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Ökohotels: Grüne Dekadenz

Schöner Wohnen im Grünen hat für Kaliforniens Tourismusindustrie eine neue Bedeutung angenommen. Im Zuge der Schwarzenegger'schen Umweltbewegung trachten immer mehr Hoteliers im Golden State auf umweltbewusste Besucher und locken mit Öko-Whirpools und tierischen Mitbewohnern.

Von Helmut Werb, San Francisco

Dass den Kaliforniern ihre Umwelt am Herzen liegt, weiß man nicht erst seit Arnold Schwarzeneggers Öko-Alleingang gegen Parteikollegen Bush in Sachen Schadstoffausstoß. Nun besinnt sich auch die kalifornische Tourismusindustrie - im Zeichen der Dollarschwäche einige der wenigen Boom-Branchen in den USA - auf den Öko-Trend. Immerhin steigen Euro-gestärkte Touristen aus der Alten Welt gern grün ab. Im vorigen Jahr öffnete das Orchard Garden Hotel in San Francisco als erstes Hotel Kaliforniens mit einem LEED-Zertifikat ("Leadership in Energy and Environmental Design") die lindgrünen Pforten. Das Sheraton in San Diego erzeugt nahezu sechzig Prozent seines Energiebedarfs aus Brennstoffzellen, das Dach des Cedar House Sport Hotel in Truckee, einem hübschen Bergdorf bei Lake Tahoe, ist mit lokalen Gras- und Buschsorten bepflanzt, und die "Green Hotels Association" veröffentlicht alle zwei Wochen einen äußerst populären Newsletter, in dem die Mitglieder Tipps bekommen, wie ihr Haus umweltfreundlicher geführt werden kann - und wie man das neugefundene Bewusstsein am besten vermarktet.

"Wir waren doch etwas nervös am Anfang, ob unser Umwelt-Programm bei den Gästen ankommt", sagt Deirdre Wallace, Inhaberin des Ambrose, einem zauberhaften Boutique-Hotel in Santa Monica. "Die Buchungszahlen sehen aber sehr erfreulich aus." Das Ambrose, mit 77 Zimmern ein immer noch übersichtliches Haus, kompostiert seinen Abfall, die gesamte Beleuchtung ist mit Energiespar-Glühbirnen bestückt, der Strom kommt teilweise aus Windkraftwerken, und die Gäste können sich, wenn sie nicht mit den hauseigenen Fahrrädern Santa Monica erkunden wollen, mit dem Ambrose-Biodiesel Taxi herumkutschieren lassen.

Neues aus "Old Europe"

Überzeugungsarbeit hingegen musste Stefan Mühle leisten, der General Manager des Orchard Garden Hotels in San Francisco. "Lange Zeit assoziierte man Umweltbewusstsein mit Verzicht, speziell im Touristikbereich", sagt der deutsche Manager der SF-Luxusherberge. "Wir wollten das mit dem Orchard Garden ändern." Auch das scheint geklappt zu haben, allein die Publicity, die das Orchard Garden für seine LEED-Zertifikation einheimste, dürfte den Aufwand der Vergrünung leicht wieder reingeholt haben. Denn was für europäische Hotelgäste schon fast zum Energiestandard gehört - mit dem Zimmerschlüssel die Stromversorgung und die Klimaanlage des Zimmers zu unterbrechen - zählt in San Francisco immer noch als berichtenswerter Vorfall. Immerhin sind die Teppichböden des Orchard Garden aus Recycling-Materialien, die Reinigungsmittel basieren auf Fruchtextrakten und die thermische Isolierung des gesamten Hauses ist mustergültig - für die bis dato Energie-verwöhnten Amerikaner ein brandneues und faszinierendes Konzept. Allein diese Maßnahme ermöglicht dem Hotel eine Energieeinsparung von zwanzig Prozent.

Das futuristische Gaia Napa Valley Hotel & Spa im önologischen Disney-Land der Napa-Weingegend nördlich von San Francisco, geht noch einen Schritt weiter: Solarzellen auf den Dächern, umweltverträgliche Baumaterialien, recycelte Teppiche, Fliesen und Steine und eine für alle Hotelgäste einsehbare Messstation für den aktuellen Energie- und Wasserverbrauch des Hauses. Nicht ganz so radikal geht es im luxuriösen Fairmont Sonoma Mission Inn in der benachbarten Weingegend des Sonoma Tals zu - alle 4400 Glühbirnen wurden mit Energiesparlampen ersetzt, und das Fairmont promotet sogenannte "Eco Meets", umweltbewusste Business-Konferenzen, was immer man darunter auch verstehen mag. Immerhin werden Gästen, die in Hybrid-Fahrzeugen anreisen, die immensen täglichen Parkgebühren erlassen.

Das Post Ranch Inn, eines der schönsten Hotels der Welt an der atemberaubenden Steilküste des Big Surs, wurde schon vor Jahren unter umweltschonenden Kriterien erbaut, enorme Landschaftsschutzauflagen der kalifornischen Behörden erlaubten zum Beispiel neue Bauten nur, wenn der Waldboden unberührt bliebe. Was Michael Freed, den Besitzer des Resorts, dazu veranlasste, sämtliche Bungalows auf Stelzen zu bauen, um das Wurzelwerk der herrlichen Redwood-Bäume nicht zu zerstören.

Eines der schönsten - und radikalsten - Beispiele für grünen Hotelbetrieb findet man in Truckee, einem verschlafenen Bergdorf nordwestlich von Lake Tahoe, einem der malerischsten Skigebiete Kaliforniens. Die Besitzer des Cedar House Sport Hotels besuchen einmal im Jahr die Wintersport-Destinationen in den Alpen -bevorzugt in Deutschland -, wo sie sich "…inspirieren ließen, wie man ein Hotel umweltbewusst führen kann", sagt Patty Baird, Besitzerin und Managerin des Cedar House. Das begrünte Dach des aus schnell wachsenden Zedernholz und warm gegossenen Beton gebauten Hauses ist Heim für Vögel und Insekten, ein hydroponisches Warmwasser- und Heizsystem versorgt die einundvierzig luxuriösen Zimmer, Solarzellen sorgen für genügend Strom. Selbst im Outdoor HotTub kann man guten Gewissens die Sonne untergehen sehen - das Wasser für den Whirlpool kommt aus demselben System wie das Warmwasser der Zimmer. So macht Dekadenz erst richtig Spaß.

Hoteladressen:
Ambrose Hotel, Santa Monica
1255 20th Street
Tel (001) (310) 315 1555
www.ambrosehotel.com
Zimmerpreis ab US $229
The Orchard Garden Hotel, San Francisco
466 Bush St.
Tel (1)(415) 399 9807
www.theorchardgardenhotel.com
Zimmerpreis ab US $209
Gaia Napa Valley hotel & Spa, Napa Valley
3600 Broadway St., American Canyon
Tel (1) www.gaianapavalleyhotel.com
Zimmerpreis ab US $119
Fairmont Sonoma Mission Inn & Spa, Sonoma
100 Boyes Blvd
Tel (1)(707) 938 9000
www.fairmont.com/sonoma
Zimmerpreis ab US $239
Post Ranch Inn
Highway 1, Big Sur, Ca.
Tel (1)(831) 667 2200
www.postranchinn.com
Zimmerpreis ab US $550
Cedar House Sport Hotel, Truckee
10918 Brockway Rd.
Tel (1)(866)582 5655
www.cedarhousesporthotel.com

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.