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Conichi App: Er ist 25, war für Google in Asien - und will jetzt das Hotel-Business umkrempeln

Er ist weit gereist und mit einer App-Idee in Berlin gelandet, die die Hotelbranche revolutioniert. Mit Conichi treibt ein 25-Jähriger die Digitalisierung der Branche voran. Jüngster Coup: Per Smartphone lässt sich die Zimmertür im Hotel öffnen.

Maximilian Waldmann

Mit seiner App Conichi mischt Maximilian Waldmann die Hotellerie auf

Warten, immer wieder Warten: Wer in ein Hotel einchecken will, muss viel Zeit mitbringen. Selbst wenn die Schlange nicht lang ist, dauert es. Bis die Mitarbeiter an der Rezeption die Buchung gefunden haben, der richtige Schlüssel über den Tresen wandert - Maximilian Waldmann ist von dem unmodernen Prozedere genervt. Viel Zeit hat der gebürtige Frankfurter in Warteschlangen in Hotels verschwendet. "Immer anstellen, länger als beim Check-in am Flughafen", resümiert der heute 25-Jährige, "das muss auch anders gehen."

Inspiration fand der junge Mann in Asien. Als er nach Stationen in England und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre ein Jahr in Singapur bei Google arbeitete, musste viel durch ganz Asien reisen und stieg oft in Hotels ab. Dort erkannte er: Wird Technik clever eingesetzt, werden die Prozesse beim Ein- und Auschecken im Hotel vereinfacht - dann wird ein Geschäftsmodell daraus.

Als Schlüssel erweist sich dabei die automatische Gästeerkennung - und die Suche vor allem nach einer technologischen Lösung. Doch Waldmann geht es nicht nur um Zeitersparnis, sondern um Service und Personalisierung. Das sind Themen, "die in Asien viel weiter vorne stehen als bei uns", sagt er. Wie wäre es, wenn die Rezeptionistin gleich weiß, wer vor ihr steht, satt eine gefühlte Minute mit gesenkten Blick auf dem Bildschirm die Reservierung im Computer zu finden?

Mit einer Vision im Gepäck kam er 2014 zurück nach Deutschland. Aus einer Idee ein Geschäft machen, das kann Waldmann. Schon als Schüler war er Gründer:  Im Alter von 15 Jahren rief er die Website "Helping Hands Frankfurt" ins Leben, weil es damals für die Vermittlung von Jobs wie Hunde- oder Babysitting und Servicekräfte für Schüler und Studenten noch keine Online-Portal gab. Also gründete er eine solche Plattform kurzerhand selbst.

150 Absagen von Investoren

Doch die mächtige Hotelbranche in Deutschland zu revolutionieren, ist eine deutlich schwierigere Aufgabe. Es schien fast so, als ob Waldmann seine Idee mit Hilfe von Programmierern in eine App nie umsetzen würde. Immer wieder erklärte er vor Investorengruppen seine Vision des Hotels der Zukunft - und bekam 150 Mal einen Korb. "Wir haben monatelang gesucht", sagt er im Gespräch mit dem stern. Doch der damals 23-Jährige blieb hartnäckig, bekam zunächst räumliche Unterstützung unter dem Dach von "hub:raum", einem Incubator der Deutschen Telekom in Berlin.

Den Durchbruch erreichte Waldmann nicht mit Risikokapital aus irgendeinem Fond, sondern durch die Begegnung mit Tobias Ragge. Beim Pizzaessen am Rande einer Tagung der European Business School fanden die beiden schnell zueinander. "Wir investieren", sagte Ragge, Chef des Hotelportals HRS. Ihn überzeugte das Konzept, bei dem die individuellen Bedürfnisse des Gastes im Mittelpunkt stehen, erkannte schnell den Mehrwert für sein Portal und stellte eine "hohe siebenstellige Summe" zur Verfügung.

Das Ausfüllen des Meldeschein entfällt

Im Februar 2015 ging das Startup Conichi in Berlin an den Start. Der Name kommt aus dem japanischen "konnichiwa" für "hallo". Jetzt ist die gleichnamige App, die kostenlos für iOS und Android erhältlich ist, bereits mehrere hunderttausend Mal auf Smartphones heruntergeladen und bei HRS integriert worden. Durch die Anwendung kann jeder Gast ein Profil mit seinen Vorlieben auf seinem Handy hinterlegen, von der privaten wie geschäftlichen Kreditkarte bis zur bevorzugten Kopfkissengröße - unabhängig von den Angaben bei diversen Hotelketten und den verschiedenen Buchungskanälen.

Conichi

Ein- und Auschecken per Smartphone: Die Conichi-App macht es möglich und öffnet Hotel- und sogar Zimmertüren


Beim Betreten eines der inzwischen 250 teilnehmenden Hotels in Deutschland erkennt ein Bluetooth-Empfänger den Gast und informiert die Rezeption über sein Eintreffen auf einem Tablet. Gleichzeitig wird der Meldeschein automatisch ausgedruckt und muss nicht mehr von Hand ausgefüllt werden. Auch ein Anstellen beim Check-out entfällt. Per Smartphone kann der Gast auch eventuelle Drinks aus der Minibar in die App eingeben. Anschließend bekommt er die Rechnung per E-Mail zugeschickt.

Conichi: das digitale Schlüsselerlebnis in Hamburg

Noch einen revolutionären Schritt weiter ist die Zusammenarbeit mit dem Ramada Hotel Hamburg City. Alle Zimmertüren des vor einem Jahr eröffneten Hotels lassen sich auch per digitalem Schlüssel öffnen. Mit der Conichi-App dauert der Dialog vor der zugewiesenen Zimmernummer nur wenige Sekunden - und die Tür springt auf. Während des Aufenthalts können weitere Infos über das eigene Smartphone zugespielt werden. Der Griff zu einem in modernen Hotels im Zimmer platzierten Tablet entfällt.

Waldmann geht es beim "Zusammenspiel von Gast und Technik" vor allem um die Einbindung von familienbetriebenen Hotels und mittelständischen Unternehmen, die noch immer die große Mehrheit der deutschen Beherbergungsbetriebe ausmacht und die sich um die Digitalisierung der Reisekette kaum Gedanken machen.

Nach eigenen Angaben erreicht Conichi durch Partner neben HRS, Carlson Wagonlit und Hotelmarken wie Radisson, Roomers, Price und Swissôtel inzwischen 20 Millionen Nutzer. Großes Potential sieht Waldmann in China, wo Apps einzelner Hotels und Online-Reiseportale eine viel größere Reichweite mit bis zu 210 Millionen Nutzer pro Applikation haben. Deshalb hat Conichi neben 50 Mitarbeitern in Berlin und zehn Programmierer in Belgrad auch 15 Mitarbeiter in einer neuen Filiale in Shanghai beschäftigt, die den "spannenden chinesischen Markt" aufrollen sollen.

Waldmann will hoch hinaus. Seine Innovationskraft schöpft er aus der Perspektive des Kunden - und er möchte in Zeiten der Digitalisierung lange Warteschlangen endgültig abschaffen. Doch das ist nur der Anfang, der Quereinsteiger, der eben nicht eine jahrelange Ausbildung an eine Hotelfachschule absolviert hat, tüftelt bestimmt schon an dem  nächsten Projekt, um Deutschlands Hotelbranche aufzumischen.

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