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Mit dem Hausboot durch Mecklenburg-Vorpommern: Routen für Rumtreiber

Seen, Flüsse und Kanäle verknüpfen sich in Mecklenburg-Vorpommern zu einem Tausende Kilometer großen Naturstraßennetz. Wir machen drei Vorschläge für sehr entspannte Ferien auf dem Wasser.

Von Christin Meissner und Sebastian Weiss

Zwischen Elbe und Oder erstreckt es sich: das größte zusammenhängende Wassersportrevier Europas. Es bedeckt weite Teile Mecklenburg-Vorpommerns, überwindet fließend die Landesgrenzen zu Brandenburg und Berlin. Drei bis vier Wochen würde man mindestens brauchen, um dieses Geflecht aus Seen, Flüssen und Kanälen per Motorboot zu erkunden: auf 1600 Kilometern.

Kanuten und Segler wären noch weit länger unterwegs, denn ihre Freiheit ist deutlich größer: Sie dürfen auf 6500 Kilometern paddeln, segeln, die Welt umarmen. Wir haben drei Routen für Sie ausgewählt - auf denen Sie garantiert nur dann baden gehen, wenn Sie es wollen.

Seenhopping für Kanuten

Hier sieht die Welt schon nach wenigen Paddelschlägen immer wieder anders aus. Abwechslung ist der größte Trumpf dieser Tour mit Start und Ziel in Priepert. Südlich und südöstlich der Müritz reiht sich See an See, miteinander verbunden durch dicht bewachsene Havelläufe oder schmale ehemalige Flößerkanäle: die Kleinseenplatte, ein Großpaddelparadies mit perfekter Infrastruktur für Ferienkanuten. Dazu immer wieder idyllische Badestellen entlang der Route. Eine der wohl schönsten liegt - von dichtem Wald umrahmt und mit einem Badesteg, der weit hinein ins klare Wasser ragt - am Gobenowsee bei Seewalde.

Beim Seenhopping, die Tour führt durch gleich zehn Seen, sind Kanuten meist unter sich. Denn ist der Große Priepertsee über- und die historische Hausbrücke bei Ahrensberg unterquert, beginnt ab Flusskilometer 81 ein Abschnitt, der bis zum Vilzsee für Motorboote gesperrt ist. Höhepunkt der Naturidylle: die knapp vier Kilometer lange Schwaanhavel, die durch sumpfige Erlenbruchwälder und Flussauen mäandert. Bei Wustrow dann: Alle Mann von Bord und Kanu tragen! Ein Bootswagen kann vor Ort gemietet werden. Rund 500 Meter sind es bis zum Klenzsee und seinen von Seerosen überwucherten Uferzonen. Nach Gobenow- und Rätzsee muss das Kanu auf Höhe der Fleether Mühle noch einmal geschultert werden: ein Wehr. Nur eine kurze Unterbrechung im grünen Rausch.

Ab Vilzsee reihen sich wieder Hausboote ein, es beginnt ein Reigen durch drei Schleusen. In der Hochsaison Wartezeit einplanen und rechtzeitig für Nervennahrung sorgen: bei Fischermeister Wolfgang Bork vor dem Schleusengang bei Canow, Tel. 039828/204 76. Kosten Sie fangfrischen, über Erlenholz geräucherten Saibling, Wels und Aal oder Fischsuppe, Borks besondere Spezialität. Die letzte Etappe führt über den Ellbogensee und zurück auf Los. Zum abendlichen Lagerfeuer auf dem Campingplatz Havelperle bleiben und Stockbrot rösten. Mehr Seen sehen geht in drei Tagen nicht.

Infos: Zehn-Seen-Tour

Route: Tour von/bis Kanuverleih Kanatu in Priepert über Großer Priepertsee - Plätlinsee - Klenzsee - Gobenowsee - Rätzsee - Labussee - Canower See - Kleiner Pälitzsee - Großer Pälitzsee - Ellbogensee
Schwierigkeitsgrad: einfach
Dauer: 3 bis 4 Tage
Strecke: 46 km, Etappen von bis zu 15 km/Tag
Schleusen: 3 - Diemitz, Canow, Strasen
Übernachtung: Campingplätze alle 2 bis 8 km, zahlreiche Rastmöglichkeiten
Bootsverleih: Kanatu, Tel. 039828/264 57, www.kanatu.de, Zweierkanadier 80 € für 4 Tage, inkl. Wasserwanderkarte, Schwimmweste, Packtonne. Auch geführte Touren möglich: 2 Tage für 99 €/Pers.

Mit dem Paddel auf der Peene

Wer auf ihr unterwegs ist, wird schon nach wenigen Paddelschlägen die Uhr abnehmen und die Zeit getrost Zeit sein lassen. Denn hier scheint nur sie zu fließen, die Peene, und alles andere stillzustehen. Ruhe dominiert. Auf weiten Strecken ist man ganz allein unterwegs; mehr als fünf anderen Booten pro Tag wird man auch zur Hochsaison in dieser dünn besiedelten Gegend - anders als im Müritz-Nationalpark - nicht begegnen. Stattdessen: Kühe, die das Gras weiter Wiesen kauen.

Entsprungen in der Mecklenburgischen Schweiz südlich von Gnoien, schlängelt sich die Peene auf 143 Kilometern in Richtung Ostsee. Dabei weitet sie sich vom schmalen Flüsschen bis zum 100 Meter breiten Strom und gar, inklusive ihrer sumpfigen Uferzonen, zum größten zusammenhängenden Flusstalmoor Mitteleuropas. Die rund 80 Kilometer lange Strecke zwischen Aalbude und Anklam ist dabei das wohl Schönste vom Schönsten. Nur wenige Hausboote stören hier mit ihrem Wellenschlag, das Paddeln ist weniger kräftezehrend als anderswo - dank des geringen Gefälles und einer nur sanften Strömung. Großes Plus zudem: Auf der gesamten Tour unterbricht keine einzige Schleuse die Fahrt.

Zwischen Seerosen und Seeadlern

Hier unterwegs zu sein, ist besser als jeder Naturfilm. Im Wasser tummeln sich Aale, Hechte, Welse und Brassen. Man kann beobachten, wie Rehe am Ufer äsen, Fischotter abtauchen, ein Seeadler samt Beute sich in die Lüfte erhebt. 156 Brutvogelarten sind gezählt worden. Dazu Orchideen, Seerosen und mehr als 800 weitere Pflanzenarten, von denen nicht wenige einen festen Platz auf der Roten Liste haben.

Ausgangspunkt der fünftägigen Tour ist der Überlauf im Norden des Kummerower Sees, über die Seestraße in Verchen zu erreichen. Das Boot ins Wasser gesetzt und die Paddel ein paar Mal durchs Peene-Wasser gezogen, schon steht man vor einer Wahl: dem Hauptfluss folgen oder doch lieber in einen der vielen Altarme einbiegen? Sie markieren den ursprünglichen Verlauf der Peene, trennen sich bis hinauf nach Trittelwitz immer wieder vom hier begradigten Flussbett und münden, einen weiten Bogen schlagend, dort später wieder ein. Umwege, die sich lohnen, denn es warten brütende Schwäne und durchs Wasser watende Störche - Naturerlebnisse, die man vielfach ganz für sich allein hat.

Baumstümpfe mit typischen Nagespuren säumen die Ufer, nicht selten werden Kanus in den Abendstunden von deren Urhebern eskortiert: Bibern. Dann Abwechslung - die alte Hansestadt Demmin. Ihre backsteinernen Türme, der Hafen, die einst für den Handel so wichtigen Getreidespeicher, alles von Bord aus zu sehen. Weiter gen Liepen, auf dem Amazonas des Nordens, wie die Peene auch genannt wird. In diesem Flussabschnitt versteht man, warum: Erlenbruchwälder umrahmen den Fluss, deren Wurzeln - ähnlich den von Mangroven - markant verzweigt aus dem Wasser ragen. Auf der letzten Etappe folgt noch eine Wikingersiedlung, Menzlin, bevor die Fahrt an der Kanustation Anklam zu Ende ist. Es sei denn, Sie sind ein geübter Paddler. Dann kann es bis zu zwölf Kilometer weiter gehen. Landschaftlich etwas eintönig, aber mit ganz großem Finale: Usedom.

Infos: Kanutour auf der Peene

Route: von Aalbude am Kummerower See bis Anklam. Tourverlängerung über den Peenestrom bis zur Ostsee möglich
Schwierigkeitsgrad: einfach
Dauer: 5 Tage
Strecke: 80 km, Etappen von 10 bis 22 km
Schleusen: keine
Übernachtung: Ob einfach (Trittelwitz, Sophienhof) oder gut ausgestattet (Pensin, Alt Plestlin, Gützkow), die vielen Wasserwanderrastplätze an der Strecke warten stets mit Bade-, Grill- und Lagerfeuermöglichkeiten auf. Auch einige Gutshäuser liegen flussnah (Landhof Trittelwitz, Gutshaus Alt Plestlin, Gutshof Liepen). Individualpaddler sollten reservieren.
Veranstalter: Abenteuer Flusslandschaft, Tel. 03971/24 2839, www.abenteuer-flusslandschaft.de. Sieben Übernachtungen ab 319 €/Pers., inkl. Kanadier, Zeltausrüstung und Betreuer. Auch individueller Bootsverleih möglich: z. B. Zweierkanadier 125 €/Woche, Zweierkajak 150 €/Woche, inkl. Tourenberatung und Zubehör.

Sechs Tage mit dem Hausboot auf der Müritz

Frühstücken an Deck, umgeben von schnatternden Enten und rauschendem Schilf. Dabei die Wasserkarte studieren, eine Route und ein Tagesziel festlegen, um nach nur wenigen Flusskilometern den Plan wieder über Bord zu werfen. Denn linkerhand zweigt ein Kanal ab, verwunschen, mit tief hängenden Baumkronen und Wasser so klar, dass man Fischschwärme vor dem Bug auseinanderstieben sieht. Unmöglich, nicht einzubiegen! Später dann in einer Bucht ankern. Faulenzen, sonnen, die Angel auswerfen, zum Baden direkt vom Boot ins Wasser springen. Erst in der Dämmerung den nächstgelegenen Hafen ansteuern, während der selbst gefangene Fisch schon auf dem Herd brutzelt: Urlaub per Hausboot kommt einer kleinen, nach eigenen Regeln gestalteten Kreuzfahrt gleich. Die große Freiheit auf dem Wasser.

Das Angebot reicht vom kleinen, rund neun Meter langen Boot für zwei bis hin zur seegängigen Zwölf-Meter-Yacht. Eine komplett ausgestattete Pantry plus Badezimmer und Sonnendeck gehören dabei zum Standard fast jeder schwimmenden Ferienwohnung. Um Freizeitkapitän zu werden, ist keine seemännische Erfahrung nötig, denn Deutschlands wohl beliebtestes Hausbootrevier lässt sich bis zum Havelkanal ohne Führerschein befahren. Ein Charterschein ist alles, was man braucht.

Von Fürstenberg zum Fleesensee

Eine Tour, die sämtliche Vorzüge der Seenplatte vereint, führt von Fürstenberg/Havel bis an den Fleesensee. Inklusive Abstecher reihen sich hier bis zu 20 Seen aneinander. Dazwischen schmale Wasserwege wie die Steinhavel, die in weiten Bögen durch Schatten spendenden Buchenwald fließt. Aufregend, vor allem für Fahranfänger, ist das Passieren der vielen Schleusen. Denn: Breites Boot muss durch enge Schleusenkammer, ganz nach dem Kamel-durch-Nadelöhr-Prinzip. Schaltet die Ampel auf Grün, heißt es Konzentration. Gern hilft auch der Schleusenwärter beim langsamen Einfädeln.

Ein Muss auf dem Kleinen Pälitzsee: Backbord in Richtung Süden abzweigen. Hier trifft Natur nach wenigen Flusskilo¬metern auf Kultur. Denn am Ende der Sackgasse erhebt sich Rheinsberg am Ufer des Grienericksees, die ehemalige Hohenzollern-Residenz mit hell getünchtem Schloss, Park und Kurt-Tucholsky-Museum. Anleger gleich neben dem Schloss. Nach dem kulturellen lohnt ein kulinarischer Abstecher zu Fischer Gehrt in Flecken Zechlin, Schwarzer See, Tel. 033923/705 30. Ähnlich wie bei einem Drive-in kann man hier direkt vor dem Imbiss anlegen und frische Fischbrötchen, geräucherten Hecht, Zander oder Aal laden.

Die Müritz wirkt wie ein Meer

Wie Winzlinge wirken Labus-, Vilz- oder Zotzensee, verglichen mit dem, was Sie hinter Rechlin erwartet. Weit öffnet sich die Wasserfläche, Ufer rücken in die Ferne. Nicht umsonst heißt Müritz aus dem Slawischen übersetzt "kleines Meer". Großer Fahrspaß! Doch auch Vorsicht: Die Müritz ist nicht ohne. Manchmal liegt ihr Wasser flach wie ein gespanntes Tischtuch, ab 4 Beaufort Windstärke bauen sich jedoch kurze spitze Wellen auf, und das Boot gerät leicht ins Rollen. Vielerorts lauern Steinhaufen und Flachstellen - daher stets auf die Bojen achten, die die vorgeschriebene Fahrrinne markieren.

Die Gelegenheiten für Zwischenstopps bleiben zahlreich. Besonderer Tipp: der Anleger in Ludorf. Vom Müritz-Ufer führt eine 600 Meter lange Kastanienallee bis zum gleichnamigen Gutshaus und zum Restaurant Morizaner, Tel. 039931/84 00. Frisch gefangene Kleine Maränen und Müritz-Krebse von den Röbeler Fischern stehen hier auf der Karte. Die Spezialität von Küchenchef Thomas Köpke: Morizanerbraten, ein gefüllter Nackenbraten mecklenburgischer Art. Ausgedehnte Wasserflächen erstrecken sich auch jenseits der Müritz im Bereich der Oberseen. Auf dem Fleesensee schließlich das Steuerrad scharf links einschlagen. Land Fleesensee, und damit das Ziel der Reise, kommt in Sicht. Zum Abschied: ein Sonnenuntergangs-Barbecue auf der Terrasse des Iberotels, mit wehmütigem Blick hinüber zum Hafen.

Infos: Hausboot-Tour

Route: von Fürstenberg/Havel bis zum Fleesensee über Röblinsee - Ziernsee - Ellbogensee - Großer Pälitzsee - Kleiner Pälitzsee - Tietzowsee - Schlabornsee - Rheinsberger See - Grienericksee - Zootzensee - Großer Zechliner See - Schwarzer See - Canower See - Labussee - Vilzsee - Zotzensee - Kleine Müritz - Müritz - Kölpinsee
Dauer: 5 bis 6 Tage
Strecke: 135 km, Etappen von 22 bis 27 km
Schleusen: 7 - Steinhavel, Strasen, 2 x Wolfsbruch, Canow, Diemitz, Mirow; Schleusenzeiten in der Regel 8-20 Uhr
Marinas: alle 1 bis 15 km, Hafengebühr ca. 1,50 €/Bootsmeter
Charterfirmen: Cardinal Boating Holidays, Tel. 033093/602 58, www.cardinalboating.com. Z. B. Bootstyp "Europa 400" (13 m lang, für bis zu 4 Pers.) ab 1582 €/Woche zzgl. Nebenkosten wie Treibstoff. Locaboat Holidays, Fürstenberg, Tel. 033093/ 602 60 (9 m lang, für 2 Pers.) ab 784 €/Woche. Yachtcharter Schulz, Waren, Tel. 03991/12 14 15 (12 m lang) ab 2150 €/Woche.

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