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Lokführer vor Streiks: Die Bahn kommt - oder doch nicht?

Warnstreiks bei der Bahn sind jetzt nur noch eine Frage von Tagen: Lokführergewerkschaftschef Weselsky schwor seine Truppe darauf ein. Dass muss aber noch nicht bedeuten, dass der Bahnverkehr flächendeckend lahmgelegt wird.

Noch immer ist nicht klar, wann Fahrgäste erstmals vergeblich auf einen Zug warten, weil der Lokführer nicht zur Arbeit erschienen ist. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) lässt die Deutsche Bahn (DB), deren kleinere Wettbewerber in den Regionen und die Bahnkunden zappeln. Sie verrät nur soviel: Bis Sonntag wird noch kein Lokführer die Arbeit niederlegen, danach ist aber mit Warnstreiks zu rechnen.

Die Bahn würde das gerne noch verhindern. DB-Personalvorstand Ulrich Weber nennt die Streikdrohungen "willkürlich": "Das verunsichert völlig unnötig unsere Kunden. Die GDL hat keinen sachlichen Grund, die Deutsche Bahn zu bestreiken."

Das sieht Weselsky ganz anders. Der Gewerkschaftsboss heizt im mollig warmen Hotelsaal in Berlin-Mitte die Stimmung kräftig an. Rund 1000 Lokführer sind gekommen und empfangen ihren Vorkämpfer mit rhythmischem Applaus. Weselsky pocht auf den geforderten Flächentarifvertrag "für alle Lokführer, und dafür sind wir auch bereit zu streiken, wenn die Arbeitgeber uns das verweigern", ruft er, und die GDL-Mitglieder jubeln ihm zu.

Das Lohnangebot der Deutschen Bahn sei nicht akzeptabel. Fünf Prozent bei einer Vertragslaufzeit von 29 Monaten seien zu wenig. "Wir haben uns nicht über Jahrzehnte besser organisiert und zusammengehalten, um am Ende die Tarifergebnisse einer schwachen Gewerkschaft zu übernehmen", sagt Weselsky und schießt damit einen Gipftpfeil auf die konkurrierende, ungeliebte Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Die EVG hatte sich mit der Bahn und sechs DB-Konkurrenten in einer Schlichtung auf einen Branchentarifvertrag verständigt. Der soll bei künftigen Streckenausschreibungen einen Wettbewerb auf dem Rücken der Beschäftigten verhindern, weil er die Einkommen weitgehend ans DB-Niveau angleicht.

Die Lokführergewerkschaft will mehr, nämlich weitgehend gleiche Einkommen und Arbeitsbedingungen für alle rund 26 000 Lokführer, von denen rund 75 Prozent bei der GDL organisiert sind. Weselsky erinnert in Berlin an den erfolgreichen Tarifkampf 2007/2008, der fast ein Jahr dauerte. Damals wurde mit Drohungen und einigen wenigen Streiktagen der gewünschte eigenständige Lokführer-Tarifvertrag erreicht.

Mit zwei von drei Tarifparteien, der Bahn und den regionalen Privatbahnen, hat die GDL die Verhandlungen abgebrochen. Mit den Güterbahnen redet sie noch. Weselsky will mit einzelnen Warnstreiks zunächst Nadelstiche setzen. Dann will er die Intensität des Arbeitskampfes steigern. Wenn dass nicht reicht, soll länger gestreikt werden. Die Urabstimmung dafür hat die GDL eingeleitet. Deren Ergebnis werde Anfang März feststehen.

Die Bahn hat der GDL neue Verhandlungstermine vorgeschlagen. Von einem neuen Angebot ist bislang nicht die Rede. Darauf aber beharrt Weselsky als Bedingung für eine Absage der Warnstreiks.

DPA/AFP / DPA

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