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ZDF-Recherche: So dreist wird in Deutschland mit Hotel-Sternen getrickst

Hotel-Sterne sollen eigentlich über den Standard der Häuser Auskunft geben. Doch dem ZDF zufolge wird mit den Bewertungen getrickst. Und: Hotels können sich die Sterne auch einfach selbst verleihen, ganz ohne Überprüfung.

Man kennt das aus dem Ausland: Gebucht wurde Urlaub in einem 4-Sterne-Hotel. Doch vor Ort stellt sich das Haus als Rumpelbude mit gammeligen Bädern und uralten Möbeln heraus. Schnell argumentieren die Reiseveranstalter dann mit nationalen Sternen, die mit internationalen Standards ja nicht vergleichbar wären. 

Wer in Deutschland Urlaub macht - und das werden immer mehr - kennt solche Sorgen nicht. Die Sterne-Klassifizierung der Hotels wird vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) geregelt. Wo mit 4-Sternen geworben wird, kann der Gast auch diesen Komfort erwarten. Oder?

Hotelbranche trickst mit Sternen

Laut Recherchen von "ZDFzoom" wird mit der Sterne-Bewertung auch in deutschen Hotels getrickst. Dann prangen Sterne an der Fassade, die nie verliehen oder überprüft wurden. Jedes vierte der insgesamt 1000 vom ZDF geprüften Hotels in Großstädten oder Großstadtnähe schätzt den eigenen Komfort selbst ein, vom DEHOGA wurde der Status nicht geprüft. 

Eigentlich müssen sich Hotels einer Prüfung der DEHOGA unterziehen, um mit einer Klassifizierung zu werben. Das kostet je nach Bundesland und Größe des Hotels bis zu 2000 Euro. Dann dürfen die Häuser mit den Sternen für drei Jahre werben. Danach müssen die Hotels die Klassifizierung kostenpflichtig verlängern lassen. Bislang sind 8700 Hotels geprüft, das entspricht rund 40 Prozent der insgesamt 20.000 Hotels in Deutschland

5-Sterne selbst verleihen

Eines dieser Hotels ist das Sofitel am Berliner Gendarmenmarkt. Es wirbt mit 5 Sternen. Doch dieser Luxus wurde von dem DEHOGA nie bestätigt, das Hotel besitzt keine Plakette des Verbands. Damit ist die 5-Sterne-Werbung eigentlich illegal. Aber dieser Trick scheint sich längst in der deutschen Hotellandschaft eingebürgert zu haben. "Das kommt sehr häufig vor. Und ich glaube, dass man relativ schnell auf schwarze Schafe bei der ganzen Geschichte stoßen kann", sagt der Tourismuswissenschaftler und Hotelexperte Martin Linne in dem "ZDFzoom"-Beitrag.

Das Ergebnis der ZDF-Stichprobe: Von den 1000 Hotels sind 251 nicht offiziell klassifiziert. Sie werben mit Sternen, die sie sich selbst verliehen haben oder die längst abgelaufen sind. Für Gäste der Häuser ist kaum ersichtlich, ob es sich nun um echte Sterne der DEHOGA oder um erschummelte handelt. 

DEHOGA prüfe zu lasch

Das System der DEHOGA befeuert diese Praxis. Linne hält die Prüfung durch den Verband für zu lasch. "Das dürfte sich der DEHOGA eigentlich nicht gefallen lassen, dass sein eigenes System auf diese Art und Weise missbraucht und verwässert wird. Eigentlich müsste der DEHOGA sein System regelmäßig kontrollieren", so Linne.

Ein Hotelier, der anonym bleiben will, berichtet dem ZDF, dass durch die oberflächliche Prüfung der DEHOGA auch getrickst werden könne. So würden bei einer Überprüfung nur die Zimmer gezeigt werden, die frisch saniert seien. Andere Räume seien einfach belegt oder würden derzeit renoviert. Und schon entsteht für den Prüfer der Eindruck, das Haus ist in gutem Zustand. "Die Sterne sagen längst nicht immer die Wahrheit", so der Hotelier.

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