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Monsterwelle: Albtraum auf hoher See

Monsterwellen sind das Horrorszenario jedes Kapitäns: Am Wochenende hat es ein Kreuzfahrtschiff vor den Bahamas getroffen. Dass es nicht unterging, war dabei nur Glück, denn Luxusliner sind nicht für Monsterwellen gebaut.

Trotz zahlreicher Sicherheitsvorschriften bei der Konstruktion und beim Bau von Kreuzfahrtschiffen können Monsterwellen den Schiffen gefährlich werden. "Solche extreme Bedingungen können nicht mit in die Konstruktion einfließen", sagte der Sprecher der Meyer Werft in Papenburg, Peter Hackmann. Die Werft hat die "Norwegian Dawn" gebaut, die vor der Küste Floridas von einer 20 Meter hohen Welle getroffen und beschädigt wurde. Der 292 Meter lange Luxusliner war in der Nacht zum Samstag von einer wenigstens sieben Stockwerke hohen Welle getroffen worden. "Es fühlte sich an, als ob der Bug des Schiffs aus dem Wasser gehoben und dann ins Meer zurück geschmettert worden wäre", schilderte ein Passagier den Albtraum.Die Welle zerschlug zwei Fenster und setzte 62 Kabinen unter Wasser. Vier Passagiere erlitten leichte Verletzungen und Prellungen, teilte die Reederei Norwegian Cruise Lines mit. "Überall splitterte Glas. Was nicht festgenagelt war, flog in der Kabine herum", sagte eine Passagierin der "New York Daily News". Ihre Hausschuhe seien in kniehohem Wasser an ihrem Bett vorbei geschwommen, erzählte sie weiter. "Das war die reinste Hölle", berichtete James Fraley, der seine Hochzeitsreise auf dem Schiff verbrachte.

Kein S.O.S

Die Reederei stellte klar, dass sich die "Dawn" zu keiner Zeit in Seenot befunden habe. Entscheidend sei in so einer Situation, ob die Maschinen ausfallen oder nicht, erläuterte Hackmann. Offenbar war dies bei der "Dawn" nicht der Fall, somit war der Luxusliner weiter manövrierbar. Auch die Größe eines Schiffes sei ein wichtiger Faktor. "Es gibt Schiffe, bei denen sind schon vier Meter hohe Wellen zu viel", sagte Hackmann."Bei Probefahrten auf der Nordsee werden alle möglichen Extremfälle getestet." Auf Monsterwellen wie im Fall der "Norwegian Dawn" ließen sich Schiffe aber nicht vorbereiten, erläuterte der Schiffsexperte. Welche Schäden ein Schiff in so einer Situation davontrage, hänge wesentlich davon ab, wie die Welle auf das Schiff treffe.

Monsterwellen nicht berechenbar

"Das Schiff hat das hervorragend gemeistert", meinte Schiffsbauer Hackmann zu dem Vorfall. "Das sind Extremfälle. Solche Situationen kann man schwerlich berechnen und Schiffe darauf auslegen", sagte der Sprecher. "Das ist so als würde man einen Automobilhersteller fragen, ob er beim Bau eines Autos berücksichtigt, dass jemand damit mit Tempo 180 gegen einen Brückenpfeiler fahren könnte."

"Dawn" konnte weiterfahren

Die "Dawn" lief am Samstagabend außerplanmäßig Charleston (South Carolina) an, wo die Schäden größtenteils repariert wurden. Die mehr als 300 Passagiere aus den überschwemmten Kabinen wurden nach Hause geflogen. Mit eintägiger Verspätung traf das Schiff am Montagfrüh (Ortszeit) in New York ein. Die "Dawn" verkehrt regelmäßig auf Rundkurs von New York nach Florida und den Bahamas.

AP, DPA / AP / DPA

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