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Schneefälle in Deutschland: "Daisy" legt Autobahnen lahm

"Daisy" bringt den Verkehr zum Erliegen. Es gibt Unfälle, Verspätungen - aber das ganz große Chaos ist bislang ausgeblieben. Nun zieht das Tief nach Norden.

Blockierte Straßen, zugeschneite Schienen, Orkanböen: Tief "Daisy" hat am Samstag über Deutschland eine Schneedecke ausgebreitet. Am Morgen meldete der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach Schneehöhen zwischen 5 und 30 Zentimetern. "Eine geschlossene Schneedecke in ganz Deutschland - das ist sehr selten", sagte DWD-Meteorologe Bernd Zeuschner.

Später als erwartet begann es in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Thüringen stark zu schneien. Auf vielen Autobahnen kam der Verkehr am Vormittag zum Erliegen. Bundes- und Landstraßen waren unpassierbar. Flüge wurden abgesagt. Züge konnten nur mit Mühe das Schienennetz passieren, da Oberleitungen und Weichen von Schnee verweht waren. Starke Orkanböen fegten über die Mittelgebirge hinweg.

Glätte und Schneeverwehungen

Obwohl es bis zum Sonntag weiter schneien soll, hob der Deutsche Wetterdienst am Samstag die Unwetterwarnungen für die südlichen und mittleren Teile Deutschlands auf. "Daisy" verlagere sich im Tagesverlauf vor allem in den Norden des Landes, hieß es. Bereits am Vormittag ging auf der Ostseeinsel Fehmarn nichts mehr: Die Lage sei katastrophal, sagte der Bürgermeister von Fehmarn, Otto-Uwe Schmiedt.

Wegen des starken Sturmes wurde auch der Betrieb der Seilbahnen in den Harzer Skiorten Braunlage und Hahnenklee eingestellt. Dort wurde bis zu Windstärke zehn gemessen.

Vor allem auf den Autobahnen machten Glätte und Schneeverwehungen größere Probleme: Auf der A5 bei Friedberg in Hessen kam der Verkehr teilweise zum Erliegen. An Steigungen stellten sich Lastwagen und Autos quer. Auf der A9 bei Eisenberg war ein Laster umgekippt, im weiteren Verlauf blockierten liegengebliebene Wagen die Fahrbahnen.

Der Bahnverkehr verlief bis zum Mittag unbeeinträchtigt von massiven Störungen, wenn es auch regional immer wieder zu Verspätungen kam. Für Auskünfte hat die Bahn eine aus dem deutschen Festnetz kostenlose Hotline unter der Telefonnummer 08000-996633 eingerichtet.

Flugzeug in Nürnberg von der Startbahn gerutscht

Erheblich beeinträchtigt wurde auch der Luftverkehr. Auf dem größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main fielen bis zum Mittag 216 Flüge aus, darunter 109 Landungen und 107 Starts. Die Fluggäste folgten aber weitgehend der Empfehlung, sich rechtzeitig zu informieren, so dass sich der Andrang der Wartenden in Grenzen hielt.

In Nürnberg rutschte eine Boeing der Air Berlin am Freitagabend kurz vor dem Start von der Rollbahn und blieb im Schnee stecken. Die 133 Passagiere und Crew-Mitglieder blieben unverletzt und konnten die Maschine über die hintere Treppe verlassen. Das Flugzeug musste abgeschleppt werden, die Unfallursache wird untersucht. Der Flughafen blieb zweieinhalb Stunden lang gesperrt. Es ist bereits der dritte Vorfall mit einem Air-Berlin-Flugzeug innerhalb einer Woche. Eine Annullierung von Flügen gab es auch in München "im niedrigen zweistelligen Bereich". Auf anderen Flughäfen kam es nur zu kleineren Störungen, überall wurden immer wieder Start- und Landebahnen vom Schnee geräumt und die Maschinen enteist.

Schnee auf Mallorca

In ganz Europa kämpften die Menschen mit heftigem Niederschlag: In den Bergen im Südwesten der Ferieninsel Mallorca schneite es, wie der Rundfunk am Samstag berichtete. Für die nächsten Tage kündigten die Meteorologen Schneefälle selbst im Flachland an. Auf der Nachbarinsel Ibiza gab es heftige Regengüsse.

Galicien im Nordwesten Spaniens erlebte die schwersten Schneefälle seit 25 Jahren. Mehrere Landstraßen und Bergpässe mussten gesperrt werden. Aus dem Süden Spaniens wurden Überschwemmungen gemeldet. Starker Regen fiel in den vergangenen Tagen auch im benachbarten Portugal.

Wegen heftiger Schneefälle brach im Osten Tschechiens ein Verkehrschaos aus. Seit Freitag schneit es ununterbrochen, aus ostböhmischen Regionen wurden 30 Zentimeter Neuschnee gemeldet. Im russischen Nordkaukasus tötete eine Lawine fünf Bergsteiger.

Starke Schneefälle führten auch im Westen und Süden Polens zu schweren Verkehrsproblemen. Die Autobahn A4, die den Grenzübergang Zgorzelec/Görlitz mit Breslau (Wroclaw) verbindet, wurde nach einem Unfall in Richtung Breslau gesperrt. Die Autobahn A2, die Hauptverbindungsachse zwischen Berlin und Warschau, wurde immer wieder durch Lastwagen blockiert, die zu schnell fuhren, dann ins Schleudern gerieten und sich quer stellten, berichteten Medien. In Schlesien fiel für 14.000 Menschen der Strom aus.

Schnee störte auch den Flugverkehr in Frankreich erheblich. Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle sollte am Samstag ein Viertel aller Flüge ausfallen. Der Toulouser Flughafen war am Vormittag nach bis zu zehn Zentimetern Neuschnee komplett gesperrt. Unterdessen waren im Süden des Landes noch immer 15.000 Haushalte ohne Strom. Auch im Schienenverkehr kam es zu Verspätungen. In zahlreichen Départements blieb zudem der Lastverkehr verboten.

Hochwasser, Schnee und Stürme bestimmen weiter das Wetter in Italien. Betroffen waren vor allem die Gegend um Rom als auch weiter nördlich die Region bei Perugia.

DPA/APD / DPA

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