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Notlandung des Qantas-Airbus A380: Passagiere entgingen nur knapp einer Katastrophe

Der Fehler ist gefunden: Die Rolls-Royce-Triebwerke des Airbus A380 enthalten ein fehlerhaftes Bauteil. Und es wird immer klarer: Die 459 Menschen an Bord des Qantas-Fliegers entgingen wohl nur knapp einem Absturz.

An dem gefährlichen Triebwerkschaden bei einem Qantas-Riesen-Airbus A380 ist ein fehlerhaftes Bauteil Schuld. Der Turbinenhersteller Rolls-Royce will die Module in der gesamten Serie der Trent-900-Triebwerke auswechseln, kündigte er am Freitag an.

Gut eine Woche nach der Notlandung des Qantas-Airbus wird unterdessen deutlich, dass die 466 Menschen an Bord wohl nur knapp einer Katastrophe entgangen sind. Metallsplitter aus dem kaputten Triebwerk hatten viel größeren Schaden angerichtet, als bislang angenommen wurde, berichtet die Zeitung "The Australian".

Metallsplitter beschädigten Treibstoffsystem

Als das Triebwerk in dem Qantas-Flugzeug kurz nach dem Start mit lautem Knall kaputtging, ist nach Informationen der Zeitung die Tragfläche schwerer beschädigt worden, als bislang bekannt war. Metallsplitter hätten Teile der Verkabelung und des Treibstoffsystems des Riesenflugzeugs zerstört, als sie die Außenhaut der Maschine durchschlugen, berichtet "The Australian". Außerdem sei die Feuerlöschanlage an der betroffenen Tragfläche ausgefallen. Der Besatzung sei es ferner nicht gelungen, Treibstoff zur Ausbalancierung der Maschine umzupumpen. Die Maschine musste mit diesen Schäden noch eine Stunde Schleifen fliegen, um Benzin abzulassen, ehe sie zur Notlandung nach Singapur zurückfliegen konnte.

Aber auch die verlief offenbar nicht reibungslos: Laut "The Australian" musste das Fahrwerk manuell ausgefahren werden, und der berechnete Ausrollweg sei nur 150 Meter kürzer gewesen als die Landebahn. Weder Qantas noch die australische Transportsicherheitsbehörde (ATSB) wollten sich zu dem Bericht äußern. Die Fluggesellschaft habe aber auch der Aussage nicht widersprochen, dass die Maschine "erhebliche Schäden" erlitten habe.

Spurensuche der Ermittler am Boden

Nach Angaben von Rolls-Royce geht der Triebwerkausfall auf eine bestimmte Komponente im Turbinenteil des Triebwerks zurück. Durch das fehlerhafte Bauteil könne Öl austreten, das in Brand geraten kann. Bei dem Qantas-Flugzeug habe der Brand im Bereich der Mitteldruckturbine zum Bruch der Turbinenscheibe geführt - die vom Aussehen her einem Zahnrad ähnelt. Ein Teil der geborstenen Scheibe war gefunden worden und galt als Schlüssel bei der Fehlersuche.

Ermittler der ATSB trafen am Freitag auf der indonesischen Insel Batam ein, um die Suche nach dem Rest der Scheibe zu verstärken. Sie hatten den genauen Flugweg der Maschine markiert und wollen nun gezielt am Boden suchen. Auf Batam waren schon zahlreiche Trümmerteile gefunden worden, der Rest der Scheibe fehlt aber noch. Das beschädigte Triebwerk soll am Wochenende aus der Maschine ausgebaut werden. Dazu werde noch Spezialgerät aus Deutschland eingeflogen, teilte die ATSB mit.

Inspektion schon nach 20 Flugzyklen

Bei der Fehlersuche decken sich die Erkenntnisse von Rolls-Royce sich mit denen der europäischen Luftaufsichtsbehörde EASA. Alle Maschinen müssen nach einer Direktive der Behörde aus Köln genauestens inspiziert werden. Die Inspektion muss nach jeweils 20 Flugzyklen wiederholt werden. Die EASA hatte bereits im August vor dem durch Materialermüdung entstehenden Problem gewarnt und eine höhere Frequenz an Tests angeordnet. Unklar blieb, warum es trotz des frühen Hinweises aus Köln dennoch zu dem Triebwerkschaden in der Luft kommen konnte.

Die speziell für den Airbus A380 entwickelten Triebwerke werden von den Fluggesellschaften Lufthansa, Singapore Airlines und Qantas verwendet. "Sicherheit bleibt unsere höchste Priorität", sagte Rolls-Royce-Vorstandschef John Rose am Freitag. Er entschuldigte sich bei den Fluggesellschaften. "Wir bedauern die Unterbrechungen, die wir verursacht haben", sagte er. Rose schraubte die Gewinnerwartung des Unternehmens für 2010 leicht zurück. Rolls-Royce sei aber wirtschaftlich gesund.

"Das Vertrauen in das Flugzeug bleibt intakt"

Der Chef der Airbus-Muttergesellschaft EADS hatte zuvor erklärt, die Auslieferung des neuen A380 werde sich wegen der Triebwerksprobleme leicht verzögern. Für Enders habe der Zwischenfall gezeigt, dass das Flugzeug dank seiner Auslegung auch mit extremen Situationen fertig werde. "Das Vertrauen in dieses Flugzeug bleibt intakt und wird sich noch verstärken", sagte Enders, der der Cockpit-Crew des Qantas-A380 ein Kompliment für ihr Verhalten bei dem Zwischenfall machte.

Eine Qantas-Sprecherin betonte, dass die Fluggesellschaft an ihren A380-Bestellungen festhalte. "Natürlich werden wir weitere Maschinen in den Dienst stellen", sagte sie in einem Radiointerview. "Wir haben eine Gesamtbestellung von 20 - sechs sind bereits in unserer Flotte." Die sechs Maschinen sind seit dem Unfall aus dem Flugverkehr gezogen. Singapore Airlines hat eine der drei Airbus-A380-Maschinen, bei denen nach dem Fund von Ölflecken die Triebwerke ausgewechselt wurden, wieder in den Dienst gestellt. Die zweite sollte am Samstag wieder fliegen. Die acht nicht betroffenen Maschinen sind im regulären Flugeinsatz.

tib/DPA/AFP/DAPD / DPA

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