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Ausstand bei Bahn-Konkurrenten: Lokführer drohen mit weiteren Streiks

In ganz Deutschland hat am frühen Morgen der zweite GDL-Streik bei privaten Bahn-Wettbewerbern begonnen. 47 Stunden soll der Ausstand insgesamt dauern, Pendler müssen sich Alternativen für ihren Weg zur Arbeit suchen. Die Lokführergewerkschaft droht bereits mit weiteren Streiks.

Nach Beginn des 47-Stunden-Streiks bei den großen Konkurrenten der Deutschen Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL gedroht, den Arbeitskampf fortzusetzen. Sollten die Arbeitgeber nicht mit Angeboten auf den Streik reagieren, "werden wir weitere Arbeitskämpfe durchführen", sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky am Donnerstag in Halberstadt (Sachsen-Anhalt).

"Die Gesprächsbereitschaft, die zurzeit signalisiert wird, ist etwas schlitzohrig. Man bietet uns immer Verhandlungen über Haustarife an. Wir sagen aber klar, wir wollen in diesem Haustarif den Rahmentarif verankern", sagte er.

Der Streik bei 21 regionalen Bahnanbietern hatte in der Nacht um 3.00 Uhr begonnen, sagte der stellvertretende GDL-Bundesvorsitzende Norbert Quitter. Bis Samstagmorgen um 2.00 Uhr sollen in ganz Deutschland bei vielen privaten Bahnkonkurrenten die Züge stillstehen. Der Streik solle deutlich machen, dass die Lokführer bereit seien, für ihre Ziele zu kämpfen. "Unsere Ziele sind nicht Streiks, unsere Ziele sind die Rahmentarifverträge", sagte Quitter.

Betroffen sind die großen Verkehrsgesellschaften Abellio, Arriva, Benex, Veolia, Hessische Landesbahn sowie ihre Töchter - nicht aber die Deutsche Bahn AG (DB), mit der die GDL wieder verhandelt. Ein Schwerpunkt des Streiks wird nach GDL-Angaben Norddeutschland sein. Es ist die zweite Streikwelle in dieser Woche.

Keolis will mit der GDL verhandeln

Die GDL fordert einen einheitlichen Tarifvertrag für die 26.000 Lokführer in Deutschland im Regional-, Fern- und Güterverkehr - egal, bei welchem Betreiber sie arbeiten. Eine Kernforderung ist eine Angleichung der Einkommen auf dem Niveau des Branchenprimus plus fünf Prozent Aufschlag. "Das sind alles keine Forderungen, die irgendeinen Arbeitgeber in diesem Land umbringen würden", sagte Quitter.

Während die Verhandlungen mit der DB am 7. April fortgesetzt werden sollen, fehlt mit den Konkurrenten, die bis zu 30 Prozent weniger zahlen, seit Wochen die Gesprächsbasis. "Es wird immer deutlicher, dass es hier einfach nur um eine Verweigerungshaltung der Arbeitgeber geht", so Quitter.

Vom Streik ausgenommen ist auch der Bahn-Konkurrent Keolis, eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF. Das Unternehmen habe ohne Vorbedingungen die Bereitschaft zu Verhandlungen für einen inhaltsgleichen Rahmentarifvertrag für Lokführer und die dazugehörige Verknüpfung mit einem Haustarifvertrag erklärt, teilte die GDL am Mittwochabend mit. GDL-Chef Claus Weselsky sprach von einem "Dammbruch". Quitter sagte: "Die Halsstarrigkeit der anderen Unternehmen kann eigentlich keiner mehr verstehen."

Hex-Züge fahren trotzdem

In Halberstadt informierte sich GDL-Chef Weselsky über den Streik beim Harz-Elbe-Express (Hex), den die Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt GmbH betreibt. Rund 60 bis 70 Prozent der Züge, die hauptsächlich aus Magdeburg und Halle in Richtung Harz und im Harzvorland unterwegs sind, seien trotz des Streiks gefahren, sagte Hex-Geschäftsführer Andreas Putzer. Ein Streiktag koste das Unternehmen rund 50 000 Euro, die vor allem für die Bereitstellung von Bussen anfielen. Das Unternehmen setze Leiharbeiter und Mitarbeiter aus der Verwaltung als Ersatz für streikende Lokführer ein.

mlr/DPA/AFP / DPA

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