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Reiseziel Ägypten: Terrorgefahr im Urlaubsland? British Airways stoppt weiterhin alle Flüge nach Kairo

Zwar fliegt Lufthansa seit Sonntag wieder nach Kairo. British Airways hat aus Sicherheitsgründen die Flüge für eine Woche eingestellt. Inzwischen haben sich ägyptische Behörden zu dem Aussetzen der Verbindungen geäußert.

Im Dezember 2018 waren vier Menschen in einem Touristenbus in der Nähe der Pyramiden von Gizeh bei einem Bombenanschlag getötet

Im Dezember 2018 waren vier Menschen in einem Touristenbus in der Nähe der Pyramiden von Gizeh bei einem Bombenanschlag getötet

AFP

Zuerst hatte British Airways am Samstag gehandelt und sämtliche Flüge nach Kairo gestrichen. Anschließend zog die Lufthansa nach und sagte kurzfristig am selben Tag ihre Verbindungen von Frankfurt und München nach Kairo ab.

Als Grund wurden Sicherheitsbedenken von den Fluglinien angeführt, ohne nähere Einzelheiten zu nennen. "Wir überprüfen laufend die Sicherheitslage an allen Flughäfen weltweit", hieß es bei British Airways. Ob ein Hinweis von Geheimdiensten auf einen möglichen Terroranschlag vorlag, wurde nicht kommuniziert.

Die ägyptische Luftfahrtbehörde hat inzwischen die Entscheidung beider Airlines als politisch motiviert kritisiert. "Alle ägyptischen Flughäfen sind gut gesichert", sagte der Vorsitzende des Luftfahrtamts, Sami al-Hifnawi. Die Flugunterbrechungen hätten nichts mit der Luftfahrt zu tun, sondern hätten politische Hintergründe, sagte auch ein Ableger des saudischen TV-Senders MBC.

Weiterhin landesweiter Ausnahmezustand

In Ägypten ging diese Tage der Afrika-Cup 2019 zu Ende. Wegen des internationalen Fußballturniers gab es rund um die Spielstätten in Kairo, Alexandria, Ismāilia und Suez erhöhte Sicherheitsvorkehrungen, wie das Auswärtige Amt in Berlin bei den Reise- und Sicherheitshinweisen schreibt.

Außerdem gibt es seit langem eine Teilreisewarnung für das Land am Nil. "Es besteht landesweit weiterhin ein erhöhtes Risiko terroristischer Anschläge. Diese richten sich meist gegen ägyptische Sicherheitsbehörden, vereinzelt aber auch gegen ausländische Ziele und Staatsbürger", heißt es beim Auswärtigen Amt.

Insbesondere vor Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel einschließlich der Verbindungsstraße zwischen Taba und Suez und in das ägyptisch-israelische Grenzgebiet wird gewarnt. Von unbegleiteten Ausflügen von den Küstenorten Sharm el-Sheikh, Dahab, Nuweiba und Taba am Roten Meer zum Katharinen-Kloster und Fuße des Bergs Sinai wird ausdrücklich abgeraten. Erst am 17. Juli hatten Unbekannte laut der Presseagentur DPA sechs Zivilisten auf der Sinai-Halbinsel geköpft und drei weitere in der Wüste entführt.

Angriffe auch auf Touristen in Ägypten

Alle drei Monate verlängert die Regierung von Präsident As-Sisi den Ausnahmezustand, der mit erhöhten Eingriffsbefugnissen für die Sicherheitskräfte und das Militär einhergeht. Laut Amnesty International stieg die Zahl der verhängten Todesurteile im Jahr 2018 um mehr als 75 Prozent auf mindestens 717 im Vergleich zum Vorjahr. Viele davon gehen auf Massenverurteilungen nach unfairen Verfahren zurück.

Sichere und gefährliche Reiseländer

Seit mehreren Jahren ist es wiederholt nicht nur zu Anschlägen auf koptische Christen und ihre Kirchen mit vielen Opfern gekommen. Auch Touristen werden gezielt von Terroristen angegriffen. Erst im Mai war in ihrer Nähe der Pyramiden von Gizeh eine Bombe explodiert. Mindestens 17 Menschen wurden in einem Autobus verletzt. Im Dezember 2018 wurden vier Menschen südlich von Kairo bei einem Bombenanschlag getötet. Vor zwei Jahren wurden zwei deutsche Urlauberinnen am Strand ihres Hotels mit mehreren Messerstichen im Badeort Hurghada getötet. Angehörige berichteten, dass die Aufklärung äußerst schleppend verlief.

Das britische Außenministerium weist in seinen Reisewarnungen für Ägypten extra auf eine "erhöhte Terrorismusgefahr im Luftverkehr hin". 2016 war der Airbus einer russischen Airline auf dem Weg von Sharm el-Sheikh nach Sankt Petersburg über der Sinai-Halbinsel explodiert. 224 Menschen kamen ums Leben. Der Islamische Staat bekannte sich zu dem Bombenanschlag. Nach langem Zögern erkannte Ägypten das Unglück als einen Terrorakt an – wohl in Sorge um negative Folgen für die Tourismusindustrie im Land.

Quellen: Auswärtiges AmtForeign travel advice, Gesellschaft für bedrohte Völker

tib

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