VG-Wort Pixel

Vulkanasche beeinträchtigt Luftverkehr Norddeutschen Flughäfen droht Schließung


Die Konzentration von Aschepartikeln im norddeutschen Luftraum nimmt deutlich zu. Am Mittwochmorgen kann die Aschewolke zur zeitweiligen Schließung der Airports in drei deutschen Städten führen.
Von Till Bartels

Grímsvötn gibt keine Ruhe: Gut ein Jahr nach dem großen Vulkanasche-Chaos werden in Deutschland voraussichtlich wieder tausende Fluggäste am Boden bleiben. Die Aschewolke des isländischen Vulkans Grímsvötn mache eine Luftraumsperrung über Norddeutschland am Mittwochmorgen sehr wahrscheinlich, sagte Markus Beyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Dienstag. Endgültig beschließen müsse das jedoch die Deutsche Flugsicherung. Sie wollte noch am Dienstag eine Entscheidung bekanntgeben.

Beyer sagte, es gebe Vorhersagen, dass gegen 8 Uhr am Mittwochmorgen der Wert der Aschekonzentration in der Luft über Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen sowie dem Norden Brandenburgs und Sachsen-Anhalts so hoch sei, dass ein Flugverbot nötig werde.

Bis zu 500 Flüge könnten am Dienstag ausfallen

Am Dienstagmittag lag eine dichte Aschewolke über Schottland, wie die Europakarte von flightradar24.com zeigt. In Edinbourgh saßen tausende Reisende fest. Etwa 250 Flüge mussten wegen der Aschewolke annulliert werden. Auch die Lufthansa hat wegen der Aschewolke zwei Schottland-Flüge gestrichen. "Wir rechnen allerdings nicht mit einer Verschärfung der Situation", sagte ein Pressesprecher am Vormittag. Im Gespräch mit stern.de bestätigte die Lufthansa, dass einige ihrer Maschinen auf der Nordatlantikstrecke heute auf einer südlicheren Route fliegen.

Über Twitter hat Brussel Airlines bereits Flugstornierungen wegen der Aschewolke für Dienstagabend und Mittwoch von Brüssel nach Hamburg und Kopenhagen bekannt gegeben. Insgesamt rechnet die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol mit rund 500 abgesagten Flügen am Dienstag - bei insgesamt 29.000 Flügen in Europa an einem normalen Werktag.

Die Erinnerungen werden wach

Der isländische Vulkan Grimsvötn war am Samstag ausgebrochen und hatte Befürchtungen vor einem Szenario wie vor gut einem Jahr beim Ausbruch des Eyjafjallajökull geweckt. Wegen seiner Aschewolke mussten damals fast einen Monat lang große Teile des europäischen Luftraums geschlossen werden, Millionen Reisende in aller Welt saßen fest.

Im Gegensatz zur Situation vor 14 Monaten bewegt sich die Aschewolke des Grimsvötn nicht in der Reiseflughöhe von Verkehrsflugzeugen zwischen 8000 und 13.000 Metern. Allerdings betreffen die Aschepartikel in den niedrigeren Luftschichten Starts und Landungen. Die Wetterverhältnisse in Island machen es im Moment schwer, die Größe und Höhe der Wolke genau einzuschätzen, so ein isländischer Meteorologe. Aber das Radar zeige deutlich, dass die Aschewolke nicht mehr so hoch wie kurz nach dem Ausbruch des Grímsvötn am Samstag sei. Experten gehen von einer Höhe von fünf bis sieben Kilometern aus.

Mehrere Fluggesellschaften beklagen, dass es nach wie vor keinen einheitlichen, absoluten Grenzwert gibt, bei dem alle Flugzeuge am Boden bleiben müssen. In Deutschland wurde von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ein Grenzwert festgelegt. Bei mehr als 2 Milligramm Aschebelastung pro Kubikmeter Luft darf nicht mehr geflogen werden - es sei denn, Triebwerk- und Flugzeughersteller geben dafür grünes Licht. "Wir brauchen nach wie vor internationale einheitliche und verbindliche Grenzwerte und ein europaweit harmonisiertes Krisenmanagement, für den Fall, dass ein Verkehrsträger erneut komplett ausfällt", forderte Ramsauer von Brüssel.

FC Barcelona ändert Reisepläne

Befürchtet wird auch, dass die Wolke nach Frankreich und Spanien weiterzieht. Der spanische Fußballmeister FC Barcelona will aus Furcht vor der Asche seine Anreise zum Finale der Champions League gegen Manchester United vorziehen. Die Katalanen wollen nach Medienberichten am Dienstagabend oder am Mittwoch noch London fliegen, wo sie am Samstag im Wembley-Stadion auf das Team von Alex Ferguson treffen.

Mit Sorge dürften wegen der möglichen Verbreitung der Asche auch die Staatenlenker dem G8-Gipfel am Donnerstag im französischen Deauville entgegen sehen. Prominentes Opfer des Ausbruchs war am Montagabend das Ehepaar Barack und Michelle Obama. Der US-Präsident und seine Frau mussten vorzeitig von Irland nach London abreisen, um der Wolke zu entgehen. Statt wie geplant in Dublin übernachtete das Paar in der US-Botschaft in London.

mit Agenturen

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker