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TV Duell Merkel gegen Steinmeier Duett eines älteren Ehepaares


Brav, braver, am bravsten - viel rücksichtsvoller als dies Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier taten, können politische Konkurrenten nicht miteinander umgehen. Man lobte sich mit Blick zurück.
Von Hans Peter Schütz

Von einem "Duell" ist zuvor ja viel geredet worden. Zumeist sogar mit hoffnungsvollem Unterton. Dies in der berechtigten Erwartung, man könne durch das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier vielleicht die Entscheidung bei der Bundestagswahl erleichtert bekommen. Groß genug ist die Zahl der immer noch unentschiedenen Bundesbürger schließlich. Und die leiden zu Recht darunter, dass beim Blick auf den bisherigen Wahlkampf der beiden Koalitionspartner noch immer nicht erkennbar geworden ist, wohin sie denn im Falle einer politischen Trennung marschieren würden.

Diesem Erwartungshorizont ist der Fernsehabend mit Kanzlerin und Vizekanzler überhaupt nicht gerecht geworden. Da war nicht ein Fünkchen eines Duells erkennbar. Das Duo gab das Duett eines älteren Ehepaars, wo jeder die Schwächen des anderen kennt, sie erträgt, weil man weiß, dass sie auszuhalten sind. Auf keiner Seite wurde ein ausgeprägter Wille zu Scheidung und zum Machtwechsel erkennbar. Allein schon die Signale der Körpersprache bei Merkel wie bei Steinmeier, das zuweilen fast schon liebevolle Zulächeln, wenn man in der Sache ein ganz klein wenig aggressiv sein musste, das war rundum eindeutig. Wenn die beiden durch der Wähler Willen es wieder miteinander tun müssen, werden sie es leichten Herzens tun.

Über weite Passagen des Gesprächs hinweg kuschelte man mehr, als dass man kämpfte. Ohne das Thema der Begrenzung der Managergehälter und ohne die Frage des Ausstiegs aus der Atomkraft wäre die dokumentierte Harmonie über die lange langweilige Sendezeit hinweg kaum erträglich gewesen. Nirgendwo wurde der Hauch eines visionären anderen Politikansatzes erkennbar. Nicht im Streit über die Afghanistan-Politik, nicht in der Gesundheitspolitik, noch bei der Wirtschaftspolitik. An allen wichtigen politischen Positionen der zurückliegenden vier Jahre wurde erkennbar, dass eine Fortsetzung durchaus denkbar ist. Mehr noch: Es entstand massiv der Eindruck, dass dieses großkoalitionäre Ehepaar in den stillen Winkeln ihrer Herzen durchaus mit einer Fortsetzung einverstanden wäre.

Neue bemerkenswerte politische Ansätze wurden nirgendwo sichtbar. Mehr Netto vom Brutto versprach einmal mehr die Kanzlerin. Festgelegt auf ein Datum hat sie sich nicht. Ihr Gegenüber versuchte mit Formeln wie "Wir brauchen einen Neustart der sozialen Marktwirtschaft" ein Akzentchen zu setzen. Doch auch dabei war nicht einmal ein Unterton an Disharmonie herauszuhören. Es wurde - fast schon erschreckend - viel mehr Rückblick als Ausblick geboten. Unterm Strich lief das auf die Formel Merkels hinaus, die sagte: "Das Gute kann immer noch verbessert werden."

Wer sich auf die mühsame Suche nach einem "Sieger" in diesem kuscheligen Duell macht, wird bei Steinmeier landen. Ein klein bisschen blickte er mehr nach vorwärts als Merkel und einige Halbsätze lang zeigte er sich detailgenauer bei der Markierung seiner Positionen. Merkel gab immer wieder mal pflichtgemäß ihr Bekenntnis zu Schwarz-Gelb zu Protokoll, irgendeine Leidenschaft für diese neue politische Beziehung war nicht erkennbar. Man bekannte sich zur gemeinsamen "guten Vergangenheit." Man hielt Händchen bei den Themen Opel, Afghanistan und Gesundheit. Familienpolitik und die Bildungspolitik, die als Schwerpunkte künftiger politischer Arbeit im CDU-Wahlprogramm vorkommen, fanden pauschal mit zwei Sätzen im Schlusswort der Kanzlerin statt. Genaueres erfuhr man nicht. Und Steinmeier legte sich einmal mehr gegen rot-grün-rote Gedanken fest. Das passte natürlich fugenlos in ein Gespräch, das wie eine Verabredung für eine neue Große Koalition wirkte.


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