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Luftfahrt: Wie geht es mit Boeing und der 737 Max weiter?

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max der Ethiopian Airlines sind neben der Ursache des Absturzes noch viele weitere Fragen offen. Für Boeing könnte der zweite Absturz einer 737 Max innerhalb eines Jahres für Turbulenzen sorgen.

Mehrere Boeing 737 Max 8 werden hier im Boeing-Werk im US-Bundesstaat Washington gefertigt

Es ist der zweite Absturz einer Boeing 737 Max innerhalb von nur einem halben Jahr. Am Sonntag stürzte ein Flugzeug dieses Typs kurz nach dem Start in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ab. An Bord der Ethiopian Airlines-Maschine waren 157 Menschen – keiner von ihnen überlebte das Unglück. Der Absturz erinnert stark an einen weiteren Absturz einer 737 Max der Lion Air in Indonesien im Oktober 2018: Damals starben 189 Menschen, als das Flugzeug in die Javasee stürzte. Ein Untersuchungsergebnis steht noch aus. Es wird vermutet, dass fehlerhafte Messwerte eines Sensors zum Absturz geführt haben könnten. Allerdings gab es bereits auf dem vorangegangenen Flug Probleme.

Wegen der kurz aufeinanderfolgenden Abstürze des neuen Flugzeugtyps herrscht bei vielen Reisenden Verunsicherung. Einige Länder haben bereits ein Flugverbot für die Maschinen erteilt. Andere Fluggesellschaften fliegen die 737 Max weiter.

Was ist die Boeing 737 Max für ein Flugzeug? 

Die Boeing 737 Max ist eine modernisierte Version der Boeing 737, die hauptsächlich auf Kurz- und Mittelstrecken eingesetzt wird. Die erste 737 Max wurde im Mai 2017 ausgeliefert. Weltweit sind derzeit über 350 Flugzeuge dieses Typs ausgeliefert, insgesamt sind bei Boeing 5000 Bestellungen der Maschine in den Auftragsbüchern. Die Boeing 737 Max ist ein Konkurrenzmodell für die Airbus A320neo-Reihe. Insgesamt wurden vom Typ 737 seit 1967 über 10.000 Stück produziert, über 7000 davon sind noch im aktiven Dienst. Damit ist sie das meistverkaufte Flugzeug der Welt. Die 737 wird daher auch als "Arbeitstier der Welt" bezeichnet.

Wer fliegt die Boeing 737 Max momentan? 

Mehrere Airlines weltweit fliegen bislang 350 Maschinen dieses Typs. Zu den Fluggesellschaften, die sich dafür entschieden haben die 737 Max vorerst weiter zu fliegen, zählen unter anderem: die US-Fluglinien American Airlines und Southwest Airlines, Norwegian Airlines, TUI, Icelandair, FlyDubai, die kanadische WestJet und die polnische LOT. Viele der Fluggesellschaften sind in engem Kontakt mit dem Hersteller Boeing und warten offizielle Untersuchungsergebnisse ab. In Deutschland soll die erste 737 Max im April starten.

Wer hat die Boeing 737 Max gestoppt? 

Ethiopian Airlines behält seine Maschinen des Typs 737 Max vorerst am Boden, bis weitere Informationen bekannt werden. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, teilte die Gesellschaft mit. Auch Cayman Airways will seine beiden Flugzeuge des Typs vorerst am Boden behalten. Chinas und Indonesiens Luftfahrtbehörden haben allen Maschinen des Typs ein Flugverbot erteilt. Die "Civil Aviation Administration of China" begründete dies mit einer "Nulltoleranz für Sicherheitsrisiken".  Südkorea hat Inspekteure zum Billigflieger Eaststar Jet geschickt, der zwei Maschinen im Dienst hat. Auch MIAT Mongolian Airlines und Royal Air Maroc lassen ihre Max-Maschinen am Boden.

Was sagen andere Luftfahrtbehörden? 

Die US-Luftfahrtbehörde FAA bot den äthiopischen Behörden Unterstützung an. Bereits nach dem Absturz der "Lion Air"-Maschine im Oktober gab die FAA eine Mitteilung an alle Airlines, um über mögliche Fehlfunktionen zu informieren. Die "European Union Aviation Safety Agency" (EASA) gab bekannt, dass sie die Untersuchungen zum Absturz der Ethiopian Airlines -Maschine genau beobachten und weitere Informationen veröffentlichen, sobald es Untersuchungsergebnisse gebe.

Wie reagiert Boeing auf das Flugzeugunglück? 

Der Flugzeughersteller gab auf seiner Homepage bekannt: "Boeing ist zutiefst traurig vom Tod der Passagiere und der Besatzung des Flugzeugs 302 von Ethiopian Airlines (737 MAX 8) zu erfahren. Wir möchten den Familien und Angehörigen der Passagiere und der Crew an Bord unser tief empfundenes Mitgefühl aussprechen und sind bereit, das Team der Ethiopian Airlines zu unterstützen. Ein Boeing-Techniker-Team reist zur Absturzstelle, um technische Unterstützung unter der Leitung des äthiopischen Accident Investigation Bureau und des 'US National Transportation Safety Board' bereitzustellen." Der US-Konzern erklärte am Montag, es gebe nach bisherigem Kenntnisstand keine Grundlage für neue Anweisungen an die Betreiber des Flugzeugtyps. "Sicherheit ist unsere oberste Priorität", teilte Boeing mit.

Der jüngste Absturz der Boeing 737 Max sorgte an den Börsen für Einbußen bei der Boeing-Aktie. Zum Start des US-Handels verlor der Flugzeugbauer 12 Prozent, berichtet "Bloomberg". Dies sei der größte Kurssturz seit dem 11. September 2001. Falls zwischen den beiden Abstürzen der Ethiopian Airlines und der Lion Air Parallelen gefunden werden, könnten die Folgen für Boeing dramatisch sein, sagt Mary Schiavo, frühere Inspekteurin des "U.S. Transportation Department": "Fluggesellschaften könnten alarmiert sein". Stornierungen von Bestellungen könnten die Folge sein. Vor allem auf dem chinesischen Markt könnte das ein Problem werden: Mehr als jeder vierte Max-Jet fliegt schon jetzt für chinesische Airlines.

Quellen: "The Aviation Herald", "Tech Times", "aero Telegraph", "WirtschaftsWoche", "Bloomberg", Boeing, CNN, LOT Polish Airlines, DPA.


rw/tkr

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