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Zu viele Dicke an Bord: Vor dem Abflug müssen Passagiere auf die Waage

Ungewöhnliche Praxis bei Hawaiian Airlines: Beim Check-in wird nicht nur das Gewicht des Gepäcks, sondern auch das der Fluggäste nach Pago Pago festgestellt. Wegen dieser Praxis fühlen sich zwei Geschäftsleute diskriminiert.

Eine Boeing 767 von Hawaiian Airlines, die auch für die den Flug nach American Samoa zum Einsatz kommt.

Eine Boeing 767 von Hawaiian Airlines, die auch für die den Flug nach American Samoa zum Einsatz kommt.

Piloten berechnen vor jedem Abflug die benötigte Menge an Kerosin. In ihre Kalkulation fließen verschieden Faktoren ein wie Flugroute, Wetterverhältnisse, Entfernung zum nächstgelegenen Ausweichflughafen, Gewicht der Luftfracht und Anzahl der Passagiere.

Doch auf den fast sechsstündigen Flügen von Honolulu nach Pago Pago, der Hauptstadt von American Samoa, stellte die Airline vor einiger Zeit einen erhöhten Treibstoffverbrauch fest. Deshalb entschloss sich das Management zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Vor dem Abflug müssen Passagiere des Flugpaares mit den Kürzeln HA565/466 auf die Waage. In einem halbjährigen Test wollte die Airline das genaue Gewicht ihrer Kunden ermitteln.

Besonders viele Übergewichtige

Das verblüffende Ergebnis: Auf dieser Flugroute war das Durchschnittsgewicht 13,5 Kilogramm höher als sonst üblich. Da es sich bei diesem Flug in die Südsee nicht um einen kurzen Hüpfer zwischen zwei hawaiianischen Inseln, sondern um einen Langstreckenflug mit einem Großraumflugzeug vom Typ Boeing 767, handelt, summiert sich das zusätzliche Gewicht um immerhin 3,5 Tonnen. Laut Sitzplan passen bis zu 264 Passagiere an Bord der Hawaiian-Maschine.

Schlafsitz Boeing 767

Auf den Flügen von Hawaiian Airlines zwischen Honolulu und Pago Pago wiegen die Fluggäste im Durchschnitt 13,5 Kilogramm mehr.

Durch die nun genaue Gewichtsbestimmung können angeblich die übergewichtigen Fluggäste besser im Flugzeug verteilt werden, was den Treibstoffverbrauch reduziert. Doch zwei Geschäftsreisende fühlten sich durch das Prozedere auf den Hin- und Rückflügen zwischen Samoa und Hawaii diskriminiert und reichten beim US-Transportministerium eine Beschwerde ein – allerdings ohne Erfolg. Deshalb darf Hawaiian Airlines an ihrer Praxis, alle Passagiere vor dem Abflug auf die Waage zu bitten, weiterhin festhalten.

Die Einwohner des Inselreiches Samoa gelten übrigens als besonders übergewichtig. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO hat das Land einen der höchsten Anteile von Fettleibigen in der Bevölkerung weltweit. In den städtischen Gebieten sind demnach 75 Prozent der Menschen zu dick.

Deshalb berechnet die kleine Fluggesellschaft Samoa Air schon seit Ende 2012 ihre Ticketpreise nach dem Gewicht der Passagiere. Ihr Motto lautet: "Where you pay by weight". Die Preisumstellung hat auch einen Vorteil: Fluggäste unter einem Gewicht von 120 Kilogramm fliegen günstiger.


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