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Chaos zum Ferienbeginn: Reisende berichtet vom Flughafen München: "Komme mir vor wie in einem Entwicklungsland"

Pünktlich zum Ferienbeginn hat eine unkontrollierte Frau im Sicherheitsbereich am Münchener Flughafen für erhebliche Behinderungen gesorgt. Der stern sprach mit einer Reisenden vor Ort, die die "chaotischen Zustände" live miterlebt.

Zahlreiche Fluggäste warten am Flughafen in München am Terminal 2 auf ihre Flüge

Zahlreiche Fluggäste warten am Flughafen in München am Terminal 2 auf ihre Flüge

DPA

Eigentlich wollte Alexandra C. bereits um kurz nach 7 Uhr mit ihren beiden Kindern nach London aufbrechen. Fast 13 Stunden später steht sie noch immer am Münchener Flughafen in einer Schlange vorm Lufthansa-Schalter. Ihre beiden Kinder, zwölf und 14, hat sie nach Hause geschickt, weil sie nicht mehr wirklich damit rechnet, dass hier heute noch etwas passiert. "Es muss doch einen Plan für so etwas geben. Die waren völlig überfordert", sagt sie.

Eine Frau, die unkontrolliert in den Sicherheitsbereich des Airports gelangt war, hatte das Schlamassel ausgelöst. Mindestens 200 ausgefallene und mindestens 60 stark verspätete Flüge sind das Ergebnis. Am Samstag starteten in Bayern die Sommerferien. Inzwischen ist die Frau identifiziert worden, alles deutet auf ein Missverständnis hin. Das aber konnte vor Stunden niemand so genau wissen. Folgerichtig räumte die Bundespolizei zwei Abflughallen - und sorgte damit für jede Menge Frust bei den Passagieren.

Augenzeugin: Hier sind 30 Grad, Leute sind umgekippt

Eine davon ist Alexandra C., die den kompletten Samstag in der "gerammelt vollen" Halle von Terminal 2 verbringt. "Hier unterm Glasdach waren locker 30 Grad. Immer wieder kamen Sanitäter, weil Menschen umgekippt sind." Zwar seien mittlerweile Getränke verteilt worden, und es sei eine Belüftung eingerichtet worden. Trotzdem seien die Zustände "einfach nur chaotisch". Seit Stunden stehe sie in der Schlange, ohne dass sich etwas bewege.

C. beklagt vor allem die mangelnde Organisation vor den Schaltern. "Da waren einfach Menschenmassen davor." Zudem habe es keine Informationen gegeben, wie es weitergeht. "Man kann uns doch nicht einfach hier in der heißen Halle stehen lassen. Warum sind wir nicht rausgebracht worden?" Außerdem habe es keine Sonderschlangen, etwa für Schwangere, alte Menschen, Behinderte oder Familien mit kleinen Kindern gegeben, sagt C. "Eine Frau neben mir mit zwei kleinen Kindern hat bitterlich geweint. Die hatte ihr Gepäck schon eingecheckt, wohnte nicht in der Stadt und konnte daher nirgendwo hin."

"Da hätte sich hier die Hälfte totgetreten"

Zudem handle es sich auch um ein Sicherheitsrisiko. "Es war wohl alles ganz harmlos, aber wäre dem nicht so gewesen, hätte die Frau tatsächlich irgendwas vorgehabt, wäre diese Menschenmasse auf jeden Fall ein gutes Ziel gewesen." Da solche Szenarien öfter an Flughäfen passierten, wünsche sie sich "einen besseren Plan" dafür. "Gerade an so Tagen wie heute." Sie sei "schon entsetzt" gewesen. "Wäre hier Panik ausgebrochen, hier wäre keiner rausgekommen. Da hätte sich hier die Hälfte totgetreten."

Die Information der wartenden Passagiere sei mangelhaft. Sie wisse immer noch nicht, wie lange die Schalter offen sind. "Ich stehe hier seit Stunden in der Schlange, nichts bewegt sich und vielleicht machen die nachher einfach zu, bevor ich drankomme." Zudem seien dort 13 Schalter, aber lediglich fünf davon besetzt. "Ich muss doch alles an Personal herholen, wenn so etwas ist. Das ist total unorganisiert. Ich komme mir vor, wie in einem Entwicklungsland." Der Flughafen sei "völlig überfordert".

Ihr frustriertes Fazit nach Stunden des Wartens: "Hier ist nichts geordnet abgelaufen. Glücklicherweise sind die Leute ruhig geblieben, aber das hätte auch ganz anders ausgehen können."

fin

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