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Kampf im Donbass Ukrainischer Kommandeur berichtet von 80 Prozent Verlusten seiner Einheit

Doktor Nikita Kozelskiy behandelt die Splitterwunden eines ukrainischen Soldaten.
Doktor Nikita Kozelskiy behandelt die Splitterwunden eines ukrainischen Soldaten.
© Scott Olson / Getty Images
Oleksandrs Einheit verteidigte die Stadt Awdijiwka erfolgreich gegen die russischen Angriffe. Doch der Preis ist hoch, er hat fast alle alten Soldaten verloren und der Ersatz ist kaum ausgebildet.

Die wirklichen Verluste im Ukrainekrieg sind das bestgehütete Geheimnis beider Seiten. Über die eigenen Toten schweigen sie sich aus oder geben absurd niedrige Zahlen heraus, die des Gegners werden dagegen sehr hoch angesiedelt. Das Team von "Sky News" ging mit ukrainischen Soldaten an die Front. Das schafft Vertrauen und so haben sie Dinge erfahren, die die PR-Abteilung nicht hätte durchgehen lassen. "Sky" sprach in der Nähe von Awdijiwka mit dem Kommandeur und einer Frontsanitäterin einer Einheit von Infanteristen der Marine über die Lage. Das Gespräch ist erschreckend.

Die schwer befestigte Stadt im Donbass konnten die Russen nicht nehmen. Hier hält die Front, sie verläuft seit über 100 Tagen fast unverändert. Weiter im Norden rücken die Russen dagegen vor. Der befehlshabende Offizier Oleksandr ist sichtlich erschöpft und ermattet, bevor er wieder an die Front geht. Er sitze hier nicht rum, seine Einheit müsse permanent üben, sagt er. Er habe viele Tote und Verwundete und daher kämen ständig neue Leute. "Und die neuen Leute sind weniger gut vorbereitet." Also könne seine Einheit nie ausruhen, sondern müsse dann trainieren. "In der Regel machen wir immer Schießübungen, Taktiktraining, Medizin, Ingenieurpraxis.“

Der Preis des Krieges

Bei Awdijiwka wurden mehrere russische Angriffe abgewehrt. Auf einem Feld zeigt Oleksandr die Überbleibsel einer russischen Einheit, die dort von der Artillerie zusammengeschossen wurde. Die Toten wurden notdürftig verscharrt. Der Geruch der Leichen dringt im Sommer aus der Erde. Wie viele Russen dort liegen, könne er nicht sagen. "In diesem Teil sind es ungefähr 40 Personen ... und auf der Seite, wo unsere Artillerie feuerte, ungefähr 150 bis 200."

Dann kommt die entscheidende Frage: "Wie viele Männer hast du verloren, seit der Krieg begann?" "Meine Einheit war bei 100 Prozent. Sie bestand aus professionellen Soldaten, die eine Menge Erfahrung hatten." Sie hätten sich gegenseitig als "eine große Familie" betrachtet. Er selbst wurde Kommandant, als sein Vorgesetzter von einer Mine in die Luft gesprengt wurde. "Nun, es sind 26 Tote. Ich glaube, 40 sind verletzt worden, Dutzende davon schwer. So ist das hier." 80 Prozent der alten Soldaten sind weg. Schwer verwundet oder tot. Auf die Frage, wie lange seine Einheit solche Verluste lange ertragen könne, schüttelt Oleksandr den Kopf. "Was soll ich dir dazu sagen? Es ist hart, aber wir haben keine Wahl."

Erschöpfung der Soldaten

Kampfsanitäterin Iryna Tsybuh drückt im Laderaum eines Transporters einen Verband auf die Wunde eines Verletzten als das Sky-Team sie trifft. In den vergangenen Tagen habe sie 22 Männer gerettet, sagt sie, zwei seien ihr gestorben. Einige sind sehr jung. Der Jüngste ist gerade einmal 22 Jahre alt. "Ich bin wirklich erschöpft. Ich müsste schlafen, wochenlang. Nur schlafen, Netflix und Fast Food essen." Sie sagt, dass die besten Soldaten des Landes gefallen sind. "Jungs, die wissen, wie man diesen Krieg führt, wie man gewinnt". Nun behandelt sie den kaum ausgebildeten Ersatz. "Ich sehe die Jungs, die hier ankommen. Das sind keine Profis. Sie wissen nicht, was sie tun sollen, und sie sind voller Angst. Aber welche Wahl haben wir?"

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Quelle: Sky News


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