HOME

Um illegale Einwanderer zu finden: Gesichtserkennung: US-Behörden durchsuchen laut Medienberichten Führerscheindatenbanken

US-Behörden haben offenbar mehrere Jahre Führerscheindatenbanken mit Gesichtserkennungs-Softwares durchsucht, um illegale Einwanderer zu finden. Ein Vorgehen, das auf Kritik stößt.

US-Behörden durchsuchen Führerscheindatenbanken per Gesichtserkennung

US-Behörden durchsuchen Führerscheindatenbanken per Gesichtserkennung. (Symbolbild)

DPA

Die Bundespolizei FBI und die Grenzschutzbehörde ICE haben offenbar in den USA seit Anfang des Jahrzehnts Führerscheindatenbanken per Gesichtserkennung durchsucht, berichten die "New York Times" und die "Washington Post". Ziel war es den Berichten zufolge, illegale Einwanderer zu finden. 

In den USA gibt es kein Meldewesen. Da aber fast jeder Amerikaner, der alt genug ist, einen Führerschein besitzt, liegen auch von vielen Einwohnern Daten vor.  Die Bundesstaaten Utah und Vermont geben Führerscheine auch illegal Eingereisten. Und genau dort wurde die Gesichtserkennung der Ausländerbehörde durchgeführt. "Das ist ein Skandal", sagte Harrison Rudolph, Datenschutzexperte, gegenüber der New York Times. "Den Menschen ohne Papieren wird nicht erklärt, dass sie bei der Beantragung eines Füherscheins ihr Gesicht auch dem ICE übergeben. Das ist ein riesiger Köder", sagt er. Diese Praxis wurde auch von Gesetzgebern und Befürwortern kritisiert: "Die Durchführung von Gesichtserkennungen bei Millionen Fotos von unwissenden, gesetzestreuen Bürgern ist eine Verletzung der Privatsphäre". 

US-Behörde äußert sich nicht zum Vorgehen

Die Hinweise stammen aus Dokumenten von Forschern des Georgetown Law Center für Datenschutz und Technologien. Die Informationen betreffen die Jahre 2014 - 2017. Es ist unklar, ob der Abgleich mit Führerscheinfotos heute noch stattfindet. Matt Bourke, ICE-Sprecher, äußerte sich gegenüber der New York Times bisher nicht, mit der Begründung, dass Untersuchungstechniken nicht kommentiert werden, da die Strafverfolgung sensibel sei. 

Im Jahr 2012 sah der Gesetzgeber vor, dass das Ministerium ein System zur Gesichtserkennung nur dann für Führerscheine verwenden darf, wenn dies durch eine gerichtliche Anordnung genehmigt wurde. Abgesehen davon, weisen Studien darauf hin, dass Erkennungsalgorithmen mit größerer Wahrscheinlichkeit insbesondere farbige Menschen falsch identifizieren. Mindestens 25 Forscher für künstliche Intelligenz, darunter Experten von Google, Facebook und Microsoft, unterzeichneten im April einen Brief, in dem sie Amazon aufforderten seine Gesichtserkennungstechnologien nicht mehr an Strafverfolgungsbehörden zu verkaufen. 

Quelle: "The New York Times", "Washington Post"

deb