Philippinen Die Perlen Südostasiens


Quirlige Städte, abgeschiedene Strände und blühende Wunder, von Natur und Menschenhand geschaffen: Die Philippinen vereinen die Vorzüge Südostasiens auf über 7000 Inseln.
Von Andreas Srenk

Thailand weckte meine Leidenschaft für Südostasien, in Java und Bali wurde eine ernste Affäre daraus, in Vietnam ein festes Verhältnis. Aber noch fehlte etwas zur Vollendung: jener kleine, feine Unter- schied, der die große Liebe ausmacht. Daran musste ich denken, als ich eines Abends im vietnamesischen Hoi An, einem Bilderbuch-Ort des Weltkulturerbes, aufs offene Meer hinausschaute. Da, hinter dem blutorangegefärbten Horizont, lagen 7107 philippinische Inseln. Einige meiner Freunde hatte ich schon an den magischen Archipel verloren, der nach Spaniens mächtigem König Philipp II. benannt ist. Sie waren ausgewandert, um sich dort ein neues Leben aufzubauen und nie nach Deutschland zurückgekehrt.

Das macht neugierig. Ich wage den Schritt in ein unbekanntes Land mitten im Frühling. Der subtropische Moloch Manila empfängt mich mit Hitze, Lärm und Hektik. In all dem Gewusel finden die Menschen noch die Zeit, einen anzulächeln und "Mabuhay" zu rufen. Das ist mehr als ein förmliches "Willkommen". Es bedeutet "Schön, dass Du da bist."

In diesem Inselreich werden Hunderte von Sprachen und Dialekten gesprochen. Über das vermeintlich babylonische Sprachengewirr in der Europäischen Union würde ein Filipino nur müde lächeln. Mit Englisch kommt man jedoch gut zurecht - ein Erbe der USA, die das Land von 1898 bis zur Unabhängigkeit 1946 kontrollierten. Zuvor beherrschten mehr als 300 Jahre die Spanier das Land. Sie hinterließen eine mehrheitlich katholische Bevölkerung - ein Unikum in Asien - und europäische Prachtbauten. Zu denen muss man sich aber durchkämpfen, in der Zwölf-Millionen-Metropole, durch Kolonnen knatternder Mopeds, keuchen- der Oldtimerbusse und hochgetunter "Jeepneys".

Nomen est omen auf der "High Heel Street"

Die schrill bemalten Relikte der US-Army zählen zu den Wahrzeichen des Landes und transportieren alles, was hineinpasst: Menschen, Tiere, Einbauküchen. Aus der autofreien Altstadt ist das Verkehrschaos zum Glück ver- bannt: Die urbane Oase heißt "Intramuros" und wurde 1571 vom Eroberer Miguel López de Legazpi hinter trutzigen Mauern errichtet. Das Areal "in den Mauern" sollte Schutz vor chinesischen Piraten bieten. Inzwischen gilt das "In- Viertel" als Ausgehmeile mit Bars, Restaurants und schicken Boutiquen. In der Nähe steht die Quiapo Church, wo betende Gläubige vor dem Schwarzen Nazarener Schlange stehen. Die Christusfigur aus Ebenholz soll jeden, der sie berührt, von allen Sünden reinigen. In Manila muss es viele Sünder geben.

Durch die riesige Chinatown, vorbei an verträumten Teehäusern, Gemüsemärkten und Jade-Juwelieren, führt der Weg nach Marikina, dem Stadtteil, in dem Frauenherzen schneller schlagen. Hier heißen die Straßen "Slipper Road" oder "High Heel Street" und man ahnt, dass es um Schuhe geht. Die Produktion der bunten Treter hat lange Tradition. Die wird dokumentiert durch das "Marikina Footwear Museum". Herzstück der Ausstellung sind zahlreiche "Manolos", die überwiegend der einstigen Miss Philippines und späteren Tyrannen-Gattin Imelda Marcos gehörten und bei der überstürzten Flucht ins hawaiische Exil 1986 zurückgelassen wurden. Dafür hatten Imelda und Ferdinand dann Platz für ein paar Milliarden Dollar Schwarzgeld.

Der Jeep ruckelt langsam Richtung Norden. Dort, in der Mountain Province der Hauptinsel Luzon, wartet ein Sehnsuchtsziel, das oft als achtes Welt- wunder gepriesen wird. Hier haben die Bergvölker der Ifugao und Bontok vor 2000 Jahren Reisterrassen für die Ewigkeit geschaffen. Bis auf 2000 Meter wachsen die sattgrünen Hänge an den schroffen Kanten der Cordillera Central empor, wie auf den Hochglanzprospekten der Reisfirma "Oryza". "Stufen zum siebten Himmel" nennen die Ein- heimischen dieses Meisterwerk der Landschaftsarchitektur. Die Unesco erhob es 1995 in den Rang eines Weltkulturerbes. Oben auf dem Kamm bietet sich ein Bild wie auf einer japanischen Tuschezeichnung.

Tourismus im Dornröschenschlaf

Noch liegt der touristische Dornröschenschlaf über der Gegend. Doch wie lange hält der an? Noch kann man auf den Philippinen das ganz Be- sondere fast exklusiv genießen: Trekking im Regenwald, Abtauchen in eine unendlich reiche Unterwasserwelt, Relaxen an einsamen Stränden auf mehr als 35.000 Küstenkilometern. Abenteuerreisen zu unberührten Naturwundern. Wie zu den 1.268 "Chocolate Hills" auf Bohol, die wie überdimensionale Schokopralinen anmuten, die ein leckermäuliger Riese verloren hat.

Auf Palawan, wo das Wasser noch klarer ist als auf Bali und der Dschungel noch dichter als auf Borneo, liegt auch unter Tage ein Superlativ: der längste unterirdische Fluss der Welt, der Underground River im Puerto Princesa National Park. In Ruderbooten durchfahren wir enge Passagen und mächtige Säulenhallen aus Stalagmiten und Stalagtiten. Fiepsende Töne aus den dämmrigen Tiefen der hohen Kuppel weisen auf Fledermäuse hin.

Wer die Natur lieber am Hals als über dem Kopf hat, ist in Palawan ebenfalls richtig: Hier gibt es die herrlichsten Perlen zum Dumpingpreis. Das Angebot in allen erdenklichen Farben und Formen ist enorm. "Die Namen unserer Kunden sind tabu", sagt Monsieur Branellec, gebürtiger Franzose und einer der bedeutendsten Züchter und Händler im Land. "Doch soviel kann ich sagen: Wann immer Sie in Paris, Genf oder Mailand ein Collier sehen, das Ihnen den Atem verschlägt, stammen die Perlen aus Palawan." Sagt's und schließt eine schimmernde Halskette in den Safe, die 50.000 Euro kostet.

Biofood in einem der weltbesten Spas

Exotische Abgeschiedenheit in menschlicher Gesellschaft bietet Boracay. Das Eiland wurde in den 70ern von Hippies entdeckt. Heute kommen vor allem passionierte Surfer und gutsituierte Individualreisende. Den Osten Boracays säumt ein endloser Puderzuckerstrand. Kenner zählen den "White Beach" zu den zehn schönsten der Erde. Zwar reihen sich hier viele Restaurants aneinander, doch die wiegenden Palmen, der schneeweiße Sand und das laue Lüftchen schaffen ein ungemein friedvolles Ambiente.

Ich wohne im "Mandala Spa", einem kleinen, feinen Hotel aus zwölf kreisförmig in den Dschungel gebauten Villen, das 2005 zum "Destination Spa of the Year" in Asien gekürt wurde und mit mehrstündigen Ganzkörperbehandlungen punktet. Wer eine davon genossen hat, kann sich danach kaum halten vor Müdigkeit - und könnte schon wenig später Palmen ausreißen. Und bekommt großen Hunger. Biofood steht hoch im Kurs des deutschen Mitbesitzers Dieter Schrottmann, den es vor Jahrzehnten bereits aus dem Badischen auf die Philippinen verschlug. "Auf Boracay konnte ich meine Vision vom ganzheitlichen Urlaub, der alle Sinne anspricht, verwirklichen", sagt er und klingt sehr zufrieden.

Der größte Luxus für mich aber besteht darin, einmal richtig entspannen zu können. Mit dem perfekten Robinson-Arrangement lockt Lagen Island mit nur einem Ressort-Hotel. Im türkisen Meer stehen die Stelzen-Villen des "El Nido", wo man seine diskret servierten Mahlzeiten umgeben von Tropenfischen einnimmt. Lagen Island ist wie ein Brennglas, in dem sich die Schönheit der Philippinen noch einmal von ihrer facettenreichen Seite zeigt: Das Meer, die Palmen, die freundlichen Menschen. Die Einsamkeit, die aufregende Natur. Erholungsfaktor 200 Prozent. Robinson Crusoe wäre bestimmt da geblieben.


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