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Wer dagegen ist, kann gehen Deutsche Bank im Turbo-Wertewandel


Die zwei Chefs der Deutschen Bank wollen ihrem Geldhaus ein positives Image verpassen. Und damit das auch jeder Mitarbeiter versteht, sagt Co-Chef Jürgen Fitschen: Wer nicht mitmacht, soll gehen.

Die Deutsche Bank macht mit dem angekündigten Kulturwandel ernst. Wer sich nicht vorbehaltlos zu den neuen Werten bekenne, "ist bei der Deutschen Bank am falschen Ort und sollte sich nicht bei uns bewerben", sagte Co-Chef Jürgen Fitschen am Donnerstag in Frankfurt. Er führt seit Mitte vergangenen Jahres das Geldhaus gemeinsam mit Anshu Jain. Die beiden hatten im Juni Josef Ackermann an der Spitze des Unternehmens abgelöst.

Es zählt der Kunde

Jetzt versucht das Führungsduo, die Deutsche Bank auf ein Fundament neuer Grundsätze zu stellen. "Wer bei uns arbeitet und diese Werte nicht respektiert, der sollte besser gehen, das haben wir jedem gesagt." Der Kunde und nicht der eigene Bonus soll für die Banker des Hauses künftig im Mittelpunkt stehen. Fitschen und Jain unterstreichen damit ihre neue Linie: Riskantes Zocken und Gehaltsexzesse soll es nicht mehr geben. Damit wollen sie auch das Image der Bank aufpolieren.

Die ganze Branche hat derzeit einen schlechten Ruf – auch, weil riskante Geschäfte von Banken als ein Auslöser der weltweiten Finanzkrisen gesehen werden. Nicht nur die Deutsche Bank versucht daher, wieder positiver in der Öffentlichkeit zu erscheinen.

Seit Herbst 2012 lief die Vorarbeit zum Wertewandel: Eine externe Kommission unter Leitung von Ex-BASF-Chef Jürgen Hambrecht nahm die Vergütungsstrukturen von Deutschlands größtem Geldhaus unter die Lupe. Erste Vorschläge des Gremiums wurden bei der Bonus-Ausschüttung für 2012 bereits berücksichtigt. So fiel der prozentuale Anteil der Boni an den Erträgen auf unter zehn Prozent - und damit im Vergleich zum Vorkrisen-Niveau um mehr als die Hälfte.

Mehr interne Kontrollen

Führungskräfte erhalten ihre Boni künftig erst nach fünf Jahren, damit sie den langfristigen Erfolg des Instituts im Auge haben und nicht kurzfristige Gewinne. Garantierte Boni über viele Jahre gibt es künftig gar nicht mehr. Zudem sollen kulturelle Grundsätze und das Risikomanagement stärker bei der Vergütung berücksichtigt werden.

Kommissions-Leiter Hambrecht sprach von einem großen Schritt in die richtige Richtung. "Allerdings ist ein Kulturwandel ein langwieriger Prozess, der viele kleine und viele große Schritte erfordert."

Die Deutsche Bank verschärfte zudem die internen Kontrollen. Bereits seit September überprüfe ein unabhängiges Gremium die Meldungen der Bank zur Erhebung des Referenzzinssatzes Libor. Weltweit wird gegen diverse Geldhäuser wegen einer Manipulation des Libor ermittelt - auch gegen die Deutsche Bank. Der Libor zeigt an, zu welchen Sätzen sich Banken untereinander Geld leihen. Geldhäuser sollen mit der jahrelangen Manipulation illegale Gewinne eingestrichen haben.

"Unser Ziel ist es, die Risikokultur zu verändern und dafür zu sorgen, dass die Reputation der Bank stets im Zentrum aller unserer Entscheidungen steht", sagte Fitschen. Den Mitarbeitern soll dies in verpflichtenden Seminaren zum Thema "Verhalten im Geschäftsalltag und Ethik" vermittelt werden.

Die neuen hehren Ziele des Managements werden in der Öffentlichkeit aber nicht kritiklos beklatscht. So stößt die Entscheidung der Deutschen Bank, auch künftig Termingeschäfte auf Agrarrohstoffe abschließen zu wollen, weiter auf Kritik.

Foodwatch-Chef Thilo Bode warf dem Geldhaus vor, statt einer angekündigten umfassenden Studie zu dem Thema "nur ein dünnes Frage-Antwort-Papier" vorgelegt zu haben. Das Institut sitze das Thema aus, warf er dem Management vor. Allerdings ist umstritten, wie sich spekulative Termingeschäfte mit Agrarrohstoffen wie Mais und Soja auf die Marktpreise auswirken. Denn Bauern setzen solche Finanzprodukte seit Jahrzehnten selbst ein, um sich gegen starke Preisschwankungen abzusichern.

Diese Debatte gehört derzeit zu den kleineren Problemen der Bank, die an etlichen Fronten kämpft: Für Rechtsstreitigkeiten muss die Bank viel Geld zurückstellen. Im Zusammenhang mit der Pleite des Medienkonzerns Kirch etwa drohen hohe Schadenersatzzahlungen. Die erste Bilanz der neuen Doppelspitze Fitschen/Jain fiel am Donnerstag denn auch noch schlechter aus als erwartet: Im vierten Quartal stand ein Verlust von knapp 2,2 Mrd. Euro unter dem Strich. Die zwei Neuen an der Spitze müssen also nicht nur das Image verbessern.

anb/Reuters, DPA DPA Reuters

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