oder Alkohol, sondern lediglich für eine gewisse Zeit Napalm, weil dem Amerikaner wie so oft in der Weltgeschichte wieder mal die Argumente ausgingen. Der Deutsche hingegen sieht sein Schicksal im Schnitzel und in der Bewegungsarmut, damit das fulminante Gesundheitssystem seine Daseinsberechtigung nicht verliert. Hinzu kommt noch ein persönliches Charakteristikum Röslers, das die Bewältigung dieses Ministeriums erschwert: Rösler findet Kranke einfach krank. Sie gehen ihm auf den Keks. Deshalb hat er seinerzeit auch seine Ausbildung zum Augenarzt abgebrochen und setzt den Parteirichtlinien entsprechend auf Eigeninitiative. Wer gesund bleibt, hat nicht nur mehr vom Leben, sondern auch im Geldbeutel.

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Optimal wäre für Rösler das Verteidigungsministerium gewesen. Er hätte sich in vielen Dingen leichter getan als Guttenberg. Analog zu dem, was er jetzt als Gesundheitsreform verkaufen will, hätte Rösler nämlich erst mal durchgesetzt, dass jeder Soldat seine Munition selber kaufen muss. Das führt automatisch zu einer effizienzorientierten Ballistikphilosophie. Man zielt genauer, um keinen Schuss zu vergeuden und medizinische Nachbehandlungen zu vermeiden. Letalität hätte nicht nur reinen Selbstzweck, sondern wäre auch buchhalterisch erwünscht. Die Zahl bewaffneter Konfrontationen würde überproportional abnehmen, wenn beispielsweise der Feind weiß, dass er an den Folgekosten paritätisch beteiligt ist. Was bei der Krankenkasse der Arbeitgeberbeitrag, wäre in Röslers Kriegskasse der Feindesobulus. Die unionsüblichen und FDP-fernen Kategorien wie Ehre, Vaterland und Kameradschaft würde ein Rösler in die Tonne treten und dafür in seiner Partei Applaus ernten.

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Aber noch heißt der Verteidigungsminister Guttenberg. Und der ist nicht gewillt, seinen Soldaten und sonstigen Kombattanten Rechnungen auszustellen. Der Baron setzt aufs Sparen. Vor allem Transportflugzeuge, Tornados und Kampfhubschrauber sollen rationiert werden. Das ist nebenbei ein progressiver Beitrag für die Umwelt, wenn weniger Kerosin verblasen wird. Und gerade mit Kampfjets wird sowieso viel Unfug angestellt. Erst diese Woche wurden afghanische Soldaten Opfer von Nato-Kampfjets. Bei dem Höllentempo kann weder Mensch noch Maschine erkennen, ob der Afghane im Fadenkreuz nun ein Freund oder doch eher talibanös veranlagt ist. Eine Entschleunigung der Aktionen und der Kostenentwicklung ist folglich mehr als angebracht. Wenn alles überschaubarer wird, wird es auch einfacher. Das ist Guttenbergs tiefste Überzeugung. Für das Einfache aber hat Rösler kein Faible.

Seine Dissertation aus dem Jahre 2001 beispielsweise trägt den Titel "Einfluss der prophylaktischen Sotalolapplikation auf die Inzidenz des postoperativen Vorhofflimmerns im Rahmen der aortokoronaren Bypassoperation". Ist zwar schön formuliert. Wer sich so ausdrückt, darf aber nicht erwarten, verstanden zu werden.


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