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"Aida Luna" vor der Taufe: Prominenz auf Probefahrt

Leinen los zur Jungfernfahrt. Heute sticht der erste Kreuzfahrtschiff-Neubau des Jahres in See. Am Samstagabend schipperte die "Aida Luna" durch den Hamburger Hafen. Eine Probefahrt mit illlustren Gästen.

Von Swantje Dake

Der Kapitän ist zufrieden. "Ein sehr schönes Schiff, mein Schiff", sagt Lutz Leitzsch und meint damit die "Aida Luna". Seit einer knappen Woche steht der 59-Jährige auf der Brücke des neusten Aida-Schiffes. "Das Schiff macht das, was ich ihm sage." Gut zu wissen, schließlich startet der Kapitän heute Abend mit 600 Mann Besatzung und gut 2000 Passagieren an Bord zur Jungfernfahrt. Mit einem ungetauften Schiff. Der feierliche Akt wird erst in zwei Wochen im Hafen von Palma de Mallorca nachgeholt. In dem Hafen, in dem seit Beginn der Aida-Zeit vor 13 Jahren am meisten Schiffe der Flotte festgemacht haben.

Erst am Montag hatte die Reederei das Schiff von der Meyer Werft übernommen. Abends startete die erste Tour mit 2000 Reiseverkehrskaufleuten von Emden nach Hamburg. Von Donnerstag bis Samstag machte das Schiff einen Ausflug nach Amsterdam, ebenfalls mit Gästen an Bord. Es gilt, die Zeit zu nutzen, nicht nur für den Kapitän und seine Crew, um sich einzuschaukeln. Auch für Aida Cruises. Die Rostocker Reederei bringt mit der "Aida Luna" das erste Schiff des Jahres in Fahrt. Die Kreuzfahrtsaison steht noch am Anfang. Noch richtet sich die ungeteilte Aufmerksamkeit auf den Kussmund. Das zweite deutsche Schiff, "Mein Schiff", wird erst Mitte Mai getauft. Aida Cruises nutzt die Gunst der frühen Geburt, will die Fangemeinde vergrößern, Verkäufer auf das Produkt einschwören und mit ihrem Produkt begeistern. Daher ist die Taufveranstaltung, sonst meist geladenen Gästen vorbehalten, buchbar gewesen.

Abtauchen in die Aida-Welt

Zur abendlichen Hafenrundfahrt kamen 700 Gäste und die Taufpatin, Model Franziska Knuppe, an Bord. Die 34-Jährige hatte sich äußerlich auf ihren Schützling eingestellt: knallroter Hosenanzug, knutschroter Kussmund. Verinnerlicht hatte das Model die Seefahrt noch nicht. "Bug, Heck, ich bring das alles durcheinander", sagte die gelernte Hotelfachfrau. Aber sie versprach, sich Mühe zu geben, dass am 4. April die Champagner-Flasche zerschellt. "Ich will ja Glück bringen", so die gebürtige Rostockerin.

Für die Fahrt durch die engen Becken hat es gereicht. Das 252 Meter lange und 32 Meter breite Schiff glitt vorbei an den Docks der Werft Blohm + Voss. Hier lag die "Aida Luna" bereits vor einigen Tagen. Ein ungeplanter Werftaufenthalt für das neue Schiff. Bei der ersten Testfahrt auf der Nordsee ertönten vor Borkum merkwürdige Geräusche, das Schiff machte ungewöhnliche Bewegungen. Ein Fischernetz soll sich in einem Propeller verfangen haben. Sie wurden ausgetauscht, jetzt zeigen sich alle Seiten begeistert. "So eine Testfahrt ist wie die Geburt eines Babys. Das ist Stress fürs Schiff, macht es nur ein Mal im Leben", so Kapitän Lutz Leitzsch.

Die große Aida-Show

Leitzsch steuerte das Schiff unter der Köhlbrandbrücke hindurch, vorbei an Containerterminals. Statt Döntjes vom Barkassenkapitän erklärte Stefan Behn, Chef der HHLA, dem größten Umschlagbetrieb des Hafens, sein Revier. Am Terminal Altenwerder, dem modernsten Hamburgs, grüßten die Hafenarbeiter: Bunte Stahlboxen mit der Aufschrift "Welcome 'Aida Luna'" wurden von den Brückenfahrern in den Nachthimmel gezogen. Im dreistöckigen Atrium wirbelte das hochprofessionelle Showteam, zeigte die auf das Schiff abgestimmte, beeindruckende Show "Somnambul", die eigentlich nicht für Landratten zu sehen ist. Der Tenor Madou von der Hamburgischen Staatsoper lieferte die Hochkultur des Abends, schmetterte "O sole mio".

Auf dem Pooldeck wurde Glühwein ausgeschenkt, dazu strahlte eine Laserschau grell und laut in den neblig-kalten Nachthimmel. Und Aida-Cruises Präsident Michael Thamm verkündete gut gelaunt, dass das Unternehmen "beträchtlich an Fahrt aufgenommen habe", auch wenn die Zeiten nicht ganz so einfach sein. Egal, wie die Kreuzfahrten gebucht werden, das nächste Schiff, die "Aida Blu", wird ihm in elf Monaten übergeben. Mit einer eigenen Brauerei, einem neuen Restaurantkonzept und einem größeren Spa werden im Frühjahr 2010 bereits sieben Schiffe mit Kussmund zu füllen sein.

Das haut sogar Panikrocker Udo Lindenberg um. "Mir fliegt gleich der Hut weg", raunte er aus dem Publikum. "Meyer wieder, ne, ein gutes Schiff, ey." Und versprach, bald mit seinem Panikorchester an Bord zu kommen, inklusive Sänger Jan Delay. Mit dem ist er allerdings noch auf einem anderen Schiff verabredet - zur Taufe von "Mein Schiff". Harte Zeiten für deutsche Kreuzfahrtschiffe - der Markt für Passagiere, Prominenz und Aufmerksamkeit ist begrenzt.

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