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Interview

Reisetrends: Urlaub 2018: Warum das Thema Sicherheit immer wichtiger wird

Sicherheit ist zu einem der wichtigsten Kriterien bei der Auswahl des Urlaubszieles geworden. Reiseveranstalter wie Deutschlands Marktführer Tui haben das Thema professionalisiert und gehen offen damit um. Das sei eine Chance, findet Deutschland-Chef Marek Andryszak und blickt optimistisch auf die Saison 2018

Marek Andryszak

Sitzt entspannt im Liegestuhl: Marek Andryszak. Seit Juli 2017 ist er Vorsitzender der Geschäftsführung der Tui Deutschland GmbH.

Tui-Deutschlandchef Marek Andryszak wurde in Polen geboren. Der 44-jährige Familienvater kam als Jugendlicher mit seinen Eltern, die Spätaussiedler waren, nach Deutschland. Karriere machte er bei der Tui als Landeschef in Polen, wo die Kunden deutlich jünger sind und Reisen seit Jahren meist über das Internet gebucht werden.

Herr Andryszak, was bedeutet das Thema Sicherheit für deutsche Urlauber?

In der letzten Zeit merken wir, wie die Bedeutung bei unseren Kunden zu nimmt: Denken sie an die letzten Terroranschläge , den Vulkanausbruch auf Bali, die Pleiten von und Niki oder der britischen Airline Monarch. Die  unvorhersehbaren Ereignisse werden gefühlt  mehr. Aber Sicherheit ist ein vielschichtiges Thema.

Wie meinen Sie das?

Da ist zum einen der finanzielle Aspekt: Bei geht es ja um viel Geld, das unter Umständen weg ist, wenn die Airline, bei der ich einen Flug gebucht habe, pleite geht. Doch der Schaden ist natürlich noch größer: Der Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Wenn ich nicht in mein Urlaubsziel reisen kann, dann erwarten die Kunden Optionen, wohin sie sonst reisen können.

Die wenigsten wollen einfach ihr Geld zurück, sondern sie wollen und bekommen von uns Alternativen. Und schließlich ist da noch die Krise, die während des Urlaubs eintreten könnte. Krankheit, ein Unfall zum Beispiel. Da möchten die Menschen jemanden, der sich kümmert. Da geht es überhaupt nicht mehr um Geld, sondern darum, dass einem geholfen wird, wenn man in Schwierigkeiten steckt.

Sie haben bei der Tui seit Mitte der 90er Jahre einen hauptamtlichen Krisenmanager? Darf der im Ernstfall entscheiden?

Ich wäre schlecht beraten, wenn ich in Krisenzeiten nicht auf ihn und die Experten im Krisenstab hören würde.

Wie teuer ist Sicherheit?

Selbst, wenn nichts passiert, kostet sie uns Millionen, denn wir müssen ja entsprechende Ressourcen vorhalten. Über 500 Mitarbeiter haben sich freiwillig zu Krisenhelfern schulen lassen. Die können wir sofort losschicken, wenn etwas passiert.

Sind die Leute bereit, mehr für Sicherheit zu zahlen?

Das weiß ich nicht. Aber wir spüren, dass die Kunden wieder vermehrt bei den großen Reiseveranstaltern buchen. Tui Deutschland wächst erstmals seit Jahren wieder sehr deutlich. Scheinbar machen wir einiges richtig. 2018 erwarten wir deutlich über sechs Millionen Kunden in Deutschland, also knapp ein Drittel der Kunden des Tui-Konzerns weltweit.

Was sind momentan die Buchungstrends für den Sommer?

Sehr gefragt ist Griechenland, besonders bei Familien. Gute Hotels dürften dort ziemlich früh ausgebucht sein. Aber auch die Türkei kommt zurück. Sie war bis vor wenigen Jahren aus deutscher Sicht Reiseland Nummer Zwei und ist dann zwischenzeitlich auf den fünften Platz zurück gefallen. Aktuell liegt sie wieder auf Platz Drei. Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen einfach, und die Touristen haben dort gute Erfahrungen gemacht. Viele kehren jetzt zurück.

Was ist mit Nordafrika?

Auch das Reiseziel Ägypten wächst. Die Menschen verstehen inzwischen: Terror kann überall passieren, und in den touristischen Regionen ist es dort seit zwei Jahren ruhig. Angesichts der Anschläge in Europa haben die Menschen gelernt, mit der Gefahr umzugehen – so makaber das klingt.

Viele Urlauber sind zuletzt auf Kreuzfahrtschiffe ausgewichen, weil es ihnen sicherer erschien. Gehen da die Buchungszahlen nun zurück?

Ich würde das definitiv nicht "ausweichen" nennen und sehe auch keinen Zusammenhang zu Krisen. Kreuzfahrten sind ein großer Wachstumsmarkt. Der Tui-Konzern macht heute rund 56 Prozent des Ergebnisses mit seinen Hotels und den eigenen Kreuzfahrtschiffen. Und die Europäer beginnen jetzt erst das Thema Kreuzfahrten für sich zu entdecken, die Kreuzfahrt wird jünger und ist attraktiv für Familien. Der Tui Konzern besitzt inzwischen 16 Schiffe und die Nachfrage ist heute größer als das Angebot.  

Erwarten Sie wieder Rabattschlachten?

2018 dürfte ein wirklich gutes Reisejahr werden und daher kann es auch in vielen Regionen in der Hochsaison eng werden. Frühbucher können aber bis Ende Februar von Rabatten profitieren, die uns Hoteliers gewähren, wenn wir ihre Häuser früh belegen. Die geben wir weiter. Das Last-Minute-Geschäft dagegen schrumpft, weil wir besser darin geworden sind, unsere Kapazitäten zu steuern. Wir schaffen auch deswegen gerade unsere Marke 1-2-fly ab.

Und wohin fahren Sie selbst in Urlaub?

Letzten Sommer war ich mit der Familie in einem Hotel in Mecklenburg-Vorpommern. In diesem Frühjahr geht es in die Türkei an den Strand. Und im Sommer haben die Kinder entschieden: Wir fahren mit dem Camper an der spanischen Atlantikküste entlang. 



Mehr über den Urlaub 2018 und Reisetipps der stern-Redaktion in der neuen Ausgabe des stern:


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