Mauthausen Terror bis zum letzten Tag


Am 7. Mai 1945 wurde das Konzentrationslager Mauthausen, eines der grausamsten des "Dritten Reichs", als letztes KZ durch die US-Armee befreit. Tage zuvor hatte die SS noch Zeugen der Verbrechen "beiseite" geschafft.

Die Nazi-Schergen mordeten praktisch bis zum letzten Tag. Noch am 28 April 1945 wurden in der Gaskammer des Konzentrationslagers Mauthausen Menschen umgebracht. Die Zahl der Toten wuchs in den letzten Kriegstagen derart schnell, dass die Krematorien des Lagers mit der Verbrennung der Leichen nicht mehr nachkamen. Noch am 3. Mai 1945, vier Tage vor der endgültigen Befreiung des Konzentrationslagers bei Linz (Oberösterreich) durch die US-Armee, erschossen SS-Leute KZ-Personal, bevor sie selbst vor den herannahenden alliierten Truppen flüchteten.

Am 7. Mai wurde das Lager Mauthausen, in dem zwischen 1938 und 1945 mehr als 100.000 Menschen umgebracht wurden, als letztes KZ der Nazis endgültig durch die Amerikaner befreit. Die Soldaten fanden Tausende ausgemergelter Männer und einige Frauen auf dem ausgedehnten KZ-Gelände, die der systematischen Ermordung der Vorwochen entkommen waren.

Strategie der Massenvernichtung

Das KZ Mauthausen, benannt nach der benachbarten Kleinstadt, war - nicht nur nach der Schilderung von Überlebenden - eines der grausamsten Konzentrationslager des Nazi-Reichs. Selbst die Planer der Massenvernichtung ordneten es in die dritte, schlimmste Kategorie ihrer Vernichtungsstrategie ein. Weniger als die Hälfte der insgesamt 200.000 Häftlinge, ein großer Teil davon Juden, kam mit dem Leben davon.

Ursprünglich als Erweiterung für das KZ Dachau geplant, wurde das KZ Mauthausen schon ein Jahr nach dem "Anschluss" Österreichs von März 1939 an zu einem selbstständigen KZ ausgebaut und 1941 durch einen Erlass Heinrich Himmlers zum Vernichtungslager bestimmt, in dem Menschen zwar arbeiten sollten: Das Ziel ihrer Gefangenschaft war jedoch der Tod. Gebaut nahe einem schon früher für Zwangsarbeiter bestimmten Granitsteinbruch wurden hier und in den zahlreichen Nebenlagern Menschen aus 30 Nationen inhaftiert, gequält und getötet. Häftlinge wurden zunehmend zum Bau unterirdischer Rüstungsanlagen und in der Kriegsproduktion eingesetzt. Dabei wurde unmenschliche Behandlung zum Prinzip erhoben.

Besonders berüchtigt war die "Fallschirmspringerwand", eine 50 Meter hohe Felswand, von der SS-Schergen regelmäßig Häftlingen in den Tod stießen. Gefangene wurden erschossen; Kranke und Schwache ließ man erfrieren, verhungern, tötete sie durch Herzinjektionen oder schickte sie in die Gaskammern. Auf dem Gelände wurde auch ein speziell im Auftrag der KZ-Planer erdachte und in Deutschland entwickelte und gebaute Genickschuss-Maschine für Massenhinrichtungen erprobt. Die Überlebensdauer der KZ-Häftlinge lag zum Schluss bei rund fünf Monaten.

Natürlich wurden in dem Vernichtungslager auch Österreicher als Wachpersonal eingesetzt. "Hier quälten, hier folterten und mordeten auch Österreicher. Mit der Gleichzeitigkeit dieser Trauer und dieser Schande müssen wir leben", mahnte zum 50. Jahrestag der Befreiung Mauthausens 1995 der damalige österreichische Präsident Thomas Klestil eindringlich.

Todesmärsche quer durch Österreich

Als sich das Ende des Krieges und die Niederlage abzeichneten, ordnete die Lagerverwaltung die Teil-Evakuierung des Todeslagers an. Zeugen der Verbrechen sollten beiseite geschafft werden. In dem Hauptlager waren zu diesem Zeitpunkt mehr als 80.000 Häftlinge zusammengepfercht. Während im Lager selbst Massenexekutionen von "Mitwissern" begannen, wurden Tausende Gefangene aus den verschiedenen Nebenlagern und Mauthausen auf langen Todesmärschen quer durch Österreich getrieben.

Ein großer Teil von ihnen waren ungarische Juden. Sie sollten in andere, weniger überfüllte Lager verlegt werden. Bei den Eilmärschen erhielten die völlig entkräfteten Häftlinge oft tagelang keine Nahrung. Tausende starben auf dem Weg oder wurden von SS-Bewachern erschossen. Am 5. Mai 1945 fuhren erstmals zwei US-amerikanische Panzerspähwagen auf das von der SS verlassende KZ-Gelände, verließen es jedoch bereits nach kurzer Zeit wieder. Erst am 7. Mai übernahm die US-Armee offiziell das Lager. Tausende der gequälten, kranken und halb verhungerten Lagerinsassen überlebten ihre Befreiung nur um wenige Tage.

Christian Fürst/DPA DPA

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