Verbraucherschutz Die Ticket-Fallen der Billigflieger


Mit fantastisch klingenden Sonderangeboten versuchen Billig-Airlines Kunden zu locken. Mehr als die Hälfte der Angebote sind nach einer europaweiten Studie der EU-Kommission allerdings irreführend. Auch bei deutschen Airlines scheint das gängige Praxis zu sein.
Von Jens Maier

Meglena Kunewa macht Ernst. Vier Monate hat die EU-Verbraucherschutzkommissarin betroffenen Fluggesellschaften in Europa noch Zeit gegeben, um ihre gängige Praxis der "Irreführung" von Kunden bei der Buchung von Flugtickets und insbesondere bei Preisangaben abzustellen. Sollten die Unregelmäßigkeiten nicht aufhören, will sie die Namen der betroffenen Airlines bekannt geben, um die Unternehmen damit an den Pranger zu stellen. Die Kommissarin drohte auch damit, Seiten zu schließen oder Strafen zu verhängen.

Mehr als die Hälfte der Angebote unlauter

Kunewa reagiert damit auf eine von der EU-Kommission in Auftrag gegebene Studie über Verkaufspraktiken von Flugtickets, die am Mittwoch in Brüssel vorgestellt wurde. 447 Websites von Airlines wurden untersucht, bei 226 seien Unregelmäßigkeiten festgestellt worden - das entspricht mehr als der Hälfte. "Die Ergebnisse sind enttäuschend", sagte die Kommissarin und nannte fünf Beispiele:

1. Als Gratis-Tickets beworbene Flugscheine seien in Wahrheit nicht umsonst, da tatsächlich Fluggebühren und Steuern dazu kämen. 2. Tickets, die auf der ersten Internetseite zu einem Preis von 20 Euro beworben wurden, kosteten fünf Seiten später über 100 Euro, weil Steuern und Gebühren dazu gekommen waren. 3. Tickets wurden mit Niedrigpreisen beworben, tatsächlich seien diese Preise aber nicht zu buchen gewesen. 4. Geschäfts- und Beförderungsbedingungen seien nicht in Landessprache abrufbar gewesen. 5. Zusätzliche Versicherungen wurden automatisch zum Preis addiert, ohne dass der Kunde dies ausdrücklich wünschte.

"Das ist nicht der Binnenmarkt, von dem wir träumen“, kritisierte die 50-Jährige Bulgarin, die erst seit dem 1. Januar 2007 der EU-Kommission angehört und sich die Durchsetzung von transparenten Preisen auf die Fahnen geschrieben hat. Zum jetzigen Zeitpunkt wollte sie allerdings weder Namen noch die Anzahl der betroffenen Airlines bekannt geben. Die Unternehmen sollen die Chance haben, ihre Fehler zu beheben. Auch darüber, ob deutsche Airlines betroffen sind, wollte die Kommissarin keine Auskunft geben.

Stichprobe bei deutschen Airlines

Nach stern.de-Recherchen sind irreführende Lockangebote auch bei einigen deutschen Fluggesellschaften gängige Praxis. So wirbt Germanwings derzeit auf seiner Website mit "200.000 zusätzlichen Tickets für 19 Euro". Das Angebot versteht sich inklusive Steuern und Gebühren, war aber bei einer Stichprobe nur schwer auffindbar. Lediglich wenige ausgewählte Flüge waren für diesen Preis zu buchen. Auf Nachfrage von stern.de bestätigte man bei Germanwings zwar, dass das Angebot nicht auf jedem Flug zu jeder Zeit verfügbar sei, begründete dies aber damit, dass die Zahl von 200.000 Tickets nur einen Teil des Gesamtflugangebotes im Geltungszeitraum ausmache.

Bei "Tuifly" wird mit Flugpreisen von 5 Euro für einen Oneway-Flug geworben und erst im Kleingedruckten auf zusätzliche Kosten hingewiesen. Dies mag rechtlich zwar korrekt, aber nicht unbedingt verbraucherfreundlich sein, denn der Endpreis bewegt sich zwischen ca. 20 und 50 Euro - also bis zum zehnfachen des groß gedruckten Angebots, das aber immerhin abrufbar und verfügbar war. Vorbildlich schnitt bei der stern.de-Stichprobe das Angebot von Air-Berlin ab. Die versprochenen 29 Euro für einen One-Way-Flug waren inklusiver aller Steuern und Gebühren, das Angebot war sehr leicht aufzufinden.

Zusatz-Kosten durch Versicherungen

Reibach versuchen viele Fluggesellschaften mit Reise-Rücktrittsversicherungen zu machen. Bei "Germanwings" ist automatisch die Auswahl "Reise-Rücktrittskosten-Schutz" für 9,99 Euro angekreuzt. Der Kunde muss zwar die Versicherungsbedingungen nochmals ausdrücklich durch Ankreuzen akzeptieren, besser wäre jedoch, er hätte von vornherein die freie Wahl. Ähnliches auch bei "Tuifly". Wer die automatische Auswahl " Travel-Paket" übersieht, bucht mit der Bestätigung der "Elvia-EVB" eine Versicherung für 9,99 Euro. Tuifly-Pressesprecher Onuoro Ogbukugu sieht in dieser Praxis allerdings keinen Grund zur Beanstandung. "Die Reiseversicherung ist nur eine Empfehlung an den Kunden, die er durch aktive Bestätigung akzeptieren muss", sagte er zu stern.de.

Wenn EU-Kommissarin Kunewa im Februar die Liste der schwarzen Schafe veröffentlicht, wird die Stunde der Wahrheit für die Fluggesellschaften schlagen. Verbraucher können dann vor der Buchung bei bestimmten Airlines gewarnt werden. Sanktionen wird die eifrige Verbraucherschützerin allerdings nur schwer durchsetzen können. Auf Nachfrage musste sie einräumen, dass darüber ausschließlich die betroffenen EU-Staaten entscheiden.


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