Gay-Parade Phuket Wie Schwule mit Elefanten feiern


Drag-Queens auf Elefanten: Touristen am Strand von Phuket staunten nicht schlecht, als am Wochenende tausende Schwule ihre Parade am Strand der thailändischen Ferieninsel feierten.
Von Michael Lenz, Patong Beach

"Das sind doch auch Menschen", sagt ein dickbäuchiger Dieter aus Mühlheim, der samt Bierdose, Thaifreundin und Borussia-Dortmund-Fahne in seinem Strandliegestuhl auf der thailändischen Ferieninsel Phuket ruht. Mit den "Auch-Menschen" meint er Homosexuelle, die sich am Wochenende aus ihrem Ghetto des Paradise Complex in Patong Beach rausgewagt und ein ausgelassenes Fest in aller Öffentlichkeit gefeiert haben. Motto: "Be Free and Happy" (sei frei und glücklich). Und das Motto ist wörtlich gemeint.

In Thailand nehmen Touristen und Einheimische das Schwulenspektakel so locker, wie sonst in keinem anderen Land Asiens. Am Ende der schwulen Festmeile picknicken rund um den Kinderspielplatz Thaifamilien, die auf ihren bunten Bastmatten allerlei Köstlichkeiten der Thaiküche ausgebreitet haben. Daneben kämpfen Ehepaare aus Skandinavien in Badehose und Bikini um die besten Plätze. Und auch Cafe- und Restaurantbesucher freuen sich um die Besucher, den die Parade über Patongs Strandpromenade anlockt. Und die bekommen einiges zu sehen.

Schwule Elefanten

Blanke Busen, halbnackte Männerkörper und aufgedonnerte Drag Queens schlängeln sich die Parade entlang. Die Sensation sind die Elefefanten, die mitten im Getümmel auftauchen. Nirgendwo sonst auf der Welt reiten Schwule auf "Jumbos" mit. Und nach der Parade wird ausgelassen an den Stränden Phukets verfolgen ein wenig verwundert die Wahl zum "Mister Beach Boy". Sam ist der einzige Europaeer im Wettbewerb. Ich bin der Schönste, der Coolste, der Geilste, ich muss gewinnen, strahlt sein ganzes Gehabe aus. Dann wird das Gesicht immer länger, das Lächeln des professionellen Tänzers immer eisiger. "Mister Popular", "Mister Photogenic", "Mister Tropical", all diese wunderbaren, dem Ego schmeichelnden Titel, gingen an die asiatische Konkurrenz aus Indien, Burma und Thailand. Selbst in der Hauptkategorie kam der Franzose nur auf den dritten Platz. Die Nummer Eins wurde ein 23 Jahre alter Student aus Bangkok, der sehr viel Zeit im Sportstudio verbringt, wie sein muskulöser Körper verrät.

Gay-Tourismus soll die Wirtschaft ankurbeln

Die Veranstalter des Phuket Pride haben hat eine seltsame Entscheidung getroffen: der Begriff "Gay" ist aus dem Namen der jährlichen Veranstaltung gestrichen. "Wir müssen alle Schwulen und Lesben von Phuket einbeziehen, aber das Wort 'Gay' könnte einige abschrecken", sagt Daniel See, einer der Hauptorganisatoren von Phuket Pride und fügt hinzu: "Thailand ist eben noch immer ein ziemlich konservatives Land." Man habe zu lange den Eindruck entstehen lassen, Phukets Gay Community bestehe ausschließlich aus den Go Go Tänzern, den Katoeys (Transsexuellen) und den Strichern in Patongs Schwulenviertel Paradise Complex. "Wir wollen eine stärkere und breitere Gay-Community schaffen, die auch die Schwulen und Lesben in den Dörfern und Städten einbezieht", betont der Manager des schwulen Boutiquehotels Club One Seven, dessen Mitarbeiter und Gäste mit einer zehn Meter langen Regenbogenfahne die Parade anführen. Der Phuket Pride ist aber auch der Versuch der Geschäftsleute der Insel, Phuket als schwule Destination zu propagieren, die mehr zu bieten hat als schummerige Bars. Das thailändische Fremdensverkehrsamt betont auf seiner Webseite unter der Überschrift "Reisen bildet" in einem Artikel über schwule Touristen: "Thailand muss mehr tun, um die Gewohnheiten dieses Trend setzenden Sektors, der hochwertige Urlaube von Spas bis abenteuerlichen Ökotouren schätzt, zu kultivieren." Der Amerikaner Skip Burns, der mit seinem nur wenige Wochen vor dem Tsunami 2004 eröffneten kleinen Luxusresort "CC Bloom's" einen neuen Maßstab im schwulen Phuket-Tourismus gesetzt hat, betont: "Wir arbeiten an der Entwicklung von Phuket als schwules Ferienziel, das nicht mehr nur auf Sextouristen setzt."

Jagd nach dem "Pink Baht"

Sich mit solchen Konzepten durchzusetzen ist schwierig auf Phuket, wo die Tuk-Tuk-Mafia seit Jahren die Einführung von Taxis mit Gebührenzählern behindert. "Die Insel hat die Chance verpasst, sich nach dem Tsunami neu zu definieren", klagt Alfredo Fernandini, dessen Baan Rim Pa Restaurantgruppe eine der ersten Gourmetadressen von Phuket ist. Qualität setze sich nur langsam gegen den ewig gleichen Nepp und Ramsch durch. Fernandini findet es gut, dass mit dem Phuket Pride der schwule Markt umworben werde. "Schwule schätzen hochwertigen Tourismus. Da sehe ich doch schon bei unseren Gästen", sagt der gebürtige Peruaner.

Schätzungen der Pride-Veranstalter zu Folge sind gut 4000 schwule Touristen aus aller Welt zu dem Fest auf Thailands Tropeninsel gekommen und erfüllen mit Leben, was Fremdenverkehrsämter von Berlin über London bis nach San Francisco mit trockenen Statistiken belegen können: sie haben ein höheres verfügbares Einkommen, sie sind konsumfreudig und luxusliebend. Zwischen Party und Parade tauchen sie an den Riffs vor Phuket, schaukeln auf Elefanten durch den Dschungel oder lassen sich im neuen, auf Männer gleich welcher sexuellen Orientierung spezialisierten Luxusspa Hiranyikara verwöhnen. "Wir beschäftigen ausschließlich ausgebildete Therapeuten", sagt Tanasap Kraison und grenzt sich entschieden von den als Massagesalons getarnten Bordellen ab: "Bei uns gibt es kein sogenanntes ‚Happy Ending'". Selbst Thailands Fremdenverkehrsamt hat sich auf die Jagd nach dem "Pink Baht begeben" und hofiert schwule Touristen. In einem Text über schwulen Tourismus auf der Webseite der Tourism Authority Thailand wird die Toleranz der Thais betont: "In einer immer stärker polarisierten Welt erweist sich das lockere Thailand unter Israelis und Arabern, unter Traditionalisten und Hedonisten und Heterosexuellen und Schwulen gleichermaßen als beliebtes Reiseziel." Die Wochenzeitung Phuket Post fasst es einfacher: "Wir sind noch nicht Sydney oder San Francisco, aber der schwule Tourismus wächst kontinuierlich."


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