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Naturschutz: Kein Platz für Ballermänner - darum ist Costa Rica ein Urlaubsparadies

Umwelt schützen? Klar. Aber auf das exotische Reiseziel verzichten? Das Beispiel Costa Rica zeigt, dass Tourismus bei konsequenter Förderung nachhaltig und ökologisch sein kann. Und das lohnt sich doppelt: Denn die großartige Natur des Landes ist besonders sehens- und schützenswert.

Von Joschka Frech

Costa Rica setzt auf nachhaltigen Tourismus

Costa Rica setzt auf nachhaltigen Tourismus

Schon die Wegbeschreibung verheißt Ruhe – und Natur pur: Es geht steil hinab ins Tal von San Gerardo de Dota. Die Schotterpiste entlang, bis der Jeep nicht mehr weiter kommt. Ein verlockendes Szenario: Am Ende des Weges, ohne Straßenlärm, umgeben von dicht bewaldeten Hängen. Und mittendrin eine Lodge. Stilvoll eingerichtete Zimmer in robusten, großzügigen Blockhäusern.

Zum Einschlafen spielt die Natur eine Symphonie aus Blätterrauschen und Tierlauten. Die gemütlichen Hütten vermitteln Geborgenheit und – dank dezenter Integration in die Landschaft – Naturnähe. Es überrascht immer wieder, wie gut dieses Zusammenspiel in funktioniert. Tourismus in der Natur. Tourismus mit der Natur.

Von Bucht zu Bucht

Erst kurz zuvor sind wir im wildesten Landstrich des Landes unterwegs: der Halbinsel Osa. Umgeben von sattem Dunkelgrün. Auch hier: Hütten im Wald. Ein atemraubender Ausblick auf das kräftige Blau des Pazifiks. Die Sonnenuntergänge – ein loderndes Schauspiel aus Farben. Und der Dschungel beginnt am Rande des Grundstücks. Oder sind wir schon mittendrin?

Zwei wilde Orte also, aber doch völlig unterschiedlich. Genau wie der Start unserer Reise am Karibikstrand. Vom idyllischen Puerto Viejo aus radeln wir die Küste entlang von Bucht zu Bucht. Entdecken versteckte Paradiese mit perfekten, weißen Stränden. Vorbei an glücklich abhängenden Faultieren - und ab und an mit dem verlockenden Geruch der hervorragenden karibischen Fischküche in der Nase.

Sonnenuntergang an Costa Ricas Karibikküste

Entspannung Pur: abendliche Idylle an der Karibikküste bei Puerto Viejo

Diversität und Nachhaltigkeit

Die Flucht vor dem kaltnassen Winter in der Heimat ist definitiv geglückt: drei völlig unterschiedliche Orte, vereint auf kleinstem Raum. Allein diese Diversität ist einzigartig. Doch dahinter steht noch mehr. Denn jeden dieser Orte einte das Streben nach - Nachhaltigkeit.

Schon bei der Urlaubsplanung lesen wir immer wieder vom „Vorreiter des Öko-Tourismus“, dem „grünen Paradies“ und „Reisen mit gutem Gewissen“. Als es dann um die Buchung von Touren und Unterkünften geht, sind wir uns trotzdem unsicher. Wer bietet eine tatsächlich nachhaltige Erfahrung, wer macht sich das „grüne Image“ des Landes nur zu eigen?

Gütesiegel CST

Schnell stoßen wir auf die „Certificación de Turismos Sostenible“ (CST). Ein Siegel für nachhaltige Tourismusbetriebe, vergeben von staatlichen Agenturen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und internationalen Organisationen. Eine umfassende Nachhaltigkeitsidee ist der Leitgedanke. Es geht also nicht nur um Naturschutz. Auch um die Verbesserung der Lebensqualität in den lokalen Gemeinden oder die Einbindung der Touristen in das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele.

Natürlich soll das „CST“ den ankurbeln. Aber durch den wissenschaftlichen Prozess hinter der Vergabe und der langen Historie des Siegels, das schon 1997 ins Leben gerufen wurde, tritt es dem Greenwashing im Tourismussektor entgegen. Und auch weitere Zertifikate helfen uns bei der Auswahl. Etwa das Tourismussiegel der Rainforest Alliance, aber auch der costaricanische Verhaltenskodex gegen sexuelle Ausbeutung Minderjähriger.

Lebt in den Nebelwaldgebieten Costa Ricas: ein Exemplar des Quetzal mit seinen langen Schwanzfedern.

Lebt in den Nebelwaldgebieten Costa Ricas: ein Exemplar des Quetzal mit seinen langen Schwanzfedern.

Inlandsflug mit Klimakompensation

Das Schöne ist: Die Angebote, die allen unseren Kriterien entsprechen, sind immer noch äußerst vielfältig. Schon vor der Abreise herrscht bei uns eine gewisse Zufriedenheit, natürlich gepaart mit riesiger Vorfreude auf unser Abenteuer. Vor Ort gönnen wir uns sogar einen Inlandsflug. Denn wie selbstverständlich kompensiert auch die lokale Airline ihren CO2-Ausstoß mit Aufforstungsprojekten.

Und auch sonst werden wir nicht enttäuscht. Recycling ist in unseren Hotels Standard. Beim Thema Energiesparen wird der Gast freundlich, aber bestimmt, an die Hand genommen. Eine Unterkunft unterstützt sogar die örtliche Dorfschule beim Englischunterricht. Und immer gibt es Zimmer für Menschen mit Behinderung, das ist selbst hierzulande keine Selbstverständlichkeit.

Auf der Suche nach dem Quetzal-Vogel

In den letzten Tagen haben wir viel erlebt – und auch etwas gelernt. Nun sind wir also am Ende des Weges angekommen. Wortwörtlich. Und unser letztes Ziel hält, was die Wegbeschreibung verspricht. Wir haben fast ein schlechtes Gewissen, mit unserem Jeep die Stille des frischen, vernebelten Tals zu stören. Und freuen uns tatsächlich auf den Wecker.

Um 5 Uhr am Morgen wartet eine letzte Entdeckungstour. Irgendwo da oben, im dichten Geäst des Regenwaldes, lebt der magisch bunte Quetzal-Vogel. Er ist Namensgeber des Nationalparks, in dem wir uns befinden. Und er ist selten.

Schließlich, während die letzten Sonnenstrahlen des Tages durch die Bäume tasten, genießen wir eine selbst geangelte Forelle auf der verglasten Terrasse. Im Kerzenschein teilen wir mit anderen Gästen unsere Abenteuer. Und gehen schließlich mit dem wohligen Gefühl ins Bett, alles richtig gemacht zu haben.

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