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Sagen Sie mal, Herr Matschie ...: Was lernt man beim Klettern über die Politik?

Der Mann will hoch hinaus: Christoph Matschie, SPD-Spitzenkandidat in Thüringen, will am Sonntag Ministerpräsident werden. Privat ist er leidenschaftlicher Freeclimber. Was die Wand mit den Wahlen zu tun hat - stern-Autor Tilman Gerwien hat nachgefragt.

Sie sind seit Jahren leidenschaftlicher Kletterer. Kann man beim Klettern auch was für die Politik lernen?

Ich finde schon. Beim Klettern braucht man zu 100 Prozent zuverlässige Mitstreiter, Sie sichern sich in der Wand gegenseitig, da müssen Sie voll vertrauen können. Das ist auch in der Politik wichtig - absolutes Vertrauen in die Menschen um einen rum.

Was ist Ihnen lieber: Free Climbing an der künstlichen Wand oder Klettern im richtigen Gebirge?

Ich klettere nicht so gerne an künstlichen Wänden. Viel lieber mag ich die Thüringer Felsen. Da stehen Wände, die haben bis zu 60 Meter, das reicht völlig.

Fürs Free Climbing braucht man ja richtig schöne Muskeln. Machen Sie Bodybuilding?

Nein, ich bevorzuge eine Mischung aus Yoga und Fitnesstraining. Der wichtigste Muskel beim Klettern ist ohnehin das Hirn - sich auf die Wand gedanklich vorbereiten, angstfrei klettern, das ist wichtig. Sonst verkrampft man.

Sind Sie auch ein richtiger Gipfelstürmer oder gilt für Sie: Der Weg ist das Ziel?

Ich habe im Himalaya auch schon 6000er bestiegen. Das ist etwas völlig anderes als Free Climbing, aber auch sehr schön. In dieser gigantischen Natur ist man sehr klein und muss deshalb innerlich stark sein, ein Gefühl, das ich sehr mag.

In Thüringen wird am 30. August gewählt, Sie wollen Ministerpräsident werden. Wäre dann überhaupt noch genug Zeit für Ihr Hobby?

Die Zeit werde ich mir nehmen, verlassen Sie sich drauf. Wenn Sie in der Wand hängen, ist der Kopf frei und die Politik ganz weit weg. Und das brauche ich ab und zu.

Tilman Gerwien ist Autor im Berliner stern-Büro. In seiner Reihe "Sagen Sie mal ..." spricht er mit Politikern über ein persönliches Thema - abseits der Politik

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