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Höchster Berg der Welt Aufwendige Neuvermessung: Der Mount Everest ist jetzt offiziell noch höher

Der Mount Everest im Himalaya-Gebirge
Der Mount Everest im Himalaya-Gebirge: Der höchste Berg der Erde ist jetzt offiziell 8848,86 Meter hoch.
© Jewel Samad / AFP
Mehr als zwei Jahre lang haben Dutzende Menschen die Höhe des Mount Everest neu gemessen und berechnet. Ein Vermesser verlor dabei gar einen Zeh. Nun steht das Resultat fest. Fragen bleiben dennoch.

Der höchste Berg der Welt ist noch ein bisschen höher geworden. Nach jahrzehntelanger Debatte einigten sich Nepal und China, auf deren Grenze der Mount Everest steht, nach gemeinsamen Messungen und Berechnungen auf 8848,86 Meter als genaue Höhe des Berges, wie sie am Dienstag auf einer gemeinsamen Videokonferenz im Kathmandu bekanntgaben. Damit gewinnt der Mount Everest gegenüber seiner bisher anerkannten Höhe 86 Zentimeter hinzu; im Vergleich zu den bisherigen chinesischen Messungen sind es sogar vier Meter mehr.

Offiziell war der Mount Everest gemäß einer indischen Messung aus dem Jahr 1954 exakt 8848 Meter hoch. Danach vermaßen zahlreiche weitere Teams den Berg und kamen jeweils auf andere Ergebnisse. China maß sogar nur bis zur Felsbasis des Gipfels und nicht – wie jetzt – bis zu seiner Schnee- und Eisdecke.

Gemeinschaftsprojekt im Zeichen "ewiger Freundschaft"

Der neue offizielle Höhenwert könnte sich nicht nur wegen genauerer Messmethoden geändert haben, sagt Christian Gerlach von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der zu Erdmessung und Glaziologie forscht. Die Höhe könnte sich auch tatsächlich geändert haben – etwa wegen eines Verschiebens tektonischer Platten, des starken Erdbebens von 2015, das im Himalaya-Gebirge generell zu Höhenveränderungen von Bergen geführt habe, sowie wegen des Abschmelzens der Schneedecke oben auf dem Gipfel infolge des Klimawandels. Was tatsächlich für die Veränderung der offiziellen Höhe ausschlaggebend war, könne man aber nur bestimmen, wenn man die Qualität aller verwendeten Daten und Modelle kenne.

Nepal, eines der nach den Vereinten Nationen am wenigsten entwickelten Länder der Welt, wollte zunächst alleine messen. Aber nach einem Besuch von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping 2019 wurde es ein Gemeinschaftsprojekt im Zeichen "ewiger Freundschaft", wie es in einer gemeinsamen Erklärung hieß. China betonte darin auch Infrastrukturhilfe an die Regierung in Kathmandu und diese wiederum ihre Anerkennung Taiwans und Tibets als Teile Chinas.

Bergsteiger in dicken Jacken stehen im Basiscamp am Mount Everest zwischen lauter verlassenen Zelten.Im Hintergrund liegt Schnee

Nepal begann 2018 mit dem Projekt. Auf nepalesischer Seite waren seither mehr als hundert Menschen involviert und es kostete das Land 140 Millionen Rupien, umgerechnet rund 976.000 Euro. Die Messinstrumente habe das Land von der Nichtregierungsorganisation National Geographic Society geliehen.

Mount Everest nur mit Bezug auf Meeresspiegel am höchsten

Um die Höhe zu bestimmen, bestiegen Teams der beiden Länder den Berg, der in Nepal auch Sagarmatha ("Spitze des Himmels") und in Tibet Qomolangma ("Heilige Mutter") heißt. Oben maßen die Teams mit Winkelmessgeräten anhand von bereits bekannten Punkten im Tal und Geräten, die GPS-Signale empfangen. Das nepalesische Team war 2019 dort, als es einen Stau von Abenteurern in der sogenannten Todeszone gab. Ein Vermesser verlor anschließend angesichts extremer Kälte gar einen Zeh. Das chinesische Team war in diesem Jahr dort – Medienberichten zufolge coronabedingt als einziges Team überhaupt.

Um auf den neuen offiziellen Wert zu kommen, gab es auch Messungen der Schwerkraft in der Umgebung des Everests und Berechnungen anhand von einem Computermodell. Denn die Satellitenmessung erfasst nicht direkt die Höhe über dem Meeresspiegel. 

Die Definition der Meereshöhe ist übrigens nicht auf der ganzen Welt einheitlich. Länder wählen verschiedene Gezeitenpegel, um den Höhennullpunkt festzulegen – und so können sich Bezugsgrößen nach Angaben des deutschen Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie im Extremfall um bis zu zwei Meter unterscheiden. Zudem verändert sich auch der Meeresspiegel – er steigt wegen des Klimawandels an. Wissenschaftler arbeiteten zurzeit an einer Neudefinition eines globalen Höhensystems, sagt Gerlach von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Würde man nicht die Meereshöhe als Referenzgröße für Berge nehmen, wäre der Mount Everest nicht der höchste der Welt. Misst man vom Zentrum der Erde aus, ist der Berg Chimborazo in Ecuador mehr als 2000 Meter höher als der Everest, wie es von der US-Wissenschaftsbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration heißt. Denn die Erde ist keine perfekte Kugel und am Äquator wegen der Zentrifugalkraft durch die Erdrotation dicker. Und würde man von der Basis der Berge messen, wäre Mauna Kea in den USA der höchste. Der Vulkan auf Hawaii ist aber mehrheitlich unter Wasser.

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mad / Anne-Sophie Galli, Roshan Sedhai, DPA / AFP

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