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Und jetzt ... Django Asül Welche Pillen nimmt Rösler?


Gut für Westerwelle: Er hat 30 Monate, um sein Leben nach der Politik zu planen. Nun hat er Zeit, auch mit Gaddafi abzurechnen. Ein Rätsel allein: Rösler.
Eine satirische Weltanalyse von Django Asül

Die größten Fans hat die FDP derzeit in Libyen. Die Rebellen dort haben mit Freude die Kunde vernommen, dass die FDP nicht abgeneigt ist, deutsche Bodentruppen nach Nordafrika zu schicken. So etwas entscheidet ein Westerwelle eben mal en passant zwischen Friseur und Café. Das muss zwar jetzt nichts Endgültiges sein. Aber es ist ein Zeichen für die Lebendigkeit der quietschfidelen Liberalen. Und endlich lässt sich der Außenminister nicht von parteitaktischem Geplänkel leiten, sondern mimt den Realpolitiker mit Faible für das Angenehme im Leben. Westerwelles Credo: Wenn die FDP mit dem Rücken zur Wand steht und die Wand am Abgrund, kann selbst auf einen von Westerwelle einst gelobten Mann wie Gaddafi keine Rücksicht mehr genommen werden. So ist er eben, der Guido: Ein bisschen Dandy, ein bisschen harter Kerl. Westerwelle geriert sich quasi wie eine Mischung aus Wowereit und Mad Max. Wer so eine Bandbreite abdeckt, will anscheinend tatsächlich den groß angekündigten Neuanfang. Wenn schon die CSU auf einmal die Anti-Atompartei schlechthin ist, darf sich auch die FDP in ein neues Themengestrüpp hineinwagen.

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Die Öffentlichkeit nimmt diese Anstrengungen ein bisschen zu schlicht wahr. Da heißt es nur: Wenn die FDP alles anders machen will, dürfen alle bleiben und Westerwelle ist schuld. Und somit der Depp der Nation. Das wird der Situation nicht gerecht. Empirische Erhebungen der letzten Jahre belegen, dass Westerwelle a) schon lange und b) aus vollster Überzeugung der Depp der Nation ist, wenn es darum geht, der Opposition die Arbeit leichter zu machen. Guido entpuppt sich als solider Stratege. Wer in Deutschland nicht mehr erwünscht ist und auch nichts mehr zu melden hat, versucht sein Glück eben in Libyen. Aus Sicht der FDP musste er ohnehin auch Buße tun für all die Alleingänge. Für die Rebellen in der FDP ist klar: Wenn einer nicht in der Lage ist, eine Steuersenkungspartei zu führen, muss er als Außenminister dafür büßen. Gleichzeitig will es die Rest-FDP nicht dabei belassen, jetzt einfach ein bisschen Rommel zu spielen in und um Tripolis. Nein, die anderen neuen Hobbys der Liberalen lauten Haushaltssanierung und warten auf Spielräume. In Zukunft will sich die Partei also grundsolide und infantil präsentieren. Der voll designierte und halb resignierte Parteichef Rösler wünscht sich sogar, die Menschen mögen erkennen, dass sich die FDP um sie kümmert. Aber welches Medikament diese halluzinative Wahrnehmung bei Normalbürgern bezwecken kann und soll, verrät der schneidige Mediziner nicht. Hingegen behauptet er sogar, die FDP stehe für Zuverlässigkeit. Diese Wahrnehmung verrät eindeutig, dass er gar nicht auf Medikamente angewiesen ist, weil die körpereigenen Botenstoffe genug Phantasie besitzen und für jeden Jux zu haben sind.

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Wer nun Röser unterstellen will, er hätte den Machtkampf gegen Brüderle verloren, irrt. In Zeiten der Globalisierung muss sich die FDP auch geopolitisch öffnen. Und zwar nicht nur in Krisengebieten südlich des Mittelmeeres. Mit einem Nebenerwerbsasiaten wie Rösler an der Spitze kriegt die Partei den Turnaround auf dem internationalen Parkett gut hin. Während Brüderle dafür in der heimischen Wirtschaft für Gemütlichkeit sorgt. Und Westerwelle hat gemütliche 30 Monate vor sich, um sein Leben nach der Politik vernünftig zu planen.

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Was den Euro betrifft, könnten die Liberalen jedoch schon noch mehr Engagement zeigen. Während sich Merkel immer mehr zum Transfermonster entwickelt, könnte die FDP ein schönes Gegengewicht dazu bilden. Jetzt, wo Westerwelle auf den Geschmack gekommen ist, sind Bodentruppen in Portugal, Griechenland und demnächst Spanien durchaus eine EU-fiskalisch interessante Alternative zu den Milliardengeschenken aus Deutschland. Die Bundeswehr wäre vernünftig ausgelastet und die Kosten wären weitaus günstiger als der verzweifelte Plan, schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen. Man denke nur mal an Portugal: Schlappe 80 Milliarden sollen dort nun beerdigt werden. Ein Truppenaufmarsch dort hätte ja durchaus humanitären Charakter. Beeindruckt von der Präsenz der Besatzer würde der Portugiese sich bestimmt wesentlich schneller mit der notwendigen Sparsamkeit anfreunden können. Ganz toll wäre es natürlich, wenn ein Westerwelle aus symbolischen Gründen auf seine frührömische Dekadenz verzichten würde. Aber gerade weil Westerwelle schon immer ein Schatten seiner selbst war, wäre es wohl doch zu viel verlangt, dass er über denselben springt. Charakterathletik war auch nie seine Stärke. Und was anderes eventuell auch nicht. Den Libyern kann das zum Glück egal sein. Und den Deutschen war es das sowieso.

Was wiederum Guido herzlich egal ist.


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