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KHAO LAK: Hinterm Horizont geht's weiter

Keine 100 Kilometer nördlich der überlaufenen Strände von Phuket beginnt Khao Lak - Thailands neues Ferienparadies mit viel Platz.

Hübsch ist es, das Hotel Similana. Stelzenbungalows in der traditionellen Bauweise Südostasiens, verstreut in einer raschelnden Dschungellandschaft. Das Hauptgebäude am Hang, befächelt von der Meeresbrise, der Pool unter einem Blätterdach - richtig romantisch. Doch auch diese Rose hat einen Dorn. Der heißt Mister Ay und singt. Abends von neun bis elf, auf der Terrasse der Freiluftbar. Jeden Abend, wie sich herausstellen wird.

Hören wir lokale Folklore? Die süßen, sanften Weisen Thailands? Denkste. Mister Ay hat sich ausgerechnet auf Country-Songs kapriziert. Wenn er vor einem Paar Bullenhörner »The Green Green Grass Of Home« oder »Take Me Home Country Roads« anstimmt, klingt das ungefähr so stilecht, als würde sich eine Langnase an altsiamesischen Tempelgesängen versuchen. Wir flüchten. »West Virginia, Mountain Momma...« hallt es hinter uns her. Erbarmen. Jedes bessere Hotel in Thailand besitzt so eine Nervensäge.

Das Ganze hat auch sein Gutes. So lernen wir schon am ersten Abend das fabelhafte Strandlokal Oawthong unweit des Similana kennen. Eine Großfamilie schnetzelt und brutzelt und köchelt, was der Wok hergibt. Eine der Töchter kann etwas Englisch, sie nimmt die Bestellungen auf. Mutti kocht. Die Kinder bringen Getränke. Vati köpft mit der Machete Kokosnüsse, immer haarscharf an den Fingern vorbei, und widmet sich ansonsten dem Reiswhisky Maekong.

Tipps für Khao Lak

Jedes Touri-Hotel in Thailand hat zum Glück auch solch eine gastronomische Zecke im Pelz, die von den Gästen ihrer Wirts-Herberge lebt. Was auf ihre Tische kommt, schmeckt authentischer als das auf europäische Weichei-Gaumen getrimmte Essen aus der Hotelküche. Billiger ist es auch. Flai slim wie keschunaa, wie der Thai zu sagen pflegt (frei phonetisch für: fried shrimps with cashewnuts) - welch ein Genuss! Kokosnusssuppe extrascharf mit Hühnchen und Ingwer - zum Reinlegen. Gegrillte tai plaa (Tiger prawns) mit süßer und scharfer Sauce - zum Fingerlecken gut! Dazu kühles Singha-Bier, und die nackten Füße im warmen Sand - Strandferien wie aus dem TUI-Spot. »So, what's so great about Thailand?«, fragte jüngst die Londoner »Sunday Times« über eine ganze Doppelseite. Rein rhetorisch, natürlich. Großartig an Thailand sind bekanntlich die vielen, wunderbaren Kleinigkeiten.

SIMILANA UND OAWTHONG

teilen sich den kilometerlangen Pakwib-Strand mit ein paar Fischern. Weit und breit weder ambulante Höker noch Massagefrauen noch Jet-Ski-Verleiher. Pakwib-Beach liegt an der nördlichen Peripherie von Khao Lak, Thailands neuer Bademeile am Indischen Ozean. Ihr Südstreifen - Sunset Beach und Nang Thong Beach - ist bereits pauschaltouristisch erschlossen. Alle Basis-Fazilitäten vorhanden, von »Bild« bis Bierstube. Dennoch geht es sehr beschaulich zu, verglichen mit dem Rummelplatz Phuket. Gegen 23 Uhr machen die meisten Lokale Feierabend. Sex-Touristen und Ballermänner sind hier an der falschen Adresse. Noch.

Ein paar Kilometer nördlich liegt der lange Bang Niang Beach. Den haben die Individualreisenden okkupiert. Unterkünfte in allen Preislagen, von der postalternativen Strohhütte mit Plumpsklo und Stechmückenanschluss bis zum klimatisierten Bungalow mit Minibar und Meeresblick. Weiter im Norden kommt nur noch Strand, Strand, Strand. Rund 25 Kilometer zieht er sich bis zum Distrikthauptstädtchen Takua Pa. Hier und da haben sich einfache Bungalowdörfer eingenistet. Auch drei Resort-Hotels sind entstanden, Brückenköpfe der künftigen Urbanisationen.

Die sind unvermeidlich. Die Region ist eine touristische Goldmine. Vis à vis der Küste die rund gewaschenen Felsformationen des Similan-Archipels, Traumziel vieler Taucher. Nur eine Autostunde fährt man zur fantastischen Bucht von Phang Nga. Hunderte von Inseln, wie Pilze aus dem Wasser ragend, formen eine der beeindruckendsten Landschaften Südostasiens. Und dann der Dschungel mit seinen Wasserfällen und lianenüberdachten Wanderwegen. In Khao Lak liegt er vor der Hoteltür.

Am schnellsten kommt man mit dem Flugzeug hin. Zielflughafen ist Phuket, 72 Kilometer südlich. Von dort fahren Taxis und Minibusse nach Khao Lak. Gemächlicher - dafür interessanter - ist die Landroute. Man nehme in Bangkok den Bummelzug, der für die 600 Kilometer südwärts bis Chumphon einen vollen Tag braucht. Sightseeing satt.

Die luftige, peinlich saubere Klapperbahn passiert die landwirtschaftlichen Trägerzonen des Landes. Nicht enden wollende Reisfelder, Ananasplantagen, Koskospalmenhaine, Gummibaumwälder. Der Aufschwung, den das Seebad Hua Hin am Golf von Thailand genommen hat, ist vom Zugfenster aus ersichtlich - sein Bahnhof wirkt, als sei gerade das Königspaar zu Besuch gewesen. Auch die Krise des Landes zieht am Fenster vorbei: Bauruinen, halbfertige Brücken, gammelnde Fabrikhallen.

Freilich, das Völkchen der Verkäufer, das bei jedem Halt die Abteile stürmt, saftige Früchte und leckere Nudelgerichte im Bauchladen, es kümmert sich einen feuchten Reishalm um Krise oder Aufschwung. Ein Bath ist ein Bath, und solange der Mensch Hunger hat, wird er fürs Essen Geld ausgeben. Die Hälfte der Thais scheint permanent damit beschäftigt zu sein, die andere Hälfte zu bekochen. Eine solche Ökonomie kann nicht ganz falsch sein.

In Chumphon steigen viele Rucksackträger aus und übernachten in den kleinen Gästehäusern der Stadt. Von hier geht morgens die Fähre zur GolfInsel Koh Tao. Nach Khao Lak fährt ein Linienbus, entlang grandioser Bergkulissen an der Grenze zu Birma. In Ranong erreicht die Straße das Meer. Die gesamte Küste von hier bis Khao Lak, so schätzen Reiseexperten, werde zum touristischen Großraum. In zehn oder 15 Jahren dürfte Ranongs Airport-Code UNN in die Flugpläne der internationalen Chartergesellschaften eingegangen sein. Vielleicht noch schneller, nimmt man Khao Lak zum Maßstab.

Bis etwa 1992 war das Gebiet am Khao-Lak-Lamru-Nationalpark ein Geheimtip. Phuket-müde Kneipiers und eine Hand voll Tauchfreaks hatten den Platz entdeckt. Jahrelang tat sich nicht viel. »Im Grunde war das die beste Zeit«, sagt der deutsche Besitzer des Restaurants an der Hauptstraße, das auf den Namen seiner thailändischen Frau läuft. Ein paar Gäste, die sich mit Linienbussen durchschlagen mussten, sorgten für Abwechslung und Arbeit. Aber auch nicht für zu viel Arbeit.

Der Boom begann erst um 1996. Ein Neckermann-Scout in Phuket kriegte Wind von der neuen Destination. Bald wurden die ersten Pauschaltouristen herangekarrt. Inzwischen finden sich viele Hotels von Süd-Khao-Lak in den internationalen Reisekatalogen, um das Zentrum herum wird heftig gebaut. Lokale Familiendynastien, die mit den Gummiplantagen und Zinnminen der Region reich geworden sind, investieren in Hotelanlagen. Die Bodenpreise sind explodiert. Vergangene Saison, so erinnern sich alle Khao-Lak-Residenten, brummte der Ort wie noch nie. Das freut und nervt sie zugleich. »Irgendwie hatte ich mir mein Leben hier gemütlicher vorgestellt«, sagt Michael Herz, Besitzer einer florierenden Tauchschule.

Der Tourist indes fühlt sich in Khao Lak wie auf dem Dorf. Gipfel des Highlife ist die kleine Disco an der Hauptstraße. Das Bangsak Beach Resort, am gleichnamigen Strand im Norden gelegen, ist der robinsoneske Gegenpol. Dazwischen die Beach-Hangouts mit der Thailand-typischen Besetzung. Junge Pärchen, als Duo oder Trio reisende Frauen. Und esoterisch angehauchte Singles, die bei Sonnenuntergang im Schneidersitz hocken und total entspannt dreinschauen.

EINER DER BESTEN PLÄTZE

ist die Terrasse von Mai's Quiet Zone, einem skurrilen Gesamtkunstwerk aus Treibholz, Bäumen und Schlingpflanzen. Ein amerikanischer Bill-Ramsey-Typ und seine thailändische Frau führen das Hüttendorf am Bang Niang Beach mit fernöstlicher Gelassenheit. Auch die hektische Alleinerziehende, die spätabends noch ein Quartier für sich und ihre kleinen Quengler sucht, findet hier geduldige Aufnahme.

Wenn nachts der Strom ausfällt und das Wetterleuchten die Terrasse in grelles Blitzlicht taucht, sieht sie wie eine Filmkulisse aus. Und man fragt sich, wo man so was schon mal gesehen hat. Richtig! So sah es auf Koh Samui am Chaweng Beach aus, in den legendären, verkifften Siebzigern. Wenn ein Film über diese Zeit gedreht würde, hier wäre der ideale Ort. Man muss sich aber beeilen. Samui blieb auch nicht lange, wie es war.

Von WOLFGANG RÖHL und CORNELIUS MEFFERT (Fotos)

TIPPS FÜR KHAO LAKREISEZEIT

: November bis April.

Pauschalveranstalter: Neckermann (hat auch das Bangsak Beach Resort im Programm), Meier's Weltreisen (bietet u. a. Nur-Hotel-Buchungen für das Similana).

SPEZIALIST FÜR THAILAND-FLÜGE

:

Reisebüro Edel Nachf., Dammtorstr. 31 in 20354 Hamburg, Tel. 040/35 15 16, Fax 35 38 50,

E-Mail info@edeltravel.de.

TAUCHEN

: Die Veranstalter sind bestenfalls mittelmäßig, manchmal unzuverlässig, oft überteuert (besonders »e-dive«). Preise vergleichen!

ESSEN

: Zum Sonnenuntergang ins Khao Lak View Restaurant auf dem Hügel vor dem Ortsanfang. Potthässliches Haus, aber umwerfender Blick über die Strände.

AUSFLÜGE

: Auf einem Elefanten durch den Urwald reiten. Sieht doof aus, macht aber Riesenspaß und nützt den Dickhäutern: Die können in Thailand nur überleben, wenn sie Arbeit haben. Bootstouren durch die Bucht von Phang Nga kann man zum Beispiel am Pier Phang Nga Bay aushandeln. Nachmittags, wenn die Touristenbusse fort sind, fallen die Preise. Mopeds sind überall billig zu mieten. Vorsicht: Keines ist versichert. Bei einem Unfall kriegt immer der Ausländer die Schuld. Wer sein Moped zu Schrott fährt, muss dem Vermieter den Neupreis bezahlen, auch für die ältesten Vehikel. Gute Karte der Strände mit Umgebung: im Supermarkt an der Hauptstraße.

INFOS

über Anreiserouten, Unterkünfte, Ausflüge, aktuelles Wetter, Preise etc. (mit Karten): http:/www.khaolak.de/ und http://www.khaolak-tour.de/

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