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LUDWIG DER FROMME: Aufstieg und Fall

Karl der Große ließ sich als römischer Herrscher krönen, doch das Imperium sollte seinen Schöpfer nicht überleben. Sein Nachfolger Ludwig, genannt der »Fromme«, brachte weder die Persönlichkeit, noch Kraft und Skrupellosigkeit mit, um mit fester Hand das eben zusammengeraffte Reich zusammenzuhalten.

Karl der Große ließ sich als römischer Herrscher krönen, doch das Imperium sollte seinen Schöpfer nicht überleben. Sein Nachfolger Ludwig, genannt der »Fromme«, brachte weder die Persönlichkeit, noch Kraft und Skrupellosigkeit mit, um mit fester Hand das eben zusammengeraffte Reich zusammenzuhalten.

Karl der Große ließ sich als römischer Herrscher krönen, residierte in kaiserlichen Pfalzen und einte Europa in seinem Reich. Den Zeitgenossen erschien es als Wiedergeburt des römischen Imperiums. Die wenigen Gebildeten sahen eine neue glanzvolle Zeit heraufziehen, denn die Krieger-Gesellschaft Karls verstand sich nicht nur aufs Morden und Plündern wie unzählige andere Eroberer auch. Es wurden Klöster gegründet, die Schriftlichkeit erlebte eine Wiedergeburt, und Formen einer geordneten Reichsverwaltung wurden eingeführt.

Doch mit dem Tod des großen Karolingers schien auch die Kraft des Reiches zu erlöschen. Sein Nachfolger Ludwig, genannt der »Fromme«, brachte weder die Persönlichkeit, noch Kraft und Skrupellosigkeit mit, um mit fester Hand das eben zusammengeraffte Reich zusammenzuhalten. Unfähig und unwillens, durch weitere Beutezüge Ruhm- und Goldgier seiner Gefolgsleute zu befriedigen, machte sich der neue Herrscher durch christliche Sittenstrenge unbeliebt. Karl war ein Bündnis mit Gott und der Kirche zum Wohl der Franken eingegangen, sein Sohn nahm die christliche Botschaft ernst.

Das unkeusche Leben seiner Schwestern wurde abgestellt, die Sammlung heidnischer Heldenlieder Karls vernichtet, der vertraute, aber unchristliche Gesang der Krieger verboten. Dafür verfiel der Monarch auf die abwegige Idee, die Moral seiner Truppen durch Fastenübungen im Felde zu heben.

Wen wundert es, dass sich bald gegen die Großen der Reiches und die eigenen Söhne gegen ihn erhoben. Als Ludwig seine Nachfolge regeln wollte, kam es zum offenen Krieg. Auf dem »Lügenfeld« bei Kolmar desertierten seine Truppen in Scharen. 840 starb der glück- und ruhmlose Herrscher. Anhänger der Reichseinheit war zuletzt nur noch sein Sohn Lothar. Die jüngeren Brüder Ludwig - genannt der Deutsche - und Karl - genannt der Kahle - errichteten eigene Reiche im Osten und Westen des Imperiums. 841 hatten sie Lothar geschlagen. Im Februar 842 kamen sie in Straßburg zusammen, um ihr Bündnis durch feste gegenseitige Abmachungen, den »Straßburger Eiden«, zu sichern. Wenig erheiternd, dass eines der frühesten Relikte der deutschen Sprache Zeugnis ablegt von Ränken, Bruderzwist und Mord.

Der Fall des Römischen Imperiums dauert 200 Jahre, der Zerfall der karolingischen Imperiums nicht einmal eine Generation.

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