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"Kosi Bay": Perle am Indischen Ozean

Das Naturschutzgebiet "Kosi Bay" im Nordosten Südafrikas ist alles andere als leicht zu erreichen. Doch wer angekommen ist, geht nur ungern wieder fort, denn die Szenerie ist schlichtweg einzigartig.

Von Helge Bendl

Dieser Ausblick war die lange Anreise wert. Im Meer hinter den imposanten Dünen üben ein paar Delphine einen Salto, vor einem liegt glatt wie ein Spiegel einer der vier Seen des "Kosi Bay Nature Reserve", dazwischen das Mündungsbecken mit seinen in der Sonne glänzenden Sandbänken. Wer Einsamkeit sucht, ist hier richtig - außer in den Schulferien, an Ostern und an Weihnachten kommen hierher, in den äußersten Nordosten der Provinz Kwazulu-Natal, kaum Touristen. Das Naturschutzgebiet wirkt vermutlich genau deswegen noch so unberührt, als habe die Zivilisation hier kaum Einfluss. Die großen Städte Südafrikas sind weit, weit weg - zur Grenze von Mosambik sind es dagegen nur fünf Kilometer.

"Das Kosi Bay Nature Reserve ist inzwischen Teil des Greater St. Lucia Wetland Parks, der von der Unesco für seine außergewöhnliche Schönheit und den Artenreichtum zum Welterbe erklärt worden ist", sagt Scotty Kyle von der Behörde KZN Wildlife. In den Seen von Kosi Bay gibt es nicht nur Nilpferde und Krokodile, die man beide besser in Ruhe lässt und nur in gebührendem Abstand mit dem Fernglas beäugt. Alleine 220 Arten von Schmetterlingen und 400 Baumarten habe man gezählt, sagt der Naturschutz-Ranger begeistert. Das Ökosystem sei trotz vieler Einflüsse noch relativ intakt.

Traditioneller Fischfang

Die Unesco hätte die Sumpf- und Feuchtgebiete eigentlich noch aus einem anderen Grund auszeichnen können. Denn in den Seen von Kosi Bay stehen noch traditionelle Fischfallen, so genannte Fisch-Krals. Nirgendwo sonst in Südafrika, vermutlich sogar im ganzen südlichen Afrika, kann man diese Methode des Fischfangs noch im Original erleben. Die Zulus, die in der Umgebung der Seen im Busch leben, nutzen die Absperrungen aus Holz noch immer, um den Fischen bei ihrer Wanderung zum Meer den Weg abzuschneiden und sie in abgesteckte Bassins zu locken, aus denen die Tiere nicht mehr entrinnen können. Was in den letzten Jahrzehnten noch gut funktioniert hat, wird jetzt indes zum Problem fürs Ökosystem.

Der Zug der Fische

Weil die Fischer statt pflanzlicher Materialien inzwischen bisweilen Plastikschnüre verwenden, um die Holzstecken miteinander zu verbinden, sind die Fisch-Krals plötzlich effektiver als früher und nehmen auch kleinere Fische gefangen. Die Fischpopulation in den Seen ist indes davon abhängig, dass der Zug der Tiere statt finden kann. "Viele der Fische werden im Meer geboren und wachsen dann im Schutz der Seen auf, wo es viel Nahrung für sie gibt. Auf dem Rückweg zum Meer, wo sie ihre Eier legen wollen, werden sie dann abgefangen", erklärt Ranger Scotty Kyle das Prinzip. "Solange nur ein Teil der Fische in den Fallen landet, ist das kein Problem. Doch wir müssen sicher stellen, dass ein Teil der Population ins Meer entwischen und für Nachwuchs sorgen kann."

Nur eine Krabbe im Bassin

Von den heute 150 Fallen müssten aber nur wenige besonders effektive entfernt werden. Davon würden auch diejenigen Fischer profitieren, deren Fallen am Rande der die Seen entwässernden Strömungen liegen. "Heute war bei mir nur eine Krabbe im Bassin", sagt Amos Ngubane, 53. Seine Kollegen haben dagegen Prachtexemplare von mehreren Kilo erbeutet - auf dem Markt werden ihre Frauen den "kingfish" an die Bevölkerung der Region verkaufen. "Das ist besser, als dass Spezialitätenhändler aus Durban den Fang aufkaufen - so bleibt der gute Fisch in der Region", meint Scotty Kyle. Wenn er in den Seen und dem Mündungsbecken von Kosi Bay angeln geht, dann nimmt er den Einheimischen nichts weg. "Mir geht es um den Sport und das Erlebnis - ich werfe die Fische nach dem Vermessen sofort wieder zurück ins Wasser."