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Aufruhr in der katholischen Kirche Keine Segnung homosexueller Paare? Geistliche widersetzen sich dem Vatikan

Aufruhr in der katholischen Kirche: Keine Segnung homosexueller Paare? Geistliche widersetzen sich dem Vatikan
Die Katholische Kirche erklärt das Referendum für die gleichgeschlechtliche Ehe in Irland zur "Niederlage der Menschheit". Rasanter hätte Papst Franziskus nicht entzaubert werden können. Rom hat nichts aus der Welle ihrer Missbrauchsskandale gelernt. In den Reihen seiner Priester gibt es viele Homosexuelle. Wer in der Politik der Sexualmoral der Katholischen Kirche noch folgt - hallo CDU! - der ist verloren.
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Die Entscheidung gegen die Segnung homosexuelle Paare durch den Vatikan wird nicht nur in den sozialen Medien kritisiert: In Kreisen von Klerikern spalten sich die Meinungen. Manche kündigten bereits an, sich der Entscheidung aus Rom zu widersetzen.

Es bleibt beim Nein. In einem Papier der katholischen Glaubenskongregation, das der Vatikan jetzt veröffentlicht hat, spricht sich die Kirche gegen die Segnung homosexueller Paare aus. In der Stellungnahme ruft die katholische Kirche die christliche Gemeinde zwar dazu auf, homosexuelle Neigungen zu respektieren, erklärt die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare jedoch für unzulässig. Sie diene nicht den Plänen Gottes, so die Begründung.

Normalerweise wäre die Sache damit erledigt, "Roma locuta, causa finita" – Rom hat gesprochen – heißt es traditionell in der katholischen Kirche. Aber gilt das auch in diesem Fall?

Gegenwind aus den eigenen Reihen

Die Entscheidung des Vatikans ruft gemischte Reaktionen hervor. Laut einem Bericht des Bayrischen Rundfunk begrüßen Bischof Rudolf Vorderholzer aus Regensburg und sein Passauer Amtsbruder Stefan Oster die Entscheidung des Vatikan. Wolfgang Ipolt, Bischof aus Görlitz, schloss sich dem an. In einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung“ sagte er: "Bei dem Nein zu einer Segnung geht es aus meiner Sicht vor allem um eine Stärkung der Ehe zwischen Mann und Frau und für uns Katholiken auch des Sakraments der Ehe." Auch für Kardinal Reinhard Marx ist eine gleichgeschlechtliche Beziehung nicht mit der Ehe zwischen Mann und Frau gleichzusetzen. Zudem sei die Haltung des Vatikan bekannt, sagte er dem Bayrischen Rundfunk.

Dass die Entscheidung dennoch für viele überraschend kommt, liegt wohl an der Hoffnung, die viele auf Papst Franziskus gesetzt haben. Frühere Aussagen hatten auf mehr Toleranz und Weltoffenheit hoffen lassen. So sagte er zu Beginn seines Pontifikats 2013: "Wenn jemand homosexuell ist und guten Willens nach Gott sucht, wer bin ich, darüber zu urteilen?" Auch in einem Dokumentarfilm sprach sich der Papst für den Schutz gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aus.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sagte er sei "unglücklich" über die römische Vorgabe. Einige Kleriker wollen das nicht so stehen lassen und kündigten direkten Protest an. Der Generalvikar des Bistums Speyer etwa zeigte sich auf Facebook "schockiert und fassungslos" und kündigte an, die Vorgabe aus Rom zu ignorieren. Auch Domprobst Tobias Schäfer sagte, er wolle sich von niemandem verbieten lassen, den Segen Gottes zu spenden. In einer Videobotschaft sagte er: "Wo die Kirche glaubt, sich zur Wächterin über den Segen Gottes machen zu müssen, ist sie nicht länger Segen für die Welt."

„Aufruf zum Ungehorsam 2.0“

Der "Süddeutschen Zeitung" liegt eine Erklärung vor, laut der sich aktuell mehr als 200 katholische Seelsorgerinnen und Seelsorger dazu bereiterklärt haben, homosexuelle Paare zu segnen. Bis Dienstagmittag hatten Angaben der Zeitung zufolge 75 Priester, Diakone und Ordensleute unterschrieben. Nach Palmsonntag soll die Erklärung dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bätzing, übergeben werden.

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Auch in Österreich stellen sich Kleriker gegen Rom. Unter dem Titel "Aufruf zum Ungehorsam 2.0" rief die österreichweite Bewegung römisch-katholischer Priester dazu auf, sich den Vorgaben des Vatikan zu widersetzen. "Dieses Dekret stößt viele Christinnen und Christen vor den Kopf und vernebelt und diskreditiert die befreiende Botschaft Jesu", schreibt die als Pfarrer-Initiative bekannte Bewegung in einer Stellungnahme. Sie bezeichneten die Entscheidung als Rückfall in Zeiten, die man mit Papst Franziskus als überwunden gehofft hatte. Man bedauere zutiefst, "dass dieses Dekret, das den Geist vergangen gehoffter Zeiten wiederzubeleben versucht".

Seit Jahren setzt sich die Bewegung für neue Wege in der Kirche ein. Bereits 2011 forderte die Initiative unter anderem die Zulassung von Frauen und verheirateten Männern als Priester. Damit setzt sie sich eigenen Angaben zufolge für "lebendige Gemeinden, zeitgemäße synodale Kirchenstrukturen" ein.

Die 300 liberal-katholischen Seelsorger kündigten an, auch weiterhin Gottes Segen für die Liebe zwischen Homosexuellen in Gottesdiensten zu feiern. "Eine Theologie auf der Höhe der Zeit begründet diese verantwortliche Praxis", schreiben sie in ihrer Stellungnahme.

Quellen: Pfarrer-Initiative, Süddeutsche Zeitung, Bayrischer Rundfunk, ORF

cl/DPA

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