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Sommerferien in Italien: Wie Südtirol um Urlauber aus Deutschland buhlt

Ab dem 3. Juni dürfen deutsche Touristen wieder nach Italien fahren. Durch die Autonomie hat sich Südtirol einen Alleingang bei der Lockerung erkämpft – unterstützt von der Bergsteigerlegende Reinhold Messner. Und Österreich erlaubt Reisenden in Kürze bald die Durchfahrt nach Süden.

Destination Berge: Die Seiser Alm in Südtriol wird durch eine jahrhunderte alte Bergbauernkultur geprägt

Destination Berge: Die Seiser Alm in Südtriol wird durch eine jahrhunderte alte Bergbauernkultur geprägt

Langsam werden in Europa die Grenzen wieder geöffnet. Die allgemeine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes wird vermutlich zum 14. Juni auslaufen. Schon ab dem 3. Juni soll die Einreise für EU-Bürger nach Italien wieder möglich sein - ohne danach in Quarantäne zu müssen.

Als erstes Land in Europa litt Italien unter einer raschen Ausbreitung des Coronavirus und ergriff restriktive Maßnahmen. Da sich auch Urlauber in Südtirol infiziert hatten, erklärte das Robert Koch-Institut Südtirol am 5. März zu Risikogebiet. Die Skisaison musste frühzeitig abgebrochen werden, noch bevor es zum Lockdown in weiteren Ländern kam.

"Wir waren zu Beginn der Krise die ersten im gesamten Alpenbogen, die entschieden haben, die Wintersaison zu beenden", sagt der Landeshauptmann Arno Kompatscher von der konservativen Südtiroler Volkspartei. Damit grenzt er sich vom Nachbarland Österreich ab, wo es Orte in Tirol gab, die noch lange mit Skitouristen Umsatz machten. Urlauber brachten von Ischgl das Coronavirus in ihre Heimatländern mit.

Schrittweise in Südtirol zur Normalität zurück

Bereits Anfang Mai sind die Südtiroler erneut vorgeprescht und wagten früher als andere Gebiete in Italien den Neustart: Seit dem 9. Mai gibt es wieder Wochenmärkte, zwei Tage später durften Restaurants, Cafés und Museen wieder aufsperren. Seit dem 25. Mai nahmen Seilbahnen und Hotels unter strengen "gesetzlich vorgeschriebener Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen" den Betrieb wieder auf.

Die offiziellen niedrigen Infektionszahlen sprechen für eine Lockerung, die zunächst den Unmut der Zentralregierung in Rom auf sich zog. Südtirol beruft sich als autonome Provinz Bozen auf seine Selbstverwaltungsrechte. Zunächst akzeptierte die Region hinter dem Brenner ein einheitlichen Vorgehen Italiens mit Dekreten des Ministerpräsidenten Giuseppe Conte gegen die Pandemie.

"Das ist einer Notsituation gerechtfertigt", sagt Kompatscher im Gespräch mit dem stern. "Doch ich habe dem Ministerpräsidenten deutlich gesagt, jetzt wollen wir die Dinge wieder selbst in die Hand nehmen." Das Parlament in Bozen hat daraufhin am 8. Mai das Landesgesetz zur Lockerung und Neustart für die Wirtschaft verabschiedet, um sich von Rest Italiens abzugrenzen und keine "stillschweigende Zustimmung zur Wegnahme unserer Autonomie zu geben." Jetzt habe Südtirol sogar ein Stück Autonomie dazugewonnen, lautet das Fazit des Landeshauptmannes.

Mit Mindestabstand und Maske

Von der Vorstellung eines unbeschwerten Bergsommers wie früher ist Südtirol nach wie vor weit entfernt. Auf den Gemeinschaftsflächen von Beherbergungsbetrieben bleibt die Anzahl der Personen, die sich gleichzeitig aufhalten dürfen, begrenzt. Es gilt einen Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten. Hallenbäder und Saunen bleiben geschlossen, mit Ausnahme von "Covid-Protected-Areas", wo Angestellte und Gäste auf Covid-19 getestet sein müssen.

Auch der bekannteste Südtiroler, der Bergsteiger und Ex-Europaabgeordneter Reinhold Messner rührt die Werbetrommel für seine Heimat. "Der Tourismus ist der Motor unserer Wirtschaft", sagt der 75-Jährige und preist im Webtalk die Vorzüge des Urlaubs in den Dolomiten an, wie Stille, Entschleunigung und lokale Küche.

Reinhold Messner bezeichnet die sechs Messner Mountain Museen in den Provinzen Südtirol und Belluno als seinen "15. Achttausender"

Reinhold Messner bezeichnet die sechs Messner Mountain Museen in den Provinzen Südtirol und Belluno als seinen "15. Achttausender"

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Messner spricht sich deutlich gegen Hotspots des Tourismus aus wie künstliche Aussichtsplattformen auf Berggipfeln. "Eine Bergdestination braucht keine Inszenierungen", es geht ihm um authentische Erlebnisse in der Natur. Nur ein Prozent der Fläche Südtirols sei unbebaut, meist nur in den Tälern. Er setzt auf "Millionen von Stammkunden", von den einen Bruchteil in diesem Sommer nach Südtirol kommen könnte, "das ist unser Kapital."

Der Weg über den Brenner

Doch wie sieht es mit der Anreise aus? Die Hälfte aller Übernachtungen in Südtirol gingen im vergangenen Jahr auf das Konto deutscher Urlauber. Das in den Alpen beliebte Urlaubsziel wird meist per Auto aus Süddeutschland erreicht.

Im Flugzeug und am Strand testet der Reporter, wie der Urlaub 2020 aussehen könnte.

Bis vor wenigen Tagen war es unklar, ob Österreich zukünftige Italienurlauber im Transit passieren lässt. Laut Kompatscher können Südtirol-Urlauber vorbehaltlich der Infektionsentwicklung ab Mitte Juni ohne Zwischenstopp mit dem Auto über Österreich einreisen, sofern die Ausreise in ihrem Herkunftsland sichergestellt ist.

Für die Durchfahrt in Österreich wird jedoch eine Hotelbestätigung aus Italien benötigt. Auch Tankstopps und kurze Pausen seien erlaubt, wie das österreichische Bundesministerium Inneres auf Anfrage Südtirols inzwischen bestätigt hat. Ein Kontakt hat dabei geholfen: Landeshauptmann Arno Kompatscher und der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz sind schließlich Partei- und Duzfreunde.

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