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The Westin Grand Berlin: Honeckers beste Adresse

Von einer Nacht im Grandhotel konnten DDR-Bürger einst nur träumen. Es war Besuchern aus dem Westen vorbehalten. 15 Jahre nach der Wiedervereinigung gehört das Hotel noch immer zu den besten Adressen Berlins und zeugt von ein bisschen Glamour in der DDR.

Von Jens Maier

"Grandhotel Honecker" nannten die Berliner das luxuriöseste Hotel im Arbeiter- und Bauernstaat: Das "Grandhotel Berlin" wurde am 1. August 1987 feierlich vom Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker höchstpersönlich eingeweiht. Devisenstarken Urlaubern aus dem Westen mangelte es in dem Haus mit mehr als 300 Zimmern und Suiten an nichts, weder an Komfort noch an Glanz. Die großen Hotels im Westen dienten als Vorbild, der normale DDR-Bürger musste draußen bleiben und konnte vom Luxus und Überfluss drinnen nur träumen. Denn die Übernachtungen mussten mit harter D-Mark oder anderen ausländischen Devisen bezahlt werden.Das einst zur Interhotel-Gruppe der DDR gehörende Haus ging nach der Wiedervereinigung 1990 in den Besitz der Treuhand über und wurde 1992 an den amerikanischen Investor Starwood verkauft. Seitdem heißt es "The Westin Grand Hotel Berlin" - doch wer will, kann in dem Haus an der Friedrichstraße noch immer auf DDR-Zeitreise gehen.

Wie ein Opernhaus empfängt das Grandhotel auch heute seine Gäste: Säulen aus Marmor säumen eine Lobby mit schweren Sesseln, eine riesige Freitreppe führt hinauf in die Tagungs- und Clubräume. Rudi Carrell soll einmal gesagt haben, sie sei die tollste Treppe, die er je gesehen habe. Wer den roten Samtteppich darauf hinaufschreitet, hat einen atemberaubenden Blick in das riesige Atrium. Fast 30 Meter sind es bis zur Decke, wo ein gläsernes Oberlicht für einen krönenden Abschluss sorgt. Nicht umsonst diente die Lobby als Filmkulisse für den Kinostreifen "Die Bourne Verschwörung". Jason Bourne alias Matt Damon checkt in dem Agententhriller im Westin ein, ehe er sich anschließend eine wilde Verfolgungsjagd durch ganz Berlin liefert.

Dass ein Hollywood-Streifen in seinem Hotel gedreht würde, hatte sich der einstige Star-Architekt der DDR, Erhardt Gißke, bei der Planung des Hotels Ende der achtziger Jahre bestimmt nicht träumen lassen. Doch der Auftrag der DDR-Führung war klar: Das Grandhotel sollte kein normales Hotel sein, sondern ein Palast, mit dem das Prestige des Staates bei ausländischen Gästen mächtig aufpoliert werden sollte. Gespart wurde beim Bau deshalb an fast nichts. Was die DDR damals unter Luxus verstand, ist noch heute zu erkennen: Kostspielige Teppiche und Möbel im Atrium, schwere Holzvertäfelungen und Messingbeschläge im Restaurant, ein Kaminzimmer - mit einer gemauerten offenen Feuerstelle, Hirschgeweihen und Gemälden, mit Samttapeten tapezierte Gästezimmer und als Highlight die opulent ausgestattete Lobby mit riesiger Freitreppe. Wirklich beeindruckend ist aber noch heute, wie großzügig das gesamte Hotel angelegt wurde. Die Zimmer sind außergewöhnlich groß, die Bäder riesig und die große Empfangshalle geradezu verschwenderisch. Kein Hotel in Berlin kann mit so viel Platz in Lobby und Atrium aufwarten.

Ganz besonderen Wert wurde im Grandhotel schon immer auf Service und Qualität gelegt. Früher wurde die Küche von ihrer eigenen Fleischerei versorgt, es gab eine hoteleigene Schreinerei, eine Wäscherei - mehr als 200 Mitarbeiter waren rundum damit beschäftigt für das leibliche Wohl der Gäste zu sorgen und somit konnte das Haus fast autark arbeiten. Heute sind in den ehemaligen Werkstätten im Keller der Wellness und Spabereich untergebracht, wo einst hoteleigene Möbel kreiert wurden, entspannen heute die Gäste. Von dem Luxus der eigenen Werkstätten musste sich das Hotel nach der Wende aus Kostengründen trennen, ein einzigartiger Service ist jedoch geblieben: der Butler.Neben dem Adlon ist das Westin Grand das einzige Fünf-Sterne-Hotel in Berlin, das sich diesen Service leistet. Gäste der 250 Quadratmeter großen Präsidentensuite, bekommen ihren eigenen Butler an die Seite gestellt. DDR-Staatsgäste hat er zwar seinerzeit nicht bedient, die wohnten im Schloss Niederschönhausen, doch nach der Wende immerhin Persönlichkeiten wie Königin Nur von Jordanien, das Ehepaar Putin, Kirk Douglas und die Rolling Stones. Und eine Frage stellen die Bewohner der Präsidentensuite noch heute gerne: Hat Honecker auch schon in meinem Bett geschlafen?

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