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Nach "Concordia"-Unglück Kreuzfahrt-Buchungen brechen ein

Bislang boomten Kreuzfahrten. Das hat sich nach dem Unglück der "Costa Concordia" schlagartig geändert. Der US-Eigner Carnival meldet deutliche Rückgänge bei den Buchungen.

Die Tragödie auf der "Costa Concordia" hat vielen Menschen die Lust auf Kreuzfahrten verdorben. Die Buchungen bei der italienischen Unglücksreederei "Costa" seien "deutlich" zurückgegangen, teilte der US-Mutterkonzern Carnival mit. Durch zahlreiche Umbuchungen sei es aber schwer, genaue Zahlen zu nennen.

Bei allen anderen Tochtergesellschaften bezifferte Carnival den Buchungsrückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 15 Prozent. "Nach dem Vorfall haben wir unsere Marketingaktivitäten deutlich zurückgefahren." Den größten Einbruch habe es drei Tage nach dem Unglück gegeben. Seitdem scheint es wieder aufwärts zu gehen.

Einnahmeausfall durch die Havarie

Mit mehr als 100 Schiffen ist Carnival die Nummer eins der Kreuzfahrt-Konzerne weltweit. Ihr Marktanteil liegt bei rund 50 Prozent. Carnival gilt deshalb als Barometer für die seit Jahren boomende Branche. Auch die deutsche Reederei "Aida Cruises" und die britische "Cunard" mit dem Flaggschiff "Queen Mary 2" gehören zum Konzern. Hauptmarkt für Carnival sind allerdings die USA.

Der Konzern rechnet alleine im laufenden Geschäftsjahr mit Kosten von 155 bis 175 Millionen Dollar (118 bis 133 Millionen Euro) wegen des Unglücks. Das Schiff selbst war zwar mit einer halben Milliarde Dollar versichert, doch Carnival muss den Einnahmeausfall verkraften. "Trotz der jüngsten Entwicklungen rechnen wir nicht damit, dass der Vorfall auf lange Sicht einen merklichen Einfluss auf unser Geschäft haben wird."

11.000 Euro als Entschädigung

Die US-Reederei Carnival will bis zum Jahr 2016 zehn weitere Schiffe in Dienst stellen. Ob die "Costa Concordia" jemals wieder fährt, ist indes offen. Carnival erklärte, derzeit würden die Schäden begutachtet. Das 290 Meter lange Schiff hatte am 13. Januar nach einer Kursänderung des Kapitäns einen Felsen vor der italienischen Insel Giglio gerammt und war leckgeschlagen. Seitdem liegt das Schiff in flachem Gewässer auf der Seite.

Mehr als 4200 Menschen waren zum Zeitpunkt des Unglücks an Bord, bislang wurden 17 Todesopfer geborgen, 16 Passagiere und Besatzungsmitglieder werden noch vermisst. "Wir sind zutiefst erschüttert von dieser Tragödie", erklärte Carnival. Das Management versprach den Passagieren, Crewmitgliedern und Familien der Opfer "volle Unterstützung".

Passagiere hatten von chaotischen Zuständen bei der Evakuierung berichtet. Carnival sieht sich deshalb Klagen gegenüber. Es geht um hunderte Millionen Dollar. Der Kreuzfahrtkonzern selbst hatte jedem Reisenden mindestens 11.000 Euro als Entschädigung angeboten. "Concordia"-Passagiere hatten die angebotene Summe als "lächerlich" bezeichnet.

tib/DPA DPA

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