Schweinegrippe "Wir haben Angst, fliegen aber"


Mit Grippemittel und Mundschutz im Gepäck sind heute Urlauber nach Mexiko geflogen. Einige Reisende sind verunsichert, andere sehen gelassen ihren Ferien entgegen. Der Frankfurter Flughafen rüstet derweil auf.

Es ist ein mehr als mulmiges Gefühl, mit dem sich viele Reisende am Frankfurter Flughafen jetzt auf den Weg nach Mexiko machen. "Wir haben Angst, fliegen aber trotzdem", sagen zwei 35- und 40-jährige Frauen am Montagmittag kurz vor dem Abflug. Zum Glück hätten sie noch Zeit gehabt, sich vor der Abreise beim Arzt zu informieren. Das verschreibungspflichtige Grippe-Mittel Tamiflu und Mundschutzmasken haben sie im Gepäck - für alle Fälle. Auf die Frage, weshalb sie trotz der Warnungen fliegen, sagen sie: "Die Befürchtungen sind doch erst am Freitag aufgekommen." Hätte der Flug erst Ende der Woche angestanden, "dann hätten wir storniert", betonen die beiden Bankkauffrauen. "Nach Mexiko-Stadt wären wir jedenfalls sicher nicht gefahren."

Ein Problem: Mexiko-Reisende haben wegen der Schweinegrippe bislang kein generelles Recht auf Stornierung oder Umbuchung. Da es keine Reisewarnung der Auswärtigen Amtes in Berlin gibt, ist es nicht grundsätzlich möglich, Reisen nach Mexiko kostenlos zu stornieren oder umzubuchen, wie der Deutsche Reiseverband (DRV) mitteilte. Trotzdem sollten insbesondere Touristen nach dem Willen der EU ihre Flüge in die Region canceln: "Die Menschen sollten Reisen nach Mexiko oder in die USA absagen, sofern sie nicht sehr dringlich sind", betonte Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou. In jedem Fall sollten alle, die aus Mexiko zurückkehren, sicherheitshalber zum Arzt gehen. Die EU arbeitet derzeit an einem Leitpfaden für Reisende.

Alarmbereitschaft in Frankfurt

Der Ausbruch der Schweinegrippe hat am Frankfurter Flughafen Alarmbereitschaft ausgelöst. Die Crews von Maschinen aus Ländern mit Schweinegrippe seien angewiesen worden, auf Passagiere mit Symptomen zu achten und diese zu melden, sagte der stellvertretende Leiter des für den Flughafen zuständigen Frankfurter Gesundheitsamtes, Rene Gottschalk. Zudem würden Karten für die Erfassung von Passagierdaten und Info-Material vorbereitet. Täglich landet eine Lufthansa-Maschine aus Mexiko in Frankfurt, viermal in der Woche kommt ein Flieger von Condor.

Gibt es bei einem Passagier einen Verdacht auf Schweinegrippe, werde dieser von Ärzten der Flughafenklinik an der Maschine abgeholt, untersucht und gegebenenfalls in die Universitätsklinik Frankfurt gebracht. Alle anderen Passagiere dieses Flugzeuges müssen ihre Kontaktdaten angeben und erhalten Informationen über die Erkrankung. Ergebnisse von Tests auf die Krankheit liegen nach Angaben des hessischen Gesundheitsministeriums nach sieben Stunden vor. Sollte ein Test positiv sein, erhielten Mitreisende und die Crew umgehend Medikamente, die einen Ausbruch der Krankheit verhindern sollen.

Auch an den Flughäfen in Berlin und Düsseldorf achten Mitarbeiter auf Fluggäste mit auffälligen Grippeanzeichen. Von Berlin gibt es keine Direktflüge nach Mexiko. Am Düsseldorfer Flughafen landen derzeit zweimal, ab Mai noch einmal pro Woche Ltu-Maschinen aus Mexiko.

Noch kein Verdachtsfall

Bis zum Montagnachmittag war nach Angaben des Gesundheitsamts noch kein Verdachtsfall in Frankfurt aufgetreten. In der Vergangenheit seien alle Passagiere, die eine hochinfektiöse Krankheit nach Deutschland eingeschleppt haben, in Frankfurt angekommen. "Wir sind hier immer gefährdet", sagte Gottschalk. Frankfurt sei weltweit der achtgrößte Flughafen und werde vor allem als Umsteigestation genutzt - was viele internationale Passagiere mit sich bringt.

Gerade bei der Schweinegrippe ist es nach den Worten Gottschalks aber besonders schwierig, einen Infizierten zwischen all den Passagieren auszumachen. Die Infizierten sind bereits ansteckend, bevor die Krankheit bei ihnen überhaupt ausgebrochen ist: "Die kann niemand finden." Selbst nach Ausbruch der Krankheit würden die meisten dann für den Flug Tabletten wie Aspirin nehmen, die die typischen Grippe-Symptome wie Fieber und Schnupfen unterdrückten - und die Erkrankten fallen nicht weiter auf. Aus diesem Grund gebe es am Frankfurter Flughafen auch keine Wärmekameras zum Erkennen von Fieberkranken. "Man hat damals bei Sars gesehen, dass damit kein einziger Fall entdeckt wurde", sagte der Gesundheitsexperte.

Tui sagt Reisen ab

Von den wachsenden Sorgen wollen sich nicht alle im Frankfurter Abflug-Terminal anstecken lassen: "Wir haben keine Angst. In Deutschland gibt es doch auch Grippefälle. Uns nervt nur, dass die Verwandten sich Sorgen machen", sagt Arnd G., der mit seiner Frau via Lufthansa nach Mexiko fliegen und dort Urlaub machen will. "Warum sollte man Angst haben, bei der Vogelgrippe war doch auch alles geregelt", fügt ein Rentnerehepaar aus Straßburg hinzu. Trotz der aktuellen Meldungen wollen sie von Mexiko-Stadt aus für zwölf Tage die Maya- und Azteken-Stätten des Landes bereisen. Mit dem Reiseveranstalter Tui ist diese Route zunächst nicht mehr möglich: Als Reaktion auf die Schweinegrippe sagte Tui alle Reisen in die Hauptstadt Mexiko-Stadt ab. Auch im Rahmen von Rundreisen wird die Metropole bis mindestens zum 4. Mai nicht mehr angesteuert. Tui bietet allen Kunden mit Reiseziel Mexiko gebührenfreie Umbuchungen an.

Der Reiseveranstalter Thomas Cook bietet das seinen Kunden nicht an, meidet aber in den kommenden Tagen die mexikanische Hauptstadt.

AP/DPA AP DPA

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