HOME

Elterngeld: Sabbatical auf Staatskosten

Aussteigen mit der ganzen Familie, noch dazu auf Staatskosten und mit legalen Mitteln. Das Elterngeld ist die perfekte Grundlage, um die Welt zu sehen anstatt daheim Nestbau zu betreiben.

Von David Schumacher

Mike, unser Gastgeber, holt noch eine Runde Bier nach draußen. Marke "Karl Strauss", ein lokales Gebräu aus San Diego, von einem Deutschen erfunden. Wir starren ins Feuer, das im Chimenea lodert, einem Freiluftofen aus Terrakotta. Im Haus lungern unsere Kinder auf dem Teppich herum und schauen "Star Wars". Ich grüble, wie ich meine Tochter davon fortlocke, sie ist erst drei, zu jung für Sternenkriege. Unser Sohn, drei Monate alt, schlummert im Kinderwagen, meine Frau schaukelt ihn vor und zurück. Ich fühle mich so fern vom Job wie nie zuvor.

Mike kommt zurück aufs Thema. "Erklär mir mal das mit dem Elterngeld. Warum sollte eine Regierung, die halbwegs bei Sinnen ist, die Eltern noch dafür beschenken, dass sie Kinder kriegen und darum aus dem Job aussteigen?" - "Well", sage ich und sortiere meine Schlagwörter: Geburtenrate, Gebärstreik, Gleichberechtigung, demografische Entwicklung, Skandinavien und, äh, Wählerstimmen. Hillary, Mikes Frau, fällt mir in die Antwort: "Zeus ist weg!" Zeus heißt eine der drei Katzen - und nach Sonnenuntergang sollten die husch, husch im Haus sein, sonst holt sie der Kojote.

Alltag und Abenteuer in einem

Für zwei Wintermonate haben wir ein Holzhaus bezogen, im Viertel Normal Heights in San Diego, Südkalifornien. Es grenzt an einen innerstädtischen Canyon, und ob es wirklich Kojoten gibt, wissen wir nicht. Immerhin schleicht eines Nachts ein Opossum um unsere Veranda, es scheint blind und taub zu sein. Jedenfalls zeigt es sich von Armrudern und Schimpftiraden unbeeindruckt.

Alltag und Abenteuer, wie weit entfernt und miteinander unvereinbar scheinen uns die beiden! Weltreise und Familie, wie könnte das je zusammengehen? Ausstieg und Sicherheit, das schließt sich doch aus, oder? Das fragte ich mich auch, aber kurz vor der Geburt meines Sohnes 2007 hörte ich vom größten Freizeitprogramm, das Deutschland je gesehen hat. Es gilt seit zwei Jahren, alle politischen Parteien und gesellschaftlichen Gruppen bewerben es ausdrücklich - aber kaum einer nimmt es wahr. Nennen wir es Sabbatical auf Staatskosten.

Elternzeit + Jahresurlaub = 8-9 Monate

Eigentlich heißt das Angebot Elterngeldgesetz. Wenn Eltern nach der Geburt ihres Babys aus dem Job aussteigen, zahlt der Staat bis zu 14 Monate lang zwei Drittel des entgangenen Einkommens - bis zu 1800 Euro pro Kopf. Vater und Mutter können sich die Monate auch teilen und ihre Elternzeit parallel nehmen. So kommt man auf sieben Monate, und im Prinzip lässt sich an diese Zeit gleich noch der Jahresurlaub dranhängen, das macht dann über acht Monate. Das reicht für ein bis zwei Weltreisen.

Man kann als junge Eltern natürlich in der Elternzeit auch einfach daheim bleiben, das Wickelvolontariat zwischen Spielplatz und Straßencafé absolvieren, die Großeltern am Wochenende empfangen und dauernd höchst entspannte SMS an die Kollegen schreiben ("wie läufts gschäft? gruß v. spielpl. ;-)"). Das schien uns ein bisschen langweilig.

Pass für ein Baby

Wer die Elternzeit mit seiner Familie im Ausland verbringen will, gerät gleich nach der Geburt in einen Geschäftigkeitsstrudel: Flug buchen, Haus suchen und reservieren, Postlagerung klären, Zeitungsabo kündigen - und einen Pass für ein vier Wochen altes Baby beantragen.

Wir sind nicht die einzigen weit gereisten Elternauszeitnehmer. Eine andere Familie verbrachte drei Monate in Schanghai. Er ist IT-Manager und hat früher bereits dort gearbeitet, sie ist Zahnarzthelferin, die Kinder drei Jahre und ein Jahr. Sehr weitsichtig, Chinesisch lernt man heutzutage nicht früh genug. Eine weitere Familie zog für ein paar Monate bei der italienischen Sippschaft in Kalabrien ein. Die hätte man mit den kleinen Kindern sonst auf Jahre nicht besucht. Wieder eine andere Jungfamilie kaufte ein Mercedes-Wohnmobil und zog mit den beiden Kleinkindern zwei Monate über den Balkan.

"I want more"

Ausreden prägen ja die Jahre der Elternschaft - wir würden ja gern, aber die Kinder, die Schule, der Job! Bis vor zwei Jahren hat die Geburt eines Kindes noch Träume erschlagen. Jetzt, dank Elterngeld, öffnet sich erst der Vorhang der Möglichkeiten. Wir entschieden uns für San Diego, weil es im Januar das beste Klima bietet. Und ich könnte endlich mal surfen lernen.

Kinder sind brillante Anpasser. Unsere dreijährige Tochter isst bei den Nachbarn nebenan Burritos und Tacos zu Abend und schnappt nützliche Redewendungen auf ("I want more!"). Nach zwei Wochen erkennt sie Wahlkämpfer auf Titelblättern und in Radiosendungen: "Papa, hör mal, da spricht schon wieder Obama!" Wir melden sie beim örtlichen YMCA an, in der Turngruppe.

Lost in Translation

Die Trainerinnen machen Nonstop-Ansagen ("Fly like Superman! Good job!"). Unsere Tochter ist beim ersten Mal völlig überfordert, steht verängstigt in der Ecke. Kaum sind wir zu Hause, fragt sie nach der nächsten Stunde. In der folgenden Woche macht sie jede Übung mit und belehrt uns anschließend über die korrekte Körperhaltung beim Trampolinspringen ("Up! Down! Straddle!").

Die Mutter der Schanghai-Familie gesteht: "Ich fühlte mich wie Bill Murray in ,Lost in Translation‘." Ohne ihren Mann war sie orientierungslos, konnte kein Straßenschild, keine Zeitung, keinen Fahrplan lesen. Aber die Kinder spielten selbstverständlich mit den Nachbarskindern. "Die eine hat auf Chinesisch was gefragt, die andere auf Deutsch erzählt. Es war süß und faszinierend."

Das Leben in der Ferne schweißt unsere Kleinfamilie zusammen, stählt sie gewissermaßen für die harten Jahre, die folgen werden, voller elterlicher Überstunden, langer Kita-Tage und umständlicher Urlaubsplanung, die stets auch die Schulferien berücksichtigen muss.

Schulpflichtige Kinder sind kein Hindernis

Wenngleich schulpflichtige Kinder die Familienauszeit keinesfalls verhindern. Entgegen weitverbreiteter Annahme legt die Schule in der Regel keine Steine in den Weg. Annegret Witt-Barthel von der Hamburger Schulbehörde erklärt die Faustregel: Bleibt die Familie mehr als drei Monate weg, sollten die Kinder die Hälfte der Zeit beschult werden.

Die Eltern dürfen das auch selbst übernehmen. Witt-Barthel macht regelrecht Werbung: "Wir waren auch mal sechs Monate in Australien, da gingen unsere Kinder auf die deutsche Schule in Sydney. Die sind aufgeblüht! Als wir zurückkamen, waren sie den Mitschülern voraus - und konnten eins a Englisch."

Auf Mikes Veranda zähle ich also auf: Geburtenrate, Gebärstreik, Gleichberechtigung, demografische Entwicklung, Skandinavien und, äh, Wählerstimmen. Mike und Hillary, unsere Vermieter, sitzen auf der Veranda, hören geduldig zu und nicken. Und Mike sagt: "Na, ist ja auch egal. Toll, dass ihr hier seid. Ich geh uns mal ein Bier holen."

FTD

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(