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Henry Rasmus: Deutschlands Hering-Papst kommt aus Stralsund - er beliefert sogar die Lufthansa

Henry Rasmus eröffnete 1995 seinen eigenen Fischladen in Stralsund. Und schnell werden die Schlangen vorm Geschäft immer länger. Denn nirgendwo gibt es besseren Bismarck-Hering.

An der Ostseeküste trifft man viele solche Sturköpfe. Menschen, die Gegenwind mögen, weil sie dann zeigen können, welch gute Segler sie sind. Was musste sich Henry Rasmus nicht alles anhören, als er beschloss, ein Fischgeschäft zu eröffnen? "Jetzt dreht er komplett durch", sagten die alten Kollegen aus der Werft in Stralsund, wo Rasmus Schiffbauer gelernt hatte. 1995 wurde Rasmus gekündigt, da war er Prüfer für nautische Geräte, aber die neuen Eigentümer aus Hamburg wollten ihn nicht mehr. 

"Was kannste, was willste?' habe ich mich damals gefragt", sagt Rasmus, 63, im Büro seines Fischgeschäfts sitzend, eine Zigarette zwischen den Lippen. "Die Ostsee liebe ich, viele Fischer kenne ich durch meinen alten Job – also mach ich einen Handel auf."

In der Stralsunder Altstadt baute er ein Haus um: unten ein Ladengeschäft mit Stehtischen, oben Küche und Büro. Schon bald bildeten sich lange Schlangen vor Rasmus' Geschäft. Es hatte sich herumgesprochen, dass es hier den leckersten Bismarck-Hering der Stadt gibt. 

Deutschlands Herings-Spezialist Nr. 1

Rasmus ist nicht nur ein sehr guter Koch, sondern auch ein ebenso cleverer Rechercheur. Über einen befreundeten Restaurator spürte er die Nachfahren von Johann Wiechmann auf, den Erfinder des Bismarck-Herings. Der Stralsunder Kaufmann und Braumeister hatte Ende des 19. Jahrhunderts eine saure Lake entwickelt, die den entgräteten Ostsee-Hering konservierte und zugleich schmackhaft machte. 

Rasmus besorgte sich das Originalrezept und nahm auch Kontakt zu den Bismarcks auf, nach deren Familienoberhaupt Otto von Bismarck, dem Gründer des Deutschen Reiches, der Hering einst benannt wurde. "Ich hab's schriftlich, dass ich meinen Fisch 'Bismarck-Hering nennen darf'", sagt Rasmus und weist mit ausladender Armbewegung auf die Wand hinter sich, die gepflastert ist mit Urkunden, Zertifikaten und Briefen. 

Die Bezeichnung "Bismarck-Hering" ist zwar keine geschützte Marke, aber Rasmus stört das nicht. "Das mit den Bismarcks ist auf jeden Fall ne gute Geschichte", findet er. Und eine erfolgreiche dazu. Henry Rasmus, gelernter Schiffbauer, gilt nun als Herings-Spezialist Nummer eins Deutschlands. Zwei bis drei Tonnen Bismarck im Monat produziert er mit vier Mitarbeitern und versendet bis nach Österreich und in die Schweiz. Die Business-Class-Küche der Lufthansa hat er mit 295.000 Portionen Hering beliefert. 

Alle zwei Jahre wird Rasmus von den Bismarcks zum Familientreffen eingeladen – dort darf er dann 200 Gäste mit seinem süß-sauren Fisch verköstigen.

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