Elbphilharmonie Ufo an der Elbe


Die Hamburger Hafencity ist Europas größtes Bauprojekt. Mit einer Philharmonie wollen zwei Architekten dem Ganzen eine Krone aufsetzen.

Kann man so was überhaupt bauen: ein Konzerthaus hoch oben auf einem riesigen Kakaospeicher? Ein gezacktes Ding, leuchtend wie ein Kristall, das auf einem Sockel aus gewöhnlichem Backstein mitten im Hamburger Hafen steht? Seltsame Idee. Grandiose Idee. Würde sie Wirklichkeit: eine Sensation. Die Philharmonie in der geplanten Hafencity könnte einmal das Wahrzeichen Hamburgs werden, ähnlich wie die Oper in Sydney: kühn, elegant und einzigartig auf der Welt. Wenn alles gut geht, wird das Wunderwerk im Jahr 2008 eröffnet. Davor allerdings sind einige Hindernisse zu überwinden. Denn noch ist es das Projekt einiger Idealisten.Entworfen wurde das Konzerthaus von den Baseler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron. Die beiden Superstars ihrer Branche räumen einen Großauftrag nach dem anderen ab: Tate Modern in London, Prada-Shop in Tokio, Bayern-Stadion in München, Olympiastadion in Peking. Ein Konzerthaus haben sie allerdings noch nie gebaut. Es wäre die Krönung ihrer Karriere - und die Krone für Hamburgs Hafen.

Schon seit Anfang der neunziger Jahre gibt es in der Hansestadt Pläne, gleich hinter der Speicherstadt ein 155 Hektar großes neues Areal entstehen zu lassen - mit Büros für 20 000 Menschen, mit 5500 Wohnungen, Yachthafen und Uferpromenaden zum Bummeln. Die Innenstadt würde damit in etwa 20 Jahren um 40 Prozent größer sein als jetzt. An dem hochattraktiven Projekt, das seit drei Jahren tatsächlich Gestalt annimmt, sind auch andere renommierte Architekten wie Hadi Teherani und David Chipperfield beteiligt.Grundidee der Architekten: Der Kaispeicher A, ein kühl-eleganter Backsteinbau aus den 60er Jahren, bildet den Sockel, auf dem die expressive Philharmonie mit ihren beiden Sälen sich zu voller Schönheit entfalten kann. Wenn Jacques Herzog davon erzählt, gerät er ins Schwärmen: Räume wie Tropfsteinhöhlen will er bauen, mächtige Kuppeln, ausladende Formen, die sich außen wie ein Hahnenkamm nach oben recken und im Inneren grandiose, zeltartige Räume bilden. Auf dem Dach des Speichers in 35 Meter Höhe soll eine Terrasse Aussicht auf die ganze Stadt bieten. Und im alten Speicher, den viele wegen seines Stützenwaldes für unbenutzbar hielten, gibt es Parkplatz für 500 Autos.Jacques Herzog: "Das ist ein geiles Projekt! Es sieht toll aus und hat enorme Verführungskraft. Jeder Blinde kann sehen, dass die Philharmonie viel interessanter ist als ein Bürohaus. Es ist eine einzigartige Chance an einem einzigartigen Ort."Bei aller Schwärmerei - Hamburg müsste eine dicke Kröte schlucken: Die Stadt müsste das Supergrundstück an der Westspitze der Hafencity gratis hergeben. Dafür bekäme sie dann aber auch die Philharmonie geschenkt, denn der Bau finanziert sich durch ein Hotel quasi selbst. Raffiniert ist es in das Konzerthaus integriert, ummantelt es und schützt vor Hafengeräuschen. In der Spitze des Baus entstehen zusätzlich noch 30 Luxuswohnungen.Der Hamburger Senat will im Juli entscheiden, ob das Großprojektm, das rund 200 Millionen Euro kosten soll, realisiert wird. Bis dahin gilt es, noch viele Probleme zu lösen. Jacques Herzog lässt sich davon nicht entmutigen: "Die Philharmonie ist eine Ikone. Ich vertraue jetzt einfach der Hamburger Stadtführung, dass sie das begreift."

Anja Lösel

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