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Bahntickets: Massenansturm bleibt aus

Schlecht lief es nicht am ersten Verkaufstag der Bahn-Billigtickets in McDonald's-Filialen. Doch der Massenansturm wie den Lidl-Fahrkarten blieb aus - das könnte an den ungünstigen Nutzungsbedingungen gelegen haben.

Vier Bahnfahrten für 99 Euro: Das jüngste Schnäppchenangebot der Bahn hat den deutschen McDonald's-Filialen am Montag einen starken Kundenandrang beschert. Bei klirrender Kälte harrten schon vor dem offiziellen Startschuss um acht Uhr viele Reiselustige vor den Geschäften der Fast-Food-Kette aus, in denen die Vierertickets vertrieben werden. Ein Massenansturm wie bei der ersten Sonderaktion mit dem Discounter Lidl vor einem Jahr blieb allerdings aus.

Die Bahn hat dazu gelernt und das Ticketkontingent vervierfacht. Mit dem jetzt angelaufenen "Burger-Ticket" können Reisende für knapp 25 Euro einmal quer durch Deutschland fahren. Die Fahrkarte gilt bundesweit für eine beliebig lange Bahnfahrt im ICE, Intercity oder Eurocity zweiter Klasse. Angeboten wird das Viererticket deutschlandweit in rund 1.000 McDonald's-Filialen. Pro Kunde werden maximal fünf Fahrkartenhefte ausgegeben. Insgesamt wirft die Bahn vier Millionen Fahrkarten mit einem Umsatzvolumen von 99 Millionen Euro auf den Markt.

Tickets mit Einschränkungen

Doch beim näheren Hinschauen werden auch die mit dem Ticket verbundenen Einschränkungen deutlich. Am spürbarsten ist dabei wohl, dass die Fahrscheine nicht an Freitagen und Sonntagen gelten. Dies hat seinen Grund: An beiden Tagen sind die meisten Fernzüge ohnehin schon voll, besetzt mit Pendlern und Bahncard-Kunden. Bei der Lidl-Aktion mit einem sehr viel geringerem Kontingent galt das Ticket noch an allen Wochentagen. Außerdem ist der Zeitraum, in dem die Fahrscheine gelten, sehr viel kürzer. Bis zum 1. Juni - und damit in knapp drei Monaten - müssen die Fahrkarten abgefahren sein. Bei der Vorgänger-Aktion hatten die Bahnkunden noch viereinhalb Monate Zeit. Aber trotz der Einschränkungen ist das Bahn-Angebot auf langen Strecken unschlagbar, wie auch die Stiftung Warentest zugibt. Bei längeren Strecken können die Fahrgäste deutlich sparen, bei Fahrten bis etwa 150 Kilometer ist ein reguläres Einzelticket oft günstiger - das hängt von der Zugart ab. Bei mittleren Strecken lohnt aber vor allem für Bahncard-Besitzer ein Preisvergleich.

Bahn hat Jugendliche im Visier

Es sind ohnehin nicht die Pendler, die die Bahn mit ihrem Schnäppchen-Angebot anlocken will. Sie will Neukunden gewinnen. Fast 50 Prozent der Bevölkerung sind noch nie in einem ICE gefahren, das Potenzial ist also groß. "Wir müssen neue Wege finden, auf den Kunden zuzugehen", sagt auch der Vorstandsvorsitzende der DB Fernverkehr AG, Nikolaus Breuel. Mit dem Vertriebspartner McDonald’s haben die Marketingexperten der Bahn diesmal besonders Jugendliche im Visier. "Wir wollen die Menschen dort treffen, wo sie uns normalerweise nicht erwarten", sagt Breuel. Erfahrungen aus der Lidl-Aktion belegen, dass 50 Prozent der Käufer Neukunden waren. Der Ticketverkauf in McDonald's-Restaurants hat am ersten Tag die Erwartungen des Unternehmens erfüllt. "Es läuft richtig gut", sagte Bahnsprecher Gunnar Meyer am Montag in Berlin. Der Vizepräsident der Marketing-Abteilung von McDonald's Deutschland, Johan Jervoe, sagte in Berlin, er erwarte, dass die Fahrscheinhefte etwa nach einer Woche verkauft sein werden. Bei der Aktion vor zehn Monaten hatte die Bahn an den Lidl-Kassen rund 550.000 Hefte mit je zwei Tickets für 49,90 Euro verkauft. In vielen Filialen waren seinerzeit sämtliche Fahrkarten bereits nach einer Stunde vergriffen. Deshalb hatten Verbraucherschützer die Aktion als unzulässiges Lockvogelangebot kritisiert.

AP/DPA / AP / DPA

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