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Geheimtipp: Ruanda, das grüne Herz Afrikas: Zwischen Regenwäldern, Savannen und Seen

Geheimtipp in Afrika: Ruanda hat sich zu einem der schönsten Reiseziele des Kontinents entwickelt. Besonders verwunschen ist das Land am 90 Kilometer langen Kivusee.

Von Marc Goergen

Auf dem Congo Nile Trail unterwegs: am Ufer des Kiwu-Sees in der Nähe von Rubavu.

Auf dem Congo Nile Trail unterwegs: am Ufer des Kiwu-Sees in der Nähe von Rubavu.

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Vielleicht muss man der Hölle entkommen, um einen solchen Garten Eden zu schaffen: kleine Hütten an einem sanften Hang, feiner Strand, Palmen, die im Wind rascheln, all das umgeben von Regenwald, mit einem Blick auf einen tiefblauen wundersamen See im Herzen Afrikas. Odette Nyiramilimo, 62, ehemalige Ärztin, hat im Ruhestand die Rushel Kivu Lodge anlegen lassen, hier in ihrer Heimat, im Westen .

Noch immer ist das kleine Land, nicht viel größer als Hessen, ein unbekanntes . Zu schwer wiegt noch seine Vergangenheit. Ruanda, das war der Ort des Genozids von 1994, als Hunderttausende ermordet wurden und andere, wie auch Odette Nyiramilimo, nur unter abenteuerlichsten Bedingungen überlebten.

Knapp 25 Jahre später wird Ruanda autoritär geführt, aber hat sich zu einem sicheren, wirtschaftlich erfolgreichen Staat entwickelt – und zu einem der vielleicht schönsten Reiseziele . Regenwald und Savannen, Großstadthype und die Geruhsamkeit des Dschungels, all das ist hier zu finden.

Toskana in den Tropen

Im Nordwesten können Besucher zu Berggorillas trekken, an der Grenze zu beherbergt ein Nationalpark Elefanten, Nashörner und Löwen. Am verwunschensten aber ist Ruanda hier, in der Heimat von Odette Nyiramilimo, am knapp 90 Kilometer langen Kivusee.

Schon die Reise dorthin bricht mit vielem, was man über die Region im Kopf hat. Plastiktüten etwa sind in Ruanda seit Jahren verboten, und so ist Kigali eine der saubersten Hauptstädte überhaupt. Ihre Hügel haben Restaurants bezogen, von ihnen geht der Blick weit übers Lichtermeer der Stadt.

In der Savanne: eine Giraffe kreuzt gleich den Weg

In der Savanne: eine Giraffe kreuzt gleich den Weg

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Die Route nach Westen zum See schlängelt sich durch Bananen- und Yams-Plantagen, erklimmt immer wieder aufs Neue die Hügel, die Landschaft gleicht einem Flickenteppich aus Feldern, Wäldern und leuchtend grünen Teeplantagen. Es wirkt, als habe man die Hügel der Toskana in die Höhe gezogen und in die Tropen verpflanzt.

Nach dem Auf und Ab entfaltet der See eine sedierende Wirkung. Im Dunst am anderen Ufer verschwimmen die Hügel des Kongo. In Kolonialzeiten galt der Kivusee als beliebtes Reiseziel, die Städte lockten mit Hotels, Promenaden, Stränden. Heute sind die Menschen hier wieder bemüht, die Schätze ihrer Heimat zu präsentieren.

Wie im Film "Hotel Ruanda"

Odette Nyiramilimo begann damit vor sieben Jahren. Sie kaufte im kleinen Örtchen Kinunu, wo sie aufgewachsen war, ein Stück Land und ließ dort die Rushel Kivu Lodge errichten. "Ich wollte Gästen die Chance geben, die Landschaft zu erleben", sagt sie. "Aber es ging mir auch darum, dass die Menschen hier davon profitieren, nach alldem, was wir durchgemacht hatten."

Die dramatische Geschichte des Landes spiegelt sich im Leben von Nyiramilimo. Aus einfachen Verhältnissen stammend studierte sie Medizin, wurde nach einigen Jahren im Ausland Gynäkologin in einem Krankenhaus in Kigali. Als dann im Frühjahr 1994 militante Hutu begannen, die Minderheit der Tutsi zu töten, versteckte sie sich mit Mann und Kindern in ihrem Haus. Nach ein paar bangen Tagen meldete sich ein alter Freund per Telefon. Paul Rusesabagina bot ihnen an, sie von einer Militäreskorte zu sich bringen zu lassen, in einen der letzten noch halbwegs sicheren Orte in Kigali: das Hotel "Mille Collines".

Odette Nyiramilimo und ihre Familie gehörten zu den etwa 1200 Menschen denen Hoteldirektor Paul Rusesabagina das Leben rettete, die Geschichte wurde später als "Hotel Ruanda" verfilmt. "Es war tatsächlich wie im Film", erzählt Nyiramilimo, "am Ende tranken wir das Wasser aus dem Swimmingpool. Und Paul versuchte mit allen Tricks, die Milizen fernzuhalten. Vor allem indem er immer irgendwoher neuen Whiskey für die Männer besorgte."

Tee und Kaffee werden exportiert

Odette Nyiramilimo und ihre Familie überlebten unversehrt, in einer der Übergangsregierungen wurde sie Ministerin, schließlich Senatorin und Mitglied des Parlaments ostafrikanischer Staaten. Heute, im Ruhestand, steckt sie ihre Energie in die Lodge, damit bietet sie 17 Menschen einen sicheren Arbeitsplatz. Ihr Engagement ist typisch für viele hier.

Gleich nebenan am See hat ein anderer ehemaliger Senator ein weiteres Hotel samt Kaffeefarm aufgebaut. Wer will, kann seinen Garten mit Ananas, Mangos, Avocados und Passionsfrüchten bestaunen oder auch die Kaffeefabrik: die Schälanlagen, die Waschbottiche, die Tische, auf denen die Bohnen drei Wochen trocknen müssen. Und natürlich seine Arabica-Mischung probieren: fruchtig-frisch, kaum Bitterstoffe. Neben Tee ist Kaffee eines der wichtigsten Exportprodukte.

Auf dem Congo Nile Trail

Ruandas Regierung hat das Potenzial der Region erkannt und vor einigen Jahren einen Weg am Ostufer des Kivusees eröffnet: den knapp 230 Kilometer langen Congo Nile Trail. Die Strecke lässt sich in zwei bis drei Tagen mit dem Geländewagen abfahren. Noch beeindruckender ist die sportliche Variante: den Trail zu wandern oder mit dem Mountainbike zu fahren.

Auslegerboote auf dem Kivusee

Auslegerboote auf dem Kivusee

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Der Weg schlängelt sich durch Dörfer, über Bäche, an Wasserfällen vorbei, mal verläuft er am Ufer, mal geht es die Hügel hinauf, fast immer ist der See im Blick: die unzähligen kleinen Inseln, die Landzungen, die sich weit hineinwinden. Manchmal trifft man andere Wanderer oder Radfahrer, aber noch hat man den Weg ziemlich für sich allein. Nur ein paar kleine Hotels säumen das Ufer. Zu den schönsten gehört, neben der Rushel Kivu Lodge in Kinunu, die Cormoran Lodge, einen Tagestrip weiter südlich in Kibuye, deren luxuriöse Hütten über einem dicht bewachsenen Garten hoch am Ufer thronen.

Wenn abends der frisch gefangene Tilapia serviert wird, der Blick auf die Fischer geht, die schon wieder draußen sind in ihren Kanus mit den Auslegern, Spinnen gleich, die übers Wasser laufen, ist das Klischee vom Afrika des Chaos und der Armut plötzlich sehr weit weg. Und das Paradies ziemlich nah.

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