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Enge Flugzeuge: Eine Frau packt aus: So schlimm ist Fliegen für Fettleibige

Immer wieder gibt es Beschwerden, weil sich Flugpassagiere über ihre übergewichtige Sitznachbarn beschweren. Nun verrät eine fettleibige Frau ihre Sicht - und warum sie eigentlich nichts richtig machen kann.

Ein voll besetztes Flugzeug

In voll besetzten Flugzeugen ist es für niemanden besonders angenehm

Flugreisen sind für viele Menschen purer Stress. Zusammengepfercht auf engem Raum, zu wenig Beinfreiheit, umgeben von zu vielen Wildfremden. Wenn dann der Sitznachbar mit seinem Körper noch mehr Raum einnimmt, ist das für viele Passagiere ein Grund für wütende Beschwerden. Eine erzählt nun bei Twitter, wie sehr sie selbst unter der Situation leidet - und was sie tut, um Konflikte zu vermeiden.

Wie genau die Reisende heißt, ist nicht bekannt. Mit ihrem Dicksein geht sie aber offensiv um. Unter dem Pseudonym "Your fat Friend" schreibt sie bei Twitter und in einem Blog von den Folgen, die ihr hohes Körpergewicht mit sich bringt. Einer der jüngsten Twitter-Threads befasst sich mit dem Thema Fliegen.

So sehr leiden dicke Fluggäste wirklich

"Ich bin heute in einem Flugzeug. So bereite ich mich als sehr fette Person darauf vor", fängt die Twitter-Tirade an, die sich dann über 43 Tweets ergießt. Denn die Dame hat viel über das Leid der Dicken in Flugzeugen zu erzählen.

Etwa, wie teuer das Fliegen für Menschen mit extremem Übergewicht ist. "Ich muss zwei Sitze buchen, egal ob es auch zwei freie gibt. Ich bezahle doppelt für das Privileg, im Flugzeug zu sein." Die Airline könnte den zweiten Sitz trotzdem an jemanden anderen verbuchen, stellt sie klar. "Ich würde darüber natürlich nicht informiert." Sie bucht beim aktuellen Flug deshalb gleich die erste Klasse - für 900 Dollar Aufpreis. "Immer noch günstiger als einen zweiten Sitz zu buchen." 

Am Platz gehen die Probleme weiter: "Ich bringe meine eigene Gurterweiterung mit. Nicht, weil es mir peinlich ist, danach zu fragen. Ich weiß, dass ich fett bin. Sondern, weil die Frage danach von anderen Passagieren zum Anlass genommen wird, sich über mich zu beschweren." Dann könnte alles mögliche passieren. "Sie könnten mich umsetzen, mehr Aufpreis verlangen oder mich sogar aus dem Flieger eskortieren lassen - und ich würde festhängen." Je nach Airline wäre das Geld für das Ticket dann oft futsch.

Selten sind die Beschwerden leider nicht. "In den letzten beiden Jahren haben sich etwa 50 Prozent der anderen Passagiere über mich beschwert." Rücksicht wird keine genommen. "Wenn sich jemand beschwert, wird laut über meinen Körper diskutiert, mit offenem Abscheu."


Erste Klasse ohne Luxus

Deshalb entscheidet sie sich auch für die erste Klasse. "Dort sind die Sitze breiter - und es gibt weniger Grund für Beschwerden." Von den anderen Vorteilen der ersten Klasse hat sie wenig: Den Tisch kann sie wegen ihrer Körperfülle nicht herunterklappen, das Erste-Klasse-Essen lässt sie deshalb ausfallen. Den besseren Service nimmt sie ebenfalls nicht in Anspruch. "Ich will nicht, dass die Stewardess über mich hinüber reichen muss - und dann doch Beschwerden kommen." Also werde sie den gesamten Flug mit verschränkten Armen sitzen und still warten.

Warum sie das tut, wird klar, als sie davon erzählt, wie sich das erste Mal ein Mann über sie beschwerte. Der saß neben ihr, wurde immer nervöser und diskutierte schließlich mehrfach bei der Stewardess, während er wütend zu seiner Sitznachbarin hinüberzeigte. Als er umgesetzt wurde, teilte er ihr mit, es sei besser für sie beide - woraufhin die Stewardess klar machte, dass jemand anders den Platz bekommen würde.

Dann verteilte sie kostenlose Snacks an die Passagiere, um sich für die Umstände zu entschuldigen - nur "Your Fat Friend" bekam nichts. "Es waren Belohnungen, meine Anwesenheit auszuhalten." Keiner der Passagiere hatte sie in Schutz genommen oder gar gefragt, wie es ihr damit ging. Am Ende kam der umgesetzte Passagier nochmal zu ihr. "Ich hätte das nicht bei einer Schwangeren oder einem Rollstuhlfahrer gemacht", stellte er klar. "Ich sagte: 'Ich weiß. Das macht es ja so schlimm.'" Danach flog sie mehr als anderthalb Jahre nicht.

Flehen um Verständnis

Wegen ihrer weit entfernten Familie und ihres Jobs wagt sie sich nun doch wieder in Flugzeuge. "Ich fliege, weil es mein Leben ist und anderer Leute Vorurteile über mich und meinen Körper es nicht beherrschen sollen. Aber sie können es viel schwerer machen." Deshalb will sie andere Menschen für ihre Sichtweise der Situation sensibilisieren. "Keiner fliegt gerne. Es ist für niemanden besonders bequem. Aber für manche von uns ist es ein echtes physisches, finanzielles und emotionales Risiko." 

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mma

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