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Rumänien: Auf Donauwellen schunkeln

Einst ließ Diktator Ceaucescu große Teile des Donau-Deltas trockenlegen. Er wurde rechtzeitig gestürzt, um hunderten Fisch-, Vogel- und Insektenarten das Überleben zu sichern: eine Arche Noah, die Naturfreaks anlockt.

Von Brigitte Zander

Dem Seemann Jurko fehlen links oben alle Backenzähne. Auch das untere Gebiss ist lückenhaft. Doch diese Schönheitsfehler im sonnengegerbten Gesicht hindern den kleinen Rumänen nicht, mit offenem Mund zu lachen. Gerade jetzt wieder über seine fünf zappeligen deutschen Bootsgäste, die mit ihren Kameras jedes Stückchen Natur einfangen. Links zwei Frösche auf üppigen Seerosenblättern. Rechts springende Fische. Und vorn vier Pelikane, die mühsam aus dem Wasser starten und mit schwerem Flügelschlag Höhe gewinnen.

Jurko findet die Touris, die wie Galeerensklaven auf den schmalen Bootsbänken vor seinem Außenborder hocken, wunderbar. Schließlich garantieren sie den Lebensunterhalt seiner Familie. In den vielen Sommermonaten, die er früher arbeitslos war, darf der Frachter-Matrose nun solche Kurzbesucher durchs Donaudelta schippern. "Viel gut Arbeit", sagt er dankbar.

Urwüchsige Flusslandschaft aus grauer Vorzeit

Seine Zukunft scheint auch langfristig gesichert. Denn mehr und mehr Touristenbusse tauchen an der verzweigten Wasserwildnis der Donaumündung auf. Vollgestopft mit Tagesgästen aus dem rummeligen Schwarzmeerbad Mamaia, wo Hüpfburgen, Pizzerias, Eisverkäufer, Strandbuggies, Casinos, Open-Air-Discos und flippige Boutiquen an der Promenade für Urlaubsspaß rund um die Uhr sorgen.

Von diesem grellen Ferien-Jahrmarkt liegt das Donaudelta zwar nur zwei Busstunden entfernt. Aber Lichtjahre, was den Geräuschpegel und die Erlebnispalette betrifft. Die urwüchsige Flusslandschaft erinnert an jene graue Vorzeit, als der biblische Schöpfer gerade mal Wasser, Luft und Erde getrennt hatte, und alles noch ungeordnet herumlag. Vom Himmel aus besehen ist das Donaudelta - mit 4500 qkm fast doppelt so groß wie das Saarland – ein grünes Dreieck, das sich ins Schwarze Meer ausbeult. Zwischen den drei strahlenförmig mäandernden Mündungsarmen glitzert ein dichtes Netz kleiner Kanäle, Seitenarme und Seen zwischen Wald- und Schilfinseln. Bis tief ins Frühjahr stehen Eiben und Weiden am Ufer meterhoch im Wasser. Sinkt der Pegel im Sommer, haben die Stämme kleine Wurzeln angesetzt, die aussehen wie Bärte.

Mit dem Frachtschiff ins Ökogebiet

Diesen Zauberwald ließ der Diktator Ceaucescu für weiteren Maisanbau systematisch trockenlegen. Er wurde rechtzeitig gestürzt, um hunderten von Fisch-, Vogel- und Insektenarten das Überleben zu sichern. Inzwischen haben geschätzte 10.000 Pelikane, 40.000 Kormorane, ungezählte Rohrweihen, Zwergtaucher, Seidenreiher, Seeadler, Löffler, und Graugänse wieder die Herrschaft über das einzigartige Feuchtgebiet übernommen, das längst in den Rang eines UNESCO-Weltkulturerbes und Biosphärenreservats erhoben wurde.

Diese grandiose Arche Noah lockt vor allem Naturfreaks: Angler, Kanuten, Birdwatcher und Reisepioniere, die die letzten Paradiese erkunden, bevor der Massentourismus darüber wegwalzt. Ein Schnupperausflug im Tagesbus bringt nur einen flüchtigen Eindruck.

Wer tiefer in das urwüchsiger Vögelparadiese eindringen will, besteigt in der Deltapforten-Stadt Tulcea eines der billigen Fähr- und Frachtschiffe, die vier Stunden bis acht Stunden lang Richtung Meer tuckern. Die Hauptroute auf dem "Bratul Sulina", dem ausgebauten und begradigten mittleren Arm, führt zum ehemaligen Freihafen Sulina, wo Fischfabriken und Wohnblocks dringend auf Sanierung warten. Das Milieu ist nur bedingt sehenswert. Ökotouristen steigen besser an einer der dörflichen Anlegestellen unterwegs aus und suchen nach einem Pensionswirt mit Motorboot, der sie privat herumkutschieren kann.

Im Open-Air-Speiseraum ist auch ein Esel zu Gast

Auch mit dem Auto lässt sich das Delta ein stück erkunden. Man fährt auf der einzigen Delta-Straße den südlichen Arm, den "Bratul Sfintu Gheorghe", entlang bis Murighiol. Dort, wo der holprige Asphalt endet, hat der rumänische Geschäftsmann Florea Sorin seine rustikale "Pensiunea Morena" in die wuchernde Einöde gebaut. Stilecht in Holz und Schilf. Trotzdem mit funktionierender Dusche, einem Flügel im Aufenthaltsraum, und einer Bibliothek voller Donaubücher. Im Garten grast der Esel Olguta, wenn er nicht neugierig im Open-Air-Speiseraum herumstapft.

Für die Entdeckung des Deltas ist Olguta nutzlos. Dafür bietet Florea Sorin sein Gästeboot mit 25 PS, den Steuermann Gregorio und einen ortskundigen Führer an. Als Neuling erkundet man das kärglich beschilderte sumpfige Seen-Schilf-Labyrinth, das je nach Wasserstand, Flut und Wind sein Aussehen ändert, besser nicht auf eigene Faust.

15.000 Menschen leben im Delta, kaum einer ist zu sehen

Unser Führer durch den einsamen Mündungsdschungel stellt sich als Ornithologe Dr. Botond Kiss vor. Ein grauhaariger rustikaler Wissenschaftler im grün-braun karierten Hemd, zerdrücktem grün-melierten Hut und grüner Safariehose. Kiss war jahrelang Mitarbeiter des "Danube Delta National Institutes" in Tulcea und besitzt alle Eigenschaften, die einen idealen Reiseleiter ausmachen: intime Ortskenntis, versteckten Humor, und - als langjähriger Bewohner von Siebenbürgen - auch deutsche Sprachkenntnisse. Es hilft ungemein, die Namen der entdeckten Blauracken, Pirole, Krauskopfpelikane, Würger, Bienenfresser, Buntspechte und Moorhühner nicht nur in Rumänisch oder Latein zu hören.

15 000 Menschen sollen im Delta leben. Doch unterwegs sichten wir nur vereinzelte Angler im Ufergestrüpp und Fischer in klobigen Holzbooten. Sie hausen wie Eremiten wochenlang fern von ihren Familien in primitiven Hütten inmitten der Fanggründe. Wie Nikulae: Ein massiger Mann mit grauen Locken, ausgebleichtem Blaumann und Plastiksandalen. Er residiert in einer alten Stein-Blech-Hütte auf einem Stückchen Eiland, das wegen seiner Form simpel "Quadrata" heißt.

An diesem Tag sitzen Nikulae und seine Helfer zufrieden vor der Hütte, beim Reparieren ihrer mächtigen meterlangen Räusen. Heute früh haben sie 160 Kilo gefangenen Fisch bei der Sammelstelle in Tulcea abgeliefert. Barsche, Hechte, Welse, Schleien. Die stattliche Ausbeute zweitägiger Arbeit.

Letea sieht aus wie ein Museumsdorf

Unser nächstes Ziel ist Letea, ein legendäres Gebiet mit wenigen Siedlungen am obere Donau-Arm Bratul Chilia, dem Grenzgewässer zur Ukraine. Schwimmende Inseln behindert die Zufahrt. Wo gestern noch eine Schneise zum Ufer führte, stehen heute Seerosen-Teppiche, Farngestrüpp und eine vier Meter hohe Schilfrohrwand. Auf der Suche nach einer Passage schiebt Grigorio unsere Bootspitze vorsichtig tuckernd ins Dickicht. Stakst mit dem Paddel im Schlamm herum. "Nitschewo". Sackgasse. Rückwärts raus. Schließlich springt er ins Wasser und schiebt das Boot Meter um Meter zum Ufer. Dort röhrt schon das bestellte Taxi, ein antiquarischer Traktor. Auf dem Ungetüm ein behäbiger Bauer in geflickter blauer Arbeitshose, der uns - hoch auf dem Heuwagen – über Lehmwege in den Ort kutschiert.

Letea wirkt auf den ersten Blick wie ein hölzernes Museumsdorf: mit reetgedeckten winzigen Häusern, alle bunt-gestrichen, bevorzugt in kornblumenblau. Ein paar folkloristisch-bäuerlich verkleidete Schauspieler stehen herum. So scheint’s. Die Fotoidylle täuscht. Die 350 Bewohner sind echt, und meistens schon alt, die Jungen längst weggezogen. Fischfang und Maisanbau versprechen keine satte Zukunft.

Vorbei an geflochtenen Bambuszäunen mit aufgespießten Tierkopfskletten, die die Ernte gegen Wildschweine und böse Geister schützen sollen, wandern wir zur berühmten Sehenswürdigkeit: einem knorrigen Eichenurwald mit 700jährigen Exemplaren. Eine Milliarde Moskitos bewacht das Naturwunder. Es ist trotzdem gefährdet. Denn die Ukraine baut einen Kanal, um Wasser aus dem gemeinsamen Donau-Arm abzuleiten. Folglich sinkt im Wald der Grundwasserspiegel.

Die einzige Attraktion sind seltene Adler

Auf dem Rückweg aus der Vergangenheit gleitet das Boot über einen weidengesäumten stillen See. Seidenreiher stehen getarnt mit langem Hals im Schilf. "Urlaub für die Seele", murmelt Kiss und beobachtet durch sein Fernglas ein rotes Kuckucksweibchen. Da klingelt sein Handy. In Milan 23 wurde einer der seltenen Seeadler gesichtet. Für Ornithologen eine faszinierende Nachricht.

Milan 23, ein zersiedeltes Fischannahmestelle am 23. Meilenstein der Donau, bietet außer seltenen Adlern keine Attraktionen. Es gibt den üblichen Krämerladen "Magazin Mix", zwei Bars, und viele neue graue kistenförmige Steinhäuser. Auch in den anderen Ufergemeinden wird in der gegenwärtigen Pionierphase kaum noch traditionell-stilvoll, sondern eher wild drauflos gebaut. Es zählt nicht die Schönheit, sondern das neue WC im Haus.

Unser "Ferienort" Murighiol besitzt wenigstens noch hübsche Vorgärten, ein Storchennest auf einem Strommast, und eine aufregende jahrtausend-alte Geschichte. Denn auf ihren Eroberungszügen am Schwarzen Meer siedelten schon die alten Römer, Griechen, Tartaren und Osmanen nahe Murighiol. Nun buddeln Archäologen nach ihren Überbleibseln. Sie haben bereits die achte Bauschicht des historischen römischen Forts Hamyris mit Basilika erreicht. Ein Gruppe Freiwilliger vom "Earth Watch Institut" aus Amerika putzt bei unserer Ankunft gerade die gefunden Scherben mit Zahnbürsten sauber.

Sortiert in Plastiktüten landen die Schätze später bei Dr. Victor Baumann, Direktor des Museums für Archäologie und Geschichte in Tulcea. Er besitzt schon 45.000 Fundstücke aus der Region in seinen Vitrinen; und langsam quält ihn die Sorge, dass sein neues Haus schon bald wieder zu klein ist "für die Erinnerungen unserer gewaltigen Vergangenheit."

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(