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Absturz vor Brasilien: Airbus prallte ungebremst aufs Wasser

Eines ist nun klar: Der über dem Atlantik abgestürzte Air-France-Airbus ist an einem Stück ins Wasser gestürzt. Laut dem neuen Untersuchungsbericht gibt es keinen Hinweis auf eine Explosion. Dass die Ermittler nicht recht vorankommen, liegt angeblich auch am Verhalten der brasilianischen Behörden.

Der vor einem Monat auf dem Nachtflug von Rio nach Paris abgestürzte Airbus ist nicht wie bisher vielfach angenommen in der Luft zerborsten, sondern intakt mit hoher Geschwindigkeit auf die Meeresoberfläche aufgeschlagen. Die Maschine sei weder explodiert noch in der Luft zerborsten, sagte Alain Bouillard vom französischen Amt für Unfallanalyse BEA am Donnerstag in Le Bourget bei Paris. "Wir haben weder Brand- noch Sprengstoffspuren gefunden."

Klar ist bisher: Die Piloten konnten keinen Funkkontakt mit den Bodenstationen aufnehmen. Und die Flugkontrolleure in Afrika waren über den Flug nicht korrekt informiert. Dadurch wurde das Langstreckenflugzeug erst spät vermisst. "Dakar hat keinen Flugplan erhalten, man hat sie in der Adressatenliste vergessen", sagte Bouillard und machte deutlich, dass das öfter vorkomme.

Brasilien wehrt sich gegen Ermittler-Kritik

Brasilien wies diese Kritik zurück. Die brasilianische Flugüberwachung habe sehr wohl den Flugplan des am Pfingstmontag auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris abgestürzten Airbus A330 an die Flugüberwachung in Dakar übermittelt, sagte der Sprecher des Luftfahrtamtes, Henry Munhoz. Außerdem sei den Kollegen in Dakar um 1.35 Uhr telefonisch mitgeteilt worden, dass der Flug AF 447 um 2:20 Uhr in den von Dakar aus kontrollierten Luftraum einfliegen werde, fügte Munhoz hinzu. Die Behörden in Dakar hätten den Erhalt dieser Informationen bestätigt.

Verformungen der gefundenen Wrackteile zeigen, dass die Maschine mit der Unterseite zuerst aufschlug, erklärten die französischen Experten. Ob die Passagiere da noch lebten, ist weiterhin unbekannt. Es wurden keine entfalteten Schwimmwesten gefunden. Die Menschen seien offensichtlich nicht vorbereitet gewesen, sagte der BEA-Direktor. Der Zustand der Leichen könnte mehr Rückschlüsse erlauben. Doch Brasilien habe die Ergebnisse der Autopsien noch nicht übermittelt, sagte Bouillard. "Wir warten noch", ergänzte er süffisant.

Der A330 der Air France war am 1. Juni mit 228 Insassen in den Atlantik gestürzt. Niemand überlebte das Unglück. Nur 51 Leichen und 640 Wrackteile konnten geborgen werden. Die Absturzursache bleibt weiterhin mysteriös. "Das Flugzeug ist ohne technische Probleme abgeflogen", sagte Bouillard. Das Wetter sei schwierig, aber für die Gegend nicht ungewöhnlich gewesen. Klarheit erhofft das BEA von den beiden Flugschreibern.

Noch bis zum 10. Juli will Frankreich nach den Geräten mit einem Atom-U-Boot und zwei US-Sonden suchen. Er gehe weiter davon aus, dass die Flugschreiber gefunden würden, sagte Bouillard. Von Mitte Juli bis zum 20. August werde der Meeresboden systematisch mit Robotern nach Trümmerteilen abgesucht. Auch dabei könnten die nicht mehr sendenden Flugschreiber noch gefunden werden; sie können zudem noch in einem Flugzeugteil stecken.

Keinen Grund sieht das BEA, wegen der nach dem Absturz in die Kritik geratenen Pitot-Sonden zur Geschwindigkeitsmessung eine Warnung oder Empfehlung zu geben. Der Ausfall verlässlicher Geschwindigkeitsdaten stehe am Anfang der automatisch vom Flugzeug gemeldeten Wartungsdaten, sagte er. "Das ist ein Element, aber das ist nicht der Grund" des Absturzes. Der Airbus ließe sich auch beim Ausfall aller drei Pitot-Sonden per Hand steuern. "Man hat noch keine direkte Verbindung zwischen der Unstimmigkeit der Geschwindigkeiten und den Pitot-Sonden hergestellt. Man weiß nicht, ob die Sonden nach einem Ausfall wieder funktionierten oder erneut ausgefallen sind."

Funkkontakt äußerst störanfällig

Handlungsbedarf sieht das BEA dagegen beim HF-Funkkontakt der Piloten mit den Bodenstationen. Diese Verbindung ist wegen Interferenzen sehr störanfällig. Die Unglücksmaschine konnte die Fluglotsen in Dakar und Brasilien ebenso wenig über Funk erreichen wie drei folgende Maschinen der Lufthansa, der Iberia und der Air France. Das sei so normal, dass sich keiner in Dakar oder Brasilien Sorgen gemacht habe, sagte Bouillard. "Wir versuchen zu verstehen, warum so viel Zeit zwischen dem letzten Funkkontakt und dem Beginn der Suche verstrich."

Der europäische Flugzeugbauer Airbus kündigte am Donnerstag an, neue Möglichkeiten der Überwachung von Verkehrsflugzeugen zu testen. In einer Studie soll es unter anderem um die direkte Übertragung von Flugdaten zum Boden gehen, wie das Unternehmen im französischen Toulouse mitteilte. Gegen eine permanente Überwachung von Flugzeugen gibt es vor allem Vorbehalte vonseiten der Piloten. Sie fürchten um ihre Privatsphäre, wenn alle Daten des Flugzeugs einschließlich der Gespräche im Cockpit in Echtzeit zum Boden übermittelt werden.

DPA / DPA

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