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Affront oder Versehen? Söder begrüßt die Mächtigsten der Welt zum G7-Gipfel – und klammert Scholz aus

Markus Söder
Hat Frechdachs Markus Söder mit seinem G7-Gruß einen indirekten Seitenhieb an Olaf Scholz verteilt?
© Frank Hoermann/SVEN SIMON/ / Picture Alliance
Die Mächtigsten der Welt treffen sich zum G7-Gipfel – und das in Söder-Land. Der Ministerpräsident des Freistaats ließ es sich natürlich nicht nehmen, ein Grußwort in die Welt zu senden. Nur einer scheint nicht willkommen zu sein.

Wenn die Mächtigsten der Welt zusammenkommen, dann darf der Platzhirsch nicht fehlen. Bevor die G7-Staatschefs Fuß auf bayerischen Boden setzten, ließ es sich Markus Söder, seines Zeichens Chef im Freistaat, nicht nehmen, die illustren Gäste willkommen zu heißen. Sie gastieren schließlich in seinem Hoheitsgebiet und somit irgendwie auch ein bisschen bei ihm. Irgendwie halt. Daher: "Grüß Gott in Bayern!" So der folkloristisch anheimelnde Gruß, der virtuell derzeit seine Kreise zieht. Er prangt auf einer nicht minder mit Lokalkolorit geschwängerten Fotocollage, auf welcher die Köpfe der G7-Staatschefs wirkmächtig vor der Kulisse von Schloss Elmau schweben. 

"Wir begrüßen die wichtigsten Staatschefs der Welt. Beim G7-Gipfel organisiert sich die freie Welt und definiert gemeinsame Interessen. Die aktuellen Krisen in der Welt zeigen, wie wichtig internationale Abstimmung ist", steht unter dem Bild geschrieben. US-Präsident Joe Biden, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Boris Johnson, Italiens Regierungschef Mario Draghi, Kanadas Premier Justin Trudeau und der japanische Ministerpräsident Fumio Kishida – alle sind sie da. Nur einer hat es nicht aufs Bild geschafft: Bundeskanzler Olaf Scholz. Dass hier kurzerhand aus dem G7 ein G6 wurde, blieb nicht lange unbemerkt.

"Ein Schelm, der Böses dabei denkt"

"Nur der Olaf wird nicht in Bayern begrüßt – ein Schelm, der Böses dabei denkt", lautet ein Twitter-Kommentar. Ein Verdacht, der nicht von Ungefähr kommt. Schließlich hat Söder zuletzt nicht nur einmal gegen Scholz gestänkert, Seitenhiebe verteilt. In einem stern-Interview motzte er jüngst, dass Olaf Scholz früher "wenigstens schlumpfig" gewesen sei. Doch heute lasse er die Deutschen oft allein. "Er wirkt zuweilen seltsam teilnahmslos und zeigt wenig Empathie in dieser Krisenzeit", so Söder.

Bei alldem bleibt nicht zu vergessen, dass der Bayer selbst gern Angela Merkel abgelöst hätte. Will er nun mit dem Post also klar machen, dass zumindest in seinem Bayern, das in den nächsten Tagen ja sowas wie der Nabel der Welt ist, kein Platz für einen weiteren deutschen Alpha-Politiker ist? Ein Gruß also ganz nach dem Motto gestrickt: Von hinten sticht der Söder? Wird hier das Revier markiert? So kommentiert zumindest ein weiterer: "Olaf ausgeladen, weil unerwünscht in Bayern. Wird ersetzt durch @markus.soeder."

Mutwillig oder unbeabsichtigt, Söders Gruß sorgt für Diskussionsstoff. Während manche böse Absicht unterstellen, halten andere es überhaupt nicht für notwendig, dass der deutsche Kanzler in Deutschland extra begrüßt wird. Zumal auch zwei weitere Teilnehmer des Gipfels ungegrüßt blieben. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel. Sie werden sich als oberste Vertreter der Europäischen Union ebenfalls im Reigen der Mächtigen einreihen.

tpo

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