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Wiesbadener SPD-Kandidat Roth: "Das kann nicht sein!"

Ernst-Ewald Roth ist das Opfer einer hochnotpeinlichen Politikaffäre: Die Wiesbadener SPD kürte ihn zum Spitzenkandidaten, meldete ihn aber nicht rechtzeitig zur Wahl an. Roth ist heute Abend Gast bei stern TV - hier das Interview, das er vorab sterntv.de gab.

Wie haben Sie von der Panne erfahren?
Ich saß am Freitag gerade unter anderem mit dem Wiesbadener SPD-Vorsitzenden Marco Pighetti zusammen, um weitere Wahlkampftermine zu planen, als ein Bekannter anrief. Er sagte, in der Stadt gehe das Gerücht herum, ich sei nicht auf der offiziellen Kandidatenliste vermerkt. Wenig später kam per Fax die Pressemitteilung der Stadtverwaltung - ich war tatsächlich nicht auf der Liste.

Was haben Sie da gedacht?
"Das kann nicht sein!" Das war eine richtige Schocksituation. Durch die vielen Plakate, Presseartikel und Wahlkampftermine in den Monaten zuvor wusste ja jeder in Wiesbaden, ja sogar im ganzen Land, dass ich für die SPD antrete. Für mich war in dem Moment unvorstellbar, dass ich plötzlich nicht mehr Kandidat sein sollte.

Die Spitze der Wiesbadener SPD ist ebenfalls in Schockstarre verfallen und hat sich erst einmal verkrochen.


Sofort fing das Rotieren an. Gemeinsam haben wir überlegt, was jetzt zu tun ist. Unverzüglich wurde die Anmeldung ausgefüllt und dem Wahlleiter überbracht. Das war rechtlich notwendig und außerdem ein wichtiges Zeichen, um noch einmal kundzutun, dass ich wirklich Kandidat bin.

Wie hat Kurt Beck, der SPD-Vorsitzende, reagiert?
Er war einer der ersten, der sich bei mir gemeldet hat. Er hat großes Bedauern über das Malheur ausgedrückt. Wir haben ein Gespräch in der kommenden Woche vereinbart.

Wie konnte es denn zu dieser unglaublichen formalen Panne kommen?


Eine Reihe von Umständen hat dazu geführt, dass die Anmeldefrist versäumt wurde. Aufgrund von Sparmaßnahmen sind bei der Wiesbadener SPD in der letzten Zeit Stellen weggefallen, unter anderem die des Geschäftsführers, dessen Aufgabe dies war. Seine Aufgaben wurden auf andere übertragen. Man kann nicht einer einzelnen Person die Schuld für das Versäumnis geben. Deswegen ist auch der gesamte SPD-Vorstand zurückgetreten.

Hat sich der Wahlleiter aus Ihrer Sicht korrekt verhalten, Ihnen vorab keinen Wink zu geben?
Manche sagen, er habe sauber gehandelt. Ich bin zwar kein Jurist, finde sein Verhalten aber nicht korrekt. In einem Artikel habe ich gelesen, dass der Wahlleiter es hat kommen sehen, dass die Frist verpasst wird. Inzwischen bin ich auf ihn richtig wütend. Vor allem die Wähler wurden betrogen, dem Souverän wurde eine wichtige Wahlmöglichkeit genommen - fatal bei der ohnehin geringen Wahlbeteiligung bei der OB-Wahl.

Aber Sie haben noch Hoffnung, dass Sie doch als Oberbürgermeister-Kandidat antreten können?


Das entscheidet sich an diesem Freitag, wenn der Wahlausschuss über die Zulassung der Wahlvorschläge entscheidet. Er wird die Rechte der Wähler beachten. Ich habe große Hoffnung, dass ich dann auf der Liste stehe. Bis dahin mache ich weiter Wahlkampf; ich habe keinen Termin abgesagt.

Wollen Sie in jedem Fall weiterhin in der Politik aktiv sein, oder werden Sie in ihr altes kirchliches Amt zurückkehren?


Von der Wiesbadener SPD sind mehrere Möglichkeiten genannt worden, die es für mich gibt. Falls es mit meiner Oberbürgermeister-Kandidatur endgültig nicht klappt, werde ich in Ruhe entscheiden, ob ich in der Politik bleibe.

Interview: Sönke Wiese