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Wilder Streik in Spanien Die ersten Lotsen kehren zurück


Wegen des wilden Streiks der spanischen Fluglotsen hat die Regierung den Notstand ausgerufen. Nun kehren die ersten Ausständler an ihren Arbeitsplatz zurück.

Erste Zeichen von Entspannung: Die spanischen Fluglotsen haben nach einem wilden Streik damit begonnen, an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. Sie reagierten damit auf die Erklärung des Alarmzustands durch die Madrider Regierung.

Sollten die Fluglotsen nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkehren, könnten sie wegen Gehorsamsverweigerung vor Militärgerichten angeklagt werden, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Alfredo Pérez Rubalcaba nach einer Sondersitzung des Kabinetts. Im Falle einer Verurteilung drohten ihnen Freiheitsstrafen. Nach Angaben spanischer Medien war es das erste Mal seit Wiederherstellung der Demokratie 1977 in Spanien, dass der Alarmzustand ausgerufen wurde.

Ab Nachmittag wieder eine Flugkontrolle

Nach Angaben der Flughafenbehörde AENA gab es am Nachmittag für mehrere Bereiche des spanischen Luftraums wieder eine Flugkontrolle. Dies lasse hoffen, dass einzelne Flughäfen den Betrieb noch am Samstag wieder aufnehmen könnten, hieß es. Die AENA hatte den spanischen Luftraum am Samstag bis 19.00 Uhr geschlossen.

4300 waren für Spanien vorgesehen

Alfredo Pérez Rubalcaba hatte angekündigt, die Sperrung werde bis zum Sonntag aufrechterhalten. Auf dem Madrider Flughafen hatten Iberia und mehrere andere Linien alle Flüge für Samstag abgesagt. Auf den spanischen Airports waren für Samstag 4300 Flüge vorgesehen gewesen.

Die Fluglotsen hatten am Freitag die Arbeit niedergelegt. Sie verhandeln schon lange mit der AENA über ihre Löhne, die Arbeitsbedingungen und Vergünstigungen. Nach Angaben der Fluglotsengewerkschaft haben deren Mitglieder die Maximalarbeitszeit bereits seit Wochen erreicht. AENA-Chef Juan Ignacio Lema warf den Fluglotsen vor, die spanische Bevölkerung zu erpressen.

Bitte kommen Sie nicht zum Flughafen

Schätzungsweise 330.000 Reisende saßen vor einem verlängerten Wochenende fest. AENA erklärte, 90 Prozent ihrer Fluglotsen hätten entweder ihre Arbeitsplätze verlassen oder seien nicht zum Dienst erschienen.

Von den Schließungen am Freitag betroffen waren unter anderem der Großflughafen von Madrid und Flughäfen in den beliebten Urlaubszielen Ibiza, Palma de Mallorca und Menorca. Die spanische Fluggesellschaft Iberia strich bis 6 Uhr (Ortszeit) am Sonntag alle Verbindungen. Die Passagiere sollten zu Hause oder in ihren Hotels zu bleiben und nicht zu den Flughäfen zu kommen, hieß es am Samstag.

Der wilde Streik führt auch zu massiven Behinderungen auf Flughäfen in ganz Europa. Allein in Deutschland warteten Tausende Reisende auf ihre Flüge. In Frankfurt am Main mussten seit Beginn des nicht angemeldeten Ausstandes am Freitagabend 14 Starts annulliert werden, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Außerdem gebe es etliche Verspätungen. Planmäßig sollten dort am Samstag rund 30 Passagiermaschinen in Richtung Spanien abheben.

Mehrere tausend Fluggäste mussten auf dem Münchner Flughafen Wartezeiten und Ausfälle in Kauf nehmen. Etwa 30 Maschinen konnten wegen des Streiks nicht starten oder kamen nicht an. Ein Sprecher des Münchner Flughafens schätzte, dass rund 5000 Fluggäste betroffen waren. In Düsseldorf fielen mehrere Flüge mit Zielen auf dem spanischen Festland aus. Flüge zu den kanarischen Inseln oder nach Mallorca wurden zunächst verschoben. "Wir können den Passagieren nur empfehlen, sich an die Fluggesellschaften zu wenden", sagte die Sprecherin des Düsseldorfer Flughafens, Sonja Schröder.

Am Flughafen Köln-Bonn waren Flüge in Richtung Spanien ebenfalls mehrere Stunden verspätet. Auf den beiden Berliner Flughäfen wurden acht Flüge gestrichen. Auf den Airports Leipzig-Halle und Dresden fielen ebenfalls Flüge aus. In Stuttgart kam es zu erheblichen Verspätungen von bis zu zwölf Stunden.

joe/DAPD/DPA/AFP DPA

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